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Politik

Barmer GEK fordert Kosten-Nutzen-Ana­lyse neuer Arzneimittel

Mittwoch, 9. Dezember 2015

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Berlin – Die Barmer GEK hat angesichts einer zunehmend höheren Zahl hochpreisiger Arzneimittel auf dem Markt eine Modifizierung des AMNOG-Verfahrens gefordert. „Arzneimittel wie Sovaldi sind Segen und Fluch zugleich. Sie sind hochwirksam, meistens aber auch extrem teuer“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, heute bei der Vorstellung des Barmer GEK Arzneimittelreports 2015 in Berlin. Innerhalb eines Jahres sei Sovaldi von Null in die Top Ten der teuersten Arzneimittel gerückt, die die Barmer GEK bezahle.

„Und Sovaldi ist nicht allein. Das Medikament steht beispielhaft für viele weitere Innovationen und für viele, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen werden“, so Straub. Grundsätzlich sei dies zu begrüßen. Man müsse jedoch fragen, was diese Medikamente im Hinblick auf ihren Nutzen kosten dürften.

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Das Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) bezeichnete Straub als „einen Riesenfortschritt“, da mit der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel versucht werde, eine bessere Balance zwischen dem Preis und dem Patientennutzen her­zustellen. Er forderte jedoch zwei Änderungen am AMNOG-Prozess. So sollen die Hersteller von Arzneimittel, die absehbar mehr als 80 Millionen Euro Jahresumsatz generieren werden, schon bei Markteintritt begründen, weshalb sie für ihr Präparat den verlangten Preis einfordern. Mit einer solchen Regelung seien in Schottland bereits gute Erfahrungen gemacht worden. Von den 1.815 patentgeschützten Arzneimitteln würde das Kriterium auf 34 zutreffen.

Arzneimittelausgaben steigen deutlich an
Zum anderen forderte Straub, für neue Arzneimittel frühestens drei Jahre nach Marktzulassung eine Kosten-Nutzen-Bewertung durchzuführen. Dies sei zwar auch aktuell nach AMNOG möglich, werde aber nicht gelebt. Dabei solle das Nutzen-Risiko-Profil eines Arzneimittels analysiert und in Bezug zu den verursachten Kosten gesetzt werden. Eine solche Analyse sei noch nicht bei der Zulassung, aber drei bis fünf Jahre später möglich. Die Barmer GEK schlägt vor, dass diese Bewertung das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses und auf Antrag des GKV-Spitzenverbandes vornehmen soll.

Vorgestellt wurden darüber hinaus Entwicklungen im Arzneimittelsektor. So seien die Ausgaben für Arzneimittel nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes im Jahr 2014 von 30,39 auf 33,34 Milliarden Euro gestiegen, erklärte Gerd Glaeske von der Universität Bremen, einer der Autoren des Reports. Grund für diesen Anstieg ist vor allem die Senkung des Herstellerabschlages von 16 auf sieben Prozent. Die Barmer GEK bezahlte im Jahr 2014 dem Report zufolge etwa 4,5 Milliarden Euro für die Arzneimittel ihrer Versicherten. Spezialpräparate wie gentechnologisch oder biologisch hergestellte Arzneimittel versuchten 1,73 Milliarden Euro dieser Kosten. Die Generikaquote bei Arzneimittelpackungen lag innerhalb der Barmer GEK bei 76 Prozent.

Dabei sind die Kosten sehr unterschiedlich verteilt. 1,5 Prozent der Barmer GEK-Versicherten, die Arzneimittel erhalten, nehmen Medikamente ein, die 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Elf Prozent der Versicherten nehmen Arzneimittel im Wert von 70 Prozent der Gesamtausgaben. Und auf etwa ein Drittel der Versicherten entfallen 90 Prozent der Ausgaben.

Große Regionale Unterschiede
Regional sind die Unterschiede in der Arzneimittelversorgung groß. Die geschlechts- und altersstandardisierten Ausgaben für Barmer GEK-Versicherte schwanken zwischen 37.000 und 58.000 Euro je 100 Versicherte. Am höchsten sind die Arzneimittelausgaben pro Versichertem in den ostdeutschen Bundesländern, mit Ausnahme von Teilen Brandenburgs und Sachsens, sowie Regionen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Gründe dafür seien neben der unterschiedlichen Morbiditätsstruktur auch die sozialen Strukturen und unterschiedliche vertragliche Regelungen zwischen Krankenkassen und Vertragsärzten zum Beispiel im Hinblick auf Richtgrößen für Generika, heißt es in dem Report.

© fos/aerzteblatt.de

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