NewsMedizinProstatahyperplasie: Alpha-Blocker können Schlaganfall triggern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Prostatahyperplasie: Alpha-Blocker können Schlaganfall triggern

Donnerstag, 10. Dezember 2015

dpa

Taipeh – In den ersten Wochen einer Therapie mit Alpha-Blockern, die heute vor allem zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie eingesetzt werden, steigt das Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie im Canadian Medical Association Journal (2015; doi: 10.1503 /cmaj.150624).

Alpha-Blocker sind starke Vasodilatatoren, die ursprünglich zur Behandlung der arteriellen Hypertonie entwickelt wurden. Dort sind sie von effektiveren und besser verträglichen Mitteln abgelöst worden. Heute bildet die benigne Prostatahyperplasie (BPH) die häufigste Indikation. Die Erkrankung tritt im höheren Alter auf, wenn die Patienten auch ein erhöhtes Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall haben. Dieses Ereignis könnte durch einen plötzlichen Blutdruckabfall begünstigt werden, zu dem es zu Beginn einer Therapie mit Vasodilatatoren häufiger kommt.

Anzeige

Ein Team um Mei-Shu Lai vom Universitätsklinikum der Staatlichen Universität von Taiwan in Taipeh hat zu dieser Frage die Kran­ken­ver­siche­rungsdaten des Landes ausgewertet. Ihre Daten zeigen, dass es in den ersten 21 Tagen nach der ersten Verordnung von Terazosin, Doxazosin, Tamsulosin oder Alfuzosin zu einem Anstieg der ischämischen Schlaganfälle um 40 Prozent kommt.

Die Inzidenzrate von 1,40 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,22 bis 1,61 signifikant. Das Risiko war auf Patienten beschränkt, die keine (weiteren) Antihyper­tensiva einnahmen. Hier war das Risiko mit einer Inzidenz­rate von 2,11 (1,73-2,57) sogar mehr als doppelt so hoch. Lai vermutet, dass die gleichzeitige Einnahme (anderer) Antihypertensiva den initialen Blutdruckabfall unter der zusätzlichen Therapie mit einem Alpha-Blocker abmildert.

Interessanterweise hatten viele Patienten auch vor der ersten Verordnung der Alpha-Blocker häufiger als andere einen Schlaganfall erlitten. Die wahrscheinlichste Erklärung sind Harnwegsbeschwerden, die als Folge des Schlaganfalls auftraten und dann mit Alpha-Blockern behandelt wurden. Dies zeigt, dass in epidemiologischen Studien von einer Assoziation nicht immer auf eine Kausalität geschlossen werden kann.

Dass Alpha-Blocker das Schlaganfallrisiko erhöhen, hatten übrigens bereits die Ergeb­nisse der ALLHAT-Studie vermuten lassen, einer der größten und wichtigsten Unter­suchungen zur Behandlung des Bluthochdrucks. Dort  war ein Teil der Hypertoniker noch mit Doxazosin behandelt worden. Die Zahl der Schlaganfälle war bei ihnen um 19 Prozent höher als in der Gruppe der Patienten, die das Thiaziddiuretikum Chlorthalidon erhalten hatten (relatives Risiko 1,19; 1,01-1,40). © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Oktober 2020
Berlin – Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft (DSG) hat erneut die große Bedeutung telemedizinischer Behandlungsangebote für Schlaganfallpatienten unterstrichen. Zugleich kritisierte die
Schlaganfall-Gesellschaft für bessere Finanzierung telemedizinischer Angebote
29. September 2020
Erlangen-Nürnberg/Würzburg – Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von 5 Jahren nach einem ersten Schlaganfall. Jeder fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von 5 Jahren. Dabei ist
Fast jeder zweite Patient stirbt in den ersten fünf Jahren nach einem Schlaganfall
3. September 2020
Würzburg – Ein sogenanntes Bindemolekül namens CD84 steuert nach einem Gefäßverschluss im Gehirn das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und bestimmten Entzündungszellen. Es bietet laut einem
Neuer Ansatz für Medikamententherapie nach Schlaganfall
27. August 2020
Berlin – Gemeinsam betrachtet sind direkte orale Antikoagulantien (DOAK) offenbar mit einem im Vergleich zu Phenprocoumon erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden, verursachen dafür aber weniger
DOAK oder VKA bei Vorhofflimmern: Uneinheitliches Bild bei Schlaganfall- und Blutungsrisiko
19. August 2020
Regensburg – Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat eine Einheit zur Versorgung von Schlaganfallpatienten eingerichtet. Zusammen mit der Schlaganfallversorgung der Neurologischen Klinik am
Neue Stroke Unit am Universitätsklinikum Regensburg
31. Juli 2020
Berlin – Die Forschung zur Frührehabilitation nach einem Schlaganfall muss intensiviert werden. Dafür haben sich Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Fachgesellschaften für Intensivierung der Schlaganfallsforschung
15. Juli 2020
Edinburgh – Die sexuelle Dysfunktion ist eine der häufigsten, aber am wenigsten diskutierten Folgen des Schlaganfalls. Darauf weist die Cochrane Stroke Group hin. Laut einem aktualisierten Review der
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER