NewsAuslandÄrzte ohne Grenzen richten Petition an US-Regierung zu Kundus-Angriff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ärzte ohne Grenzen richten Petition an US-Regierung zu Kundus-Angriff

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Washington – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat in einer Petition an die US-Regierung eine unabhängige Untersuchung des Angriffs auf ihre Klinik im afghanischen Kundus gefordert. Das von „mehr als 547.000 Menschen“ unterzeichnete Schreiben wurde dem Weißen Haus am Mittwoch überreicht, teilte MSF mit.

US-Präsident Barack Obama wird in der Petition aufgefordert, einer Untersuchung des Vorfalls unter Leitung der Internationalen humanitären Ermittlungskommission (IHEK) zuzustimmen. Nur ein von einer unabhängigen internationalen Organisation verfasster Bericht könne das Vertrauen von MSF in den Umgang der Vereinigten Staaten mit dem Kriegsvölkerrecht wieder herstellen, erklärte der MSF-Direktor in den USA, Jason Cone.

Bei dem Angriff auf die Klinik am 3. Oktober waren 30 Menschen getötet worden, darunter 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und mindestens zehn Patienten, auch Kinder. In einem US-Untersuchungsbericht zu dem Vorfall wird in erster Linie „menschliches Versagen“ als Grund angegeben. Eigentlich hätte ein hunderte Meter entferntes Gebäude bombardiert werden sollen, in dem verfeindete Kämpfer vermutet wurden.

Anzeige

Nach MSF-Angaben wurden in der Klinik zum Zeitpunkt des Angriffs 105 Patienten behandelt, darunter verletzte Taliban-Kämpfer, aber auch Frauen und Kinder. Auf dem Krankenhausgelände seien weder bewaffnete Kämpfer gewesen, noch habe es dort Kampfhandlungen gegeben.

Auch Anfang Dezember waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sieben Menschen bei einem Angriff auf ein syrisches Krankenhaus getötet worden. Zunächst sei von einem Hubschrauber eine Fassbombe über bewohntem Gebiet in der von Rebellen gehaltenen Stadt Safarana nordöstlich von Homs abgeworfen worden.

Dabei seien zwei Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden. Kurz nachdem die ersten Opfer in das von MSF unterstützte Krankenhaus in der Stadt gebracht worden seien, seien dort in mehreren Abständen von bis zu 40 Minuten noch einmal drei Fassbomben abgeworfen worden, teilte die Organisation mit. Diese Praxis sei gängig, um möglichst viele Menschen zu treffen, erklärte MSF-Einsatzleiter Brice de le Vingne.

Das Krankenhaus in einer von den Regierungstruppen belagerten Region wurde den Angaben zufolge stark zerstört. Die Organisation bot an, beim Wiederaufbau zu helfen. Die Ärzte ohne Grenzen betreiben im Norden Syriens sechs medizinische Einrichtungen und unterstützen mehr als 150 weitere Krankenhäuser und Arztpraxen. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Oktober 2019
Athen – Um das überfüllte Flüchtlingslager auf der Touristeninsel Samos im Osten der Ägäis zu entlasten, will die griechische Regierung knapp 700 Migranten auf das Festland verlegen. Sie sollen morgen
Athen bringt Hunderte Flüchtlinge aufs Festland
18. Oktober 2019
Genf – Gesundheitsexperten prüfen Fortschritte beim Kampf gegen die lebensgefährliche Infektionskrankheit Ebola im Kongo in Afrika. Weil der Ausbruch nach mehr als einem Jahr noch nicht unter
WHO-Experten prüfen Fortschritte im Kampf gegen Ebola
16. Oktober 2019
Damaskus – Im Zuge der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien und der „extrem instabilen Situation“ zieht die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) alle internationalen Mitarbeiter aus der
Ärzte ohne Grenzen zieht Mitarbeiter aus Nordsyrien ab
15. Oktober 2019
Köln – Seit dem Beginn der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien befinden sich nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef fast 70.000 Kinder auf der Flucht. Bis heute seien in Nordostsyrien
Fast 70.000 Kinder in Nordsyrien auf der Flucht
15. Oktober 2019
Berlin – Die Welthungerhilfe warnt vor neuen Gefahren für die Ernährungssicherheit durch den Klimawandel in ohnehin gefährdeten Staaten. „Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung in einem sich
Der Klimawandel verschärft den Hunger
15. Oktober 2019
Athen/Lesbos – Im völlig überfüllten Migrantenlager der griechischen Insel Samos hat es am gestern Abend nach einem Streit zwischen Syrern und Afghanen schwere Krawalle gegeben. Nach einer
Ausschreitungen in Migrantenlager auf Samos
15. Oktober 2019
Rom – Italien hat der Hilfsorganisation SOS Méditerranée erlaubt, die 176 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ an Land zu bringen. Das teilte die Organisation gestern am späten Abend
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER