Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mehr Schwangerschafts­abbrüche bei Frauen mit Verhütungs­implantaten

Dienstag, 15. Dezember 2015

Aberdeen – Frauen, die zur Kontrazeption Hormonimplantate oder Dreimonatsspritzen benutzen, lassen häufiger Abtreibungen durchführen als Frauen, die zu anderen Verhütungsmethoden greifen. Dies beobachteten Forscher der University of Aberdeen. Sohinee Bhattacharya und Kollegen berichten im British Medical Journal über Risiko­faktoren, die zu ungewollten Schwangerschaften führen (doi:10.1136/jfprhc-2014-101059).

Zur Verhütung stehen mittlerweile eine Vielzahl von möglichen Optionen zur Verfügung. Eine sehr hohe Sicherheit bieten die hormonellen Verhütungsmaßnahmen. Da jedoch einige Frauen auf eine tägliche Medikamenteinnahme verzichten möchten oder unter den gastrointestinalen Nebenwirkungen der oraler Kontrazeptiva leiden, stehen sogenannte Dreimonatsspritzen oder Verhütungsstäbchen (Hormonimplantate) zur Verfügung. Letztere wirken bis zu drei Jahre nach der Implantation. Problematisch kann in diesem Zusammenhang sein, dass die Erneuerung der Spritzen und Implantate von den Frauen vergessen wird.

Die Arbeitsgruppe nutzte die Daten von 13.621 Frauen der Termination of Pregnancy Database aus Schottland und untersuchte Risikofaktoren, die zu wiederholten Schwan­gerschaftsabbrüchen führten. Die Frauen hatten zwischen 1997 und 2003 mindestens einmal eine Schwangerschaft abgebrochen. Von diesen Frauen ließen 23,4 Prozent erneut abtreiben.

Frauen, die bereits vor dem 20. Lebensjahr ihren ersten Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, hatten in den folgenden Jahren ein mehr als fünffach erhöhtes Risiko für einen induzierten Abort. Die Forscher beobachteten auch einen sozialen Gradienten für einen Schwangerschaftsabbruch. So hatten Frauen der niedrigsten sozialen Schicht ein 23 Prozent höheres Risiko als Frauen aus der höchsten sozialen Schicht.

Wenn die Frauen mehr als einen induzierten Abort durchführen ließen, griffen sie in der Folge häufiger zu Langzeitverhütungsmethoden wie Implantat oder Spritze. Dies verstärkte jedoch das Abbruchrisiko in der folgenden Zeit. Frauen dieser Gruppe hatten ein 78 Prozent erhöhtes Risiko in den folgenden Jahren einen iatrogenen Abort durchführen zu lassen als Frauen, die zu keinen oder natürlichen Verhütungsmethoden griffen.

Die Forscher wollen mit ihrer Studie keineswegs die kontrazeptive Wirksamkeit von Implantaten und Spritzen in Frage stellen. Da jedoch die Implantate und Spritze nach einiger Zeit unwirksam werden, müsse es für Frauen ein effektiveres System zur Kontrolle und Erneuerung der Kontrazeptiva geben, so ihr Fazit. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

michelvoss
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 16:37

Bitte absolutes Risiko angeben.

"ein 78 % erhöhtes Risiko" kann bedeutungslos sein, wenn das absolute Risiko bei 0.1 % liegt.

Nachrichten zum Thema

17.10.17
Arme Mädchen bringen dreimal mehr Kinder zur Welt
Berlin – Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren der ärmsten 20 Prozent der Haushalte, die oft in ländlichen Gebieten leben, bringen in Entwicklungsländern etwa dreimal so viele Kinder zur Welt wie Mädchen......
09.10.17
Trump streicht Kostenübernahme für Antibabypille
Washington – Die Regierung von US-Präsent Donald Trump hat die Kostenübernahme für die Antibabypille als Leistungspflicht aus der Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger, Barack Obama, gestrichen.......
04.10.17
US-Repräsen­tantenhaus beschließt Verschärfung des Abtreibungsrechts
Washington – Das US-Repräsentantenhaus hat eine Verschärfung des Abtreibungsrechts beschlossen. Die Abgeordneten stimmten gestern für einen Gesetzentwurf der konservativen Republikaner, der bis zu......
02.10.17
Irland plant Volksentscheid über Abtreibungsgesetz
Dublin – Die irische Regierung hat ein Referendum über das Abtreibungsgesetz angekündigt. Geplant sei eine Abstimmung im Mai oder Juni kommenden Jahres, teilte Irlands Ministerpräsident Leo Varadkar......
28.09.17
WHO: Jährlich 25,5 Millionen unsichere Abtreibungen weltweit
Genf – Weltweit werden jedes Jahr 57 Millionen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, fast die Hälfte davon unter unsicheren medizinischen Bedingungen. Dies geht aus einer Untersuchung der......
25.09.17
Kostenfreie Verhütungsmittel für Einkommensschwache gefordert
Berlin – Niedersachsen und Bremen wollen Frauen mit geringem Einkommen die Kosten für Verhütungsmittel unbürokratisch erstatten. Ein entsprechender Antrag wurde am vergangenen Freitag im Bundesrat......
19.09.17
Französische Justiz stellt Ermittlungen zu Risiken von Anti-Baby-Pillen ein
Paris – Die französische Justiz hat ihre Ermittlungen zu möglichen Gesundheitsrisiken von Anti-Baby-Pillen eingestellt, die auch auf den Pharmakonzern Bayer abzielten. Die Ermittlungen über einen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige