Medizin

Prostatakarzinom: Operation laut Meta-Analyse der Radiotherapie überlegen

Dienstag, 15. Dezember 2015

Toronto – Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom haben nach einer Operation eine doppelt so hohe Chance, ihr Krebsleiden zu überleben, als nach einer Radiotherapie. Dies kam in einer Meta-Analyse im European Urology (2015; doi: 10.1016/j.eururo.2015.11) heraus, die allerdings die Ergebnisse einer laufenden randomisierten Vergleichsstudie nicht vorhersehen kann.

Patienten mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs haben heute die Wahl zwischen einer radikalen Prostatektomie oder verschiedenen Varianten der Strahlentherapie (wenn sie sich angesichts eines hohen Lebensalters nicht für eine abwartende Haltung entschei­den). Beide Verfahren versprechen eine Heilung, die allerdings nicht immer erreicht wird, ohne dass sich vorhersagen lässt, welcher Patient durch die Behandlung kuriert wird. Welche Option die besseren Heilungschancen bietet, ist Gegenstand einer seit Jahren geführten Debatte. Die Evidenz beruht derzeit nur auf epidemiologischen Studien, die jetzt ein Team um Robert Nam vom Sunnybrook Research Institute an der Universität Toronto ausgewertet hat.

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Die Meta-Analyse basiert auf den Ergebnissen von 19 Studien mit 118.830 Patienten, die sich entweder eine Operation oder einer Strahlentherapie unterzogen hatten. Die Radiotherapie wurde zumeist als externe Bestrahlung durchgeführt, der Anteil der Patienten mit Brachytherapie war deutlich geringer, was aber den Gebräuchen im klinischen Alltag entspricht. Zehn Studien ermittelten Daten zur Gesamtsterblichkeit. Das Risiko, im Verlauf der Nachbeobachtungszeit der Studie zu sterben, war laut Nam nach einer Radiotherapie um 63 Prozent höher als nach einer Operation. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,63 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,54 bis 1,73 eindeutig signifikant.

15 Studien lieferten Daten zur Prostatakrebs-spezifischen Sterblichkeit. Sie war laut Nam nach einer Radiotherapie doppelt so hoch wie nach einer Operation. Die adjus­tierte Hazard Ratio von 2,08 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,76 bis 2,47 ebenfalls eindeutig. Auch in einigen Subgruppenanalysen, die nach Risikogruppen, Art der Strahlungstherapie, Behandlungszeitraum und der Dauer der Nachbeobachtung erfolgte, erzielte die Radiotherapie stets schlechtere Ergebnisse, berichtet Nam.

Nach Einschätzung der European Association of Urology handelt es sich bei der Untersuchung um die bislang „robusteste“ Meta-Analyse, deren Ergebnisse nach Ansicht von Nam den Patienten nicht vorenthalten werden sollten. Klar ist allerdings auch, dass die Ergebnisse von epidemiologischen Untersuchungen nicht frei von Verzerrungen sind. Sie könnten sich daraus ergeben, dass Ärzte Patienten mit einer schlechteren Prognose bevorzugt zur Strahlentherapie raten, ohne dass sich dies in den Krankenakten niederschlägt, so dass die adjustierte Analyse den Fehler nicht korrigieren kann.

Eine endgültige Antwort wird von den Ergebnissen der britischen PROTECT-Studie erwartet, die zwischen 2000 und 2008 Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren, bei denen nach einem PSA-Screening ein lokalisierter Prostatakrebs diagnostiziert wurde, auf unterschiedliche Therapien randomisierte. Die Studie soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Mit ersten Ergebnissen ist im Frühjahr 2016 zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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