NewsPolitikUrteil: Sterbewilliges Paar ohne Recht auf Zugang zu tödlicher Dosis
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Urteil: Sterbewilliges Paar ohne Recht auf Zugang zu tödlicher Dosis

Dienstag, 15. Dezember 2015

Köln – Ein zur Selbsttötung entschlossenes Ehepaar ist mit dem Versuch gescheitert, die Erlaubnis zum Erwerb einer tödlichen Medikamentendosis gerichtlich zu erzwingen. Weder aus den Grundrechten noch aus der Europäischen Menschenrechtskonvention ergebe sich ein Recht auf eine entsprechende staatliche Erlaubnis, befand das Verwaltungsgericht Köln in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil. Gegen die Entscheidung kann das Ehepaar Berufung einlegen. (Az. 7 K 14/15)

Die 1937 und 1944 geborenen Kläger hatten 2014 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfolglos die Erteilung einer Erlaubnis zum Erwerb einer tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital nach dem Betäubungsmittelgesetz beantragt. Gegen die Ablehnung ihres Antrags durch das Bundesinstitut riefen die Eheleute das Verwaltungsgericht an.

In dem Verfahren machten sie geltend, sie hätten sich nach reiflicher Überlegung zur Selbsttötung entschlossen. Obwohl sie beide nicht unter erheblichen Erkrankungen litten, spürten sie ein Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte. Sie wollten sich und ihren Angehörigen einen jahrelangen Verfall und einen qualvollen Tod ersparen. Ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Ableben mit einem Mittel ihrer Wahl folge aus der unantastbaren Menschenwürde und aus den Menschenrechten.

Anzeige

Dem folgte das Verwaltungsgericht nicht. Eine Erwerbserlaubnis könne grundsätzlich nur erteilt werden, wenn sie mit dem Zweck des Betäubungsmittelgesetzes vereinbar sein. Der Zweck des Gesetzes bestehe darin, die notwendige medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die Erlaubnis zum Erwerb der tödlichen Sustanz sei damit aber nicht vereinbar.

Die Richter sahen sich nach Angaben einer Gerichtssprecherin in ihrer Auffassung durch die jüngste Entscheidung des Bundestags bestätigt, die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe zu stellen. Zudem verwies das Gericht auf gleichlautende eigene Entscheidungen aus den Jahren 2006 und 2014. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #582750
M. Malone
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 16:34

An Simplicissimus

Sie werden sicherlich entsprechende Studien u. Publikationen(Niederlande, Universität St. Gallen) zur Anwendungssicherheit von Medikamenten bei der Sterbehilfe(unter dem Aspekt der Nebenwirkungen und Handhabbarkeit) kennen.
Danach besitzt Na-Pentobarbital selbst oral eine sehr kurze Anflutungszeit(und damit kurze Zeit des Sterbeprozesses, der eine Begleitung durch Arzt/Angehörige möglich, ohne seit 91 in über 10.000 dokumentierten Fällen NW).
Dies ist bei allen anderen empfohlenen Medikamenten/cocktails bis hin zu trizyklischen AD, Antimalariamittel etc.... wesentlich anders.(sowohl hinsichtlich nicht abschätzbarer NW und der Dauer des Sterbeprozesses)
Es ist Realsatire wenn ich mit meiner Tochter zum Tierarzt gehen kann, ihr nur unter Qualen weiterlebbares Meerschweinchen nach Verlust beider Vorderbeine schmerzlos in wenigen Minuten in unserem Beisein einschläfern lassen kann mit entsprechender Begleitung etc, offensichtlich aber Menschen, die für mich nachvollziehbar in einer Situation eine Entscheidung für sich
getroffen haben, ein würdevoller Tod verweigert wird.
Ein Ausdruck moralischer Hybris und Anmaßung!
Avatar #114761
Simplicissimus
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 14:10

Nach wie vor sind wir Eigentum von Staat und Kirche

Allein aus dem Grund, dass wir nicht gefragt wurden, ob wir überhaupt auf dieser Welt sein wollen, ergibt sich das Recht der (nachträglichen) freien Entscheidung darüber, ob wir weiterleben möchten. Es ist das Recht eines Menschen, der ausschließlich sich selbst gehört.
Es gibt allerdings Methoden, sich auch ohne Medikamentencocktail aus dem Leben zu nehmen. Allein das Studium der Unfallberichte über Kohlenmonoxidvergiftung reicht aus, um selbst einen solchen "Unfall" herbeizuführen.
Avatar #582750
M. Malone
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 08:56

Bevormundung durch paternalistisches politisches Agieren/abgehobene Standesvertreter

Man möge bitte zur Kenntnis nehmen das auch die schweizerische Bundesärztekammer und der schweizerische Psychiaterverband diesselbe absurde Haltung wie die DGPPN und die Bundesärztekammer vertreten.
Trotzdem haben es die Schweizer in einer Volksabstimmung durchgesetzt das Sterbehilfe im gegebenen Rahmen möglich ist und NaPentobarbital sogar ohne BTM Rezept rezeptierbar ist(hier meines Wissens nur als Tierarzneimittel erhältlich) - einem Meerschweinchen wird ein humanerer Tod zugestanden wie einem Menschen in einer entsprechenden Situation.
Für wohnansässige Schweizer die Möglichkeit gegen geringe Gebühr
einer ehrenamtlich arbeitenden Sterbehilfeorganisation beizutreten, für außerhalb der Schweiz wohnende ´Bürger besteht nur die Möglichkeit für mind. 10000 Euro einer komerziell arbeitenden anderen Organisation i der Schweiz beizutreten.
Wahrlich ein Mündignehmen des erwachsenen Bürgers hier???????????????
Avatar #582750
M. Malone
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 08:56

Bevormundung durch paternalistisches politisches Agieren/abgehobene Standesvertreter

Man möge bitte zur Kenntnis nehmen das auch die schweizerische Bundesärztekammer und der schweizerische Psychiaterverband diesselbe absurde Haltung wie die DGPPN und die Bundesärztekammer vertreten.
Trotzdem haben es die Schweizer in einer Volksabstimmung durchgesetzt das Sterbehilfe im gegebenen Rahmen möglich ist und NaPentobarbital sogar ohne BTM Rezept rezeptierbar ist(hier meines Wissens nur als Tierarzneimittel erhältlich) - einem Meerschweinchen wird ein humanerer Tod zugestanden wie einem Menschen in einer entsprechenden Situation.
Für wohnansässige Schweizer die Möglichkeit gegen geringe Gebühr
einer ehrenamtlich arbeitenden Sterbehilfeorganisation beizutreten, für außerhalb der Schweiz wohnende ´Bürger besteht nur die Möglichkeit für mind. 10000 Euro einer komerziell arbeitenden anderen Organisation i der Schweiz beizutreten.
Wahrlich ein Mündignehmen des erwachsenen Bürgers hier???????????????
LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2019
Berlin – Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken (FVET) am Lebensende, auch als „Sterbefasten“ bezeichnet, ist der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zufolge nicht als Suizid zu
Achtung des Patientenwillens hört nicht beim Sterbefasten auf
1. Oktober 2019
Essen – Forscher des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung vermuten einen engeren Zusammenhang zwischen Suiziden bei Jugendlichen und deren Situation in der Schule. Hintergrund ist, dass die
Suizide steigen bei Jugendlichen nach den Ferien an
26. September 2019
Perth – Jeder 6. adipöse Patient, der sich in Westaustralien einer bariatrischen Operation unterzog, war wegen psychiatrischer Erkrankungen in Behandlung. Die psychischen Probleme haben sich einer
Psychische Erkrankungen und Suizide nach Adipositas-Chirurgie häufig
10. September 2019
München/Wiesbaden/Kempten – Trotz Suizidankündigungen greift das Umfeld in vielen Fällen nicht rechtzeitig ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Analyse des Bezirkskrankenhauses
Umfeld bei Signal von Suizidgefährdungen oft hilflos
9. September 2019
Genf – Jährlich nehmen sich nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) rund 800.000 Menschen auf der Welt das Leben. Alle 40 Sekunden sterbe ein Mensch auf diese Weise. Damit gehöre Suizid zu
WHO: Alle 40 Sekunden stirbt ein Mensch durch Suizid
4. September 2019
Berlin – Trotz langfristig rückläufiger Suizidzahlen dringen Fachleute auf mehr Präventionsarbeit und den Abbau von Vorurteilen zur Verhinderung von Selbsttötungen in Deutschland. Noch immer sei die
Drängen auf mehr Prävention und Informationen zur Suizidverhinderung
8. August 2019
Stockholm – Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS haben im Verlauf ihres Lebens ein erhöhtes Risiko, auf nicht natürliche Weise zu sterben. Besonders gefährdet sind nach
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER