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Medizin

Herpes zoster kann Herzinfarkt und Schlaganfall triggern

Donnerstag, 17. Dezember 2015

London – Ein Herpes zoster kann bei Senioren einen Herzinfarkt oder einen Schlag­anfall begünstigen. Am größten ist die Gefahr in der ersten Erkrankungswoche. Das Risiko war in einer Studie in PLOS Medicine (2015; doi: 10.1371/journal.pmed.1001919) bis zu sechs Monate nach dem Beginn der Erkrankung erhöht.

Der Herpes zoster ist Folge der Reaktivierung einer latenten Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus. Die Gürtelrose bessert sich bei den meisten Patienten zwar nach wenigen Wochen. Viele leiden jedoch noch einige Zeit an einem Schmerzsyndrom, der post­herpetischen Neuralgie. Frühere Studien hatten bereits darauf hingewiesen, dass Patienten mit Zoster ein erhöhtes Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse haben. Ein Beleg stand jedoch aus.

Eines der derzeit besten epidemiologischen Untersuchungsinstrumente ist die „Self-Controlled-Cases Series“. Dabei werden nicht, wie früher üblich, Erkrankte (Fälle) mit Gesunden (Kontrollen) verglichen, was die Gefahr vielfältiger Verzerrungen birgt. Die Forscher vergleichen vielmehr verschiedene Zeitperioden derselben Fallgruppe. Dadurch wird untersucht, ob nach einem bestimmten Ereignis, hier die Gürtelrose, die Zahl vermuteter Komplikationen (hier Herzinfarkt oder Schlaganfall) im Vergleich zu anderen Lebenszeitabschnitten ansteigt.

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Caroline Minassian und Mitarbeiter der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben zu dieser Frage die Daten von 42.954 Begünstigten der US-Kranken­versorgung für Senioren (Medicare) über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgewertet. Ergebnis: In der ersten Woche nach Ausbruch der Gürtelrose erkrankten die Patienten 2,4-fach häufiger an einem ischämischen Schlaganfall. Die Assoziation war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,17 bis 2,59 statistisch signifikant. Die Zahl der Herzinfarkte war um den Faktor 1,7 (1,47-1,92) erhöht. Das Risiko sank in den Folgewochen allmählich ab, war jedoch insgesamt über einen Zeitraum von sechs Monaten nach Einsetzen des Zosters erhöht.

Der Einfluss der Gürtelrose auf Schlaganfall und Herzinfarkt war bei Senioren, die gegen eine Zoster-Erkrankung geimpft waren, etwas schwächer ausgeprägt. Die Unterschiede zu den umgeimpften Personen waren jedoch nicht signifikant. Dies konnte Minassian zufolge jedoch daran gelegen haben, dass erst wenige Senioren das Angebot einer Impfung angenommen hatten.

Der Pathomechanismus ist nicht genau bekannt. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Entzündungsreaktion infolge der Zoster-Erkrankung die Bildung von arteriellen Thromben begünstigt. Denkbar ist auch, dass der mit der Gürtelrose verbundene Schmerz und Stress zu einem Anstieg des Blutdrucks führen und dadurch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. Eine dritte Erklärung wäre eine durch das Virus induzierte Vaskulopathie. © rme/aerzteblatt.de

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