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Medizin

Paradigmenwechsel in der Behandlung der IgA-Nephropathie

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Aachen – Eine konsequente antihypertensive und antiproteinurische Therapie zeigt bei der Behandlung der IgA-Nephropathie ein ähnliches Resultat wie eine immun­suppressive Therapie. Das berichten Wissenschaftler unter Leitung der Aachener Nephrologen Thomas Rauen, Frank Eitner und Jürgen Floege im Dezember im New England Journal of Medicine (doi: 10.1056/NEJMoa1415463). Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hat auf die besondere klinische Bedeutung der Studie hingewiesen.

Die IgA-Nephritis ist die häufigste der idiopathischen Glomerulonephritiden. Seit über 50 Jahren setzen Ärzte dagegen eine entzündungshemmende, immunsuppressive Therapie ein. Eine supportive Therapie, also eine gute unterstützende Behandlung aller Begleitumstände, ist anerkanntermaßen wichtig. Dazu gehört eine konsequente Blutdrucksenkung und Proteinuriebehandlung. Einzelne kleinere Studien hatten in der Vergangenheit sogar Hinweise darauf gegeben, dass durch die antihypertensive und antiproteinurische Therapie ein ähnliches Resultat wie mit der immunsuppressiven Therapie erzielt werden könnte.

Diese Hypothese sollte die 2006 gestartete sogenannte STOP-IgAN-Studie prüfen. Es handelt sich dabei um eine Forscher-initiierte („investor initiated“), industrieunabhängige Studie aus Deutschland, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

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In der Studie erfolgte zunächst eine sechsmonatige „Run-in“-Phase, in der alle Patienten nach einem intensivierten supportiven Protokoll behandelt wurden und die 309 von insgesamt 379 gescreenten Patienten beendeten. Wie sich zeigte, konnte in dieser Phase bereits bei knapp 30 Prozent der Betroffenen die Proteinurie auf unter 0,75 g/d gesenkt werden, also eine Krankheitsremission erreicht werden, so dass die Patienten nicht mehr den Einschlusskriterien entsprachen.

Die verbliebenen 162 Patienten wurden randomisiert, 80 erhielten weiterhin die intensivierte supportive Therapie, 82 erhielten zusätzlich Immunsuppressiva. Im Ergebnis zeigte die dreijährige Studie, dass es keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Erkrankungsprogression gemessen am Nierenfunktionsverlust zwischen den Gruppen gab. In der mit Immunsuppressiva behandelten Gruppe traten dagegen signifikant mehr Nebenwirkungen, auch gefährliche Infektionen, auf, ein Patient starb an einer Sepsis.

Für den klinischen Alltag bedeutet das Studienergebnis, dass zunächst immer eine intensivierte supportive Therapie – also antihypertensive und antiproteinurische Medikation – erfolgen sollte. „Der flächendeckende, sofortige Einsatz von Immunsuppressiva ist bei diesem Krankheitsbild ab sofort obsolet“, erklärte Floege. Erst bei Nicht-Ansprechen sollten Ärzte nach sorgfältiger Risikoanalyse bei einzelnen Patienten den Einsatz einer immunsuppressiven Therapie erwägen. © rme/aerzteblatt.de

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