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Medizin

Ovarialkarzinom: Screenings-Studie lässt auf spätere Wirkung hoffen

Freitag, 18. Dezember 2015

Histologie eines Qvarialkarzinoms /dpa

London – Eine jährlicher transvaginaler Ultraschall hat, allein oder in Kombination mit einem Bluttest auf den Tumormarker CA125, in der weltweit größten Studie zur Früherkennung des Ovarialkarzinoms die krebsspezifische Sterblichkeit nur tendenziell gesenkt. Doch die jetzt im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)01224-6) vorgestellten Ergebnisse schließen einen langfristigen Nutzen nicht aus.

Obwohl das Ovarialkarzinom vermutlich fünf Jahre benötigt, bevor es symptomatisch wird, ist es bisher nicht gelungen, eine Früherkennungsmethode zu finden. Wie wichtig ein Screening des Tumors wäre, zeigt sich darin, dass weniger als ein Jahr nach Symptombeginn vergeht, bis der Krebs ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat.

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Weniger als 40 Prozent der Tumore werden heute im Stadium I oder II erkannt, in dem eine Heilung noch möglich ist. Dabei gibt es im Prinzip gute Voraussetzungen für eine Früherkennung: Die Ovarien sind bei einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung gut einsehbar. Außerdem geben die Krebszellen relativ frühzeitig den Tumormarker CA125 ins Blut ab.

Zwei früheren Versuchen, daraus eine Früherkennungsstrategie zu entwickeln, war jedoch kein Erfolg beschieden. In der japanischen SCSOCS-Studie (Shizuoka Cohort Study of Ovarian Cancer Screening) wurde der Tumormarker CA125 noch mit einer konventionellen Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke kombiniert. Die Tumore wurden zwar häufiger in einem früheren Stadium entdeckt (63 Prozent versus 38 Prozent in der Kontrollgruppe), doch der Unterschied war nicht signifikant (Int J Gynecol Cancer 2008; 18: 414-20). Ergebnisse zur Überlebensrate liegen noch nicht vor.

In der US-amerikanischen PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer) wurde in den ersten sechs Jahren nur der Tumormarker CA125 bestimmt. In weiteren vier Jahren wurde dann eine transvaginale Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Das Screening führt zwar häufiger zur Diagnose von Ovarialkarzinomen, doch eine Reduktion der Sterblichkeit war nicht zu erkennen (JAMA 2011; 305: 2295-2303).

Jetzt liegen die Ergebnisse der UKCTOCS-Studie (UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening) vor, der bislang größten Screenings-Studie, an der 202.638 Frauen in England, Wales und Nordirland teilnahmen. Sie wurden seit 2001 an 13 Zentren im Verhältnis 2:1:1 auf drei Studienarme randomisiert. In der ersten Gruppe wurde bei 101.299 Frauen kein Screening durchgeführt. In der zweiten Gruppe wurden 50.624 Frauen zu einer jährlichen Bestimmung des Serum-CA125 sowie zu einer transva­ginalen Ultraschalluntersuchung (TVS) eingeladen. In der dritten Gruppe mit 50.624 Frauen wurde nur eine jährliche TVS durchgeführt.

Bis Ende 2014 sind in der Kontrollgruppe ohne Screening 630 Frauen (0,6 Prozent) an einem Ovarialkarzinom erkrankt. Im Screening-Arm mit CA125 plus TVS waren es 338 Frauen (0,7 Prozent) und im Screenings-Arm mit alleiniger TVS 314 Frauen (0,6 Prozent).  Diese geringen Unterschiede ließen keinen signifikanten Vorteil im primären Endpunkt der Studie, dem Tod am Ovarialkarzinom erwarten. In der Kontrollgruppe sind 347 Frauen (0,34 Prozent) am Eierstockkrebs gestorben. Im Screening-Arm mit CA125 und TVS waren es 148 Frauen (0,29 Prozent) und im Screening-Arm mit alleiniger TVS 154 Frauen (0,30 Prozent).

Das Team um Usha Menon vom University College London kommt in seiner primären Analyse mit einigen mathematischen Tricks auf eine Mortalitätsreduktion um 15 Prozent bei einem Screening mit CA125 und TVS und um 11 Prozent bei einem alleinigen Ultraschall-Screening. Beide Ergebnisse waren statistisch nicht signifikant - womit das ambitionierte Screenings-Programm eigentlich gescheitert wäre. 

Doch es gibt noch eine Chance. Die Überlebenskurven der Studie verliefen zwar in den ersten Jahren deckungsgleich. Ab etwa acht bis zehn Jahren trennen sie sich. Menon gibt die Reduktion der Todesfälle am Ovarialkarzinom in den ersten sieben Jahren mit 8 Prozent an, in den Jahren 8 bis 14 betrug die Reduktion der krebsspezifischen Mortalität bereits 28 Prozent. Die Differenz hat das Signifikanzniveau zwar nicht erreicht, nach einer durchschnittlichen Studiendauer von 11,1 Jahren ist in dieser Frage aber noch kein abschließendes Urteil möglich. 

Menon und Mitarbeiter dürften deshalb hoffen, dass ein Screening mit CA125 und TVS auf längere Zeit doch noch eine Wirkung erzielt. Für eine Empfehlung dürfte es derzeit nicht ausreichen. Ein unkritisches Screening kommt nicht infrage, da die Unter­suchungen nicht nur Kosten verursachen. Die Nachuntersuchungen können auch die Gesundheit der Frauen gefährden.

Bei einem Verdacht wird in der Regel eine Operation notwendig. In der Studie kamen auf jedes beim Screening entdeckte Ovarialkarzinom zwei weitere Patientinnen, bei denen sich der Verdacht nicht bestätigte. Und die Komplikationsrate dieser Operationen betrug immerhin 3,1 Prozent. Außerdem bietet das Screening keine Gewähr dafür, dass die Tumore überhaupt entdeckt werden. In der Studie war dies nur bei 59 Prozent der Ovarialkarzinome der Fall. © rme/aerzteblatt.de

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