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Medizin

USA erlaubt (sexuell enthaltsamen) MSM die Blutspende

Dienstag, 22. Dezember 2015

dpa

Silver Spring – Die US-amerikanische Kontrollbehörde FDA will künftig Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), grundsätzlich zur Blutspende zulassen, knüpft die Teilnahme aber an eine mindestens 12-monatige sexuelle Enthaltsamkeit, was von Schwulenverbänden sogleich kritisiert wurde.

Der Ausschluss von Homosexuellen von der Blutspende war in den USA zu Beginn der HIV-Epidemie noch vor der Entwicklung eines Antikörpertests in 1985 eingeführt worden. Mittlerweile gibt es neben dem Antikörpertest einen Nachweis des p24 Antigens und Nukleinsäure-Tests, die Gene des Virus aufspüren. Alle Blutspenden werden Antikörpertests unterzogen. Außerdem wird in kleinen Pools von 6 bis 16 Spenden ein Nukleinsäure-Test durchgeführt.

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Das Zeitfenster, in dem nach einer Neuansteckung weder Antikörper noch Virusgene nachweisbar sind, beträgt laut FDA nur etwa neun Tage. Die FDA schätzt das Ansteckungsrisiko durch eine unerkannt mit HIV kontaminierte Bluttransfusion nur noch auf 1 zu 1,47 Millionen. Auch Blutprodukte, die aus Plasmapools von tausenden von Spendern hergestellt werden, (sodass eine einzige mit HIV infizierte Spende den gesamten Pool kontaminieren und alle Empfänger der Charge einem Infektionsrisiko aussetzen würde) gelten als sicher, zumal seit den 1980er Jahren zusätzliche virus-inaktivierende Maßnahmen durchgeführt werden. Laut der FDA ist in den letzten beiden Dekaden in den USA keine einzige Übertragung von HIV, Hepatitis B-Virus oder Hepatitis C-Virus durch Blutprodukte bekannt geworden.

Dennoch bestanden Bedenken, die nach Ansicht der FDA gegen eine völlige Freigabe von MSM zur Blutspende sprachen. Auf MSM entfallen in den USA zwei Drittel aller HIV-Neuinfektionen, bei einem Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung von nur etwa 2 Prozent. Das Risiko einer HIV-Infektion sei bei MSM mehr als zwanzigfach höher als bei Männern mit häufig wechselnden weiblichen Partnern oder bei Frauen mit häufig wechselnden männlichen Partnern, heißt es in der Guidance.

Die FDA hat sich deshalb für die Einführung einer sexuellen Enthaltsamkeit als Zulassungskriterium von MSM für die Blutspende entschieden. Dass diese Wartezeit deutlich länger ausfällt, als angesichts eines neuntägigen Zeitfensters erforderlich wäre, begründet die FDA damit, dass die Dauer des letzen Sexkontakts von potenziellen Spendern möglicherweise falsch erinnert wird oder die MSM nicht ehrlich bei der Angabe sind.

Ein wesentlicher Grund dürften die positiven Erfahrungen sein, die in Australien mit dieser Regelung gemacht wurden. Dort hat sich die Zahl der HIV-positiven Blutspender seit der Einführung einer Zwölf-Monats-Wartezeit nicht verändert. In den fünf Jahren vorher waren von 4.025.571 Blutspenden 24 positiv getestet worden. In den fünf Jahren danach waren es 24 von 4.964.628 Blutspenden. (Diese Blutspenden wurden selbstverständlich nicht verwendet, so dass es zu keinen Infektionen kam). In Australien müssen Blutspender übrigens schriftlich bestätigen, dass sie im Fall einer Falschinfor­mation mit Geldbußen oder sogar einer Gefängnisstrafe rechnen müssen.

Die Zwölf-Monats-Wartezeit stieß in homosexuellen Kreisen erwartungsgemäß auf Ablehnung. Die Selbsthilfeorganisation Gay Men's Health Crisis meinte, die Abstinenz­zeit von einem Jahr basiere angesichts des kurzen Zeitfensters nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern diene nur der Stigmatisierung der Risikogruppe. Die FDA hält dem entgegen, dass die Zwölf-Monats-Wartezeit auch für andere Hochrisikogruppen gelte. Dies sind laut der Empfehlung Personen mit einer frischen Tätowierung, einem Piercing oder Personen, die in einem Krankenhaus versehentlich eine Nadelstichverletzung erlitten haben.

Dass überhaupt eine neue Regelung notwendig ist, begründet die FDA mit der zunehmenden Unehrlichkeit bei der Blutspende. Der Anteil der Männer mit einem MSM-Hintergrund sei von 0,6 Prozent 1993 über 1,2 Prozent 1998 und 2,6 Prozent 2013 angestiegen.

In Deutschland sind MSM von der Blutspende ausgeschlossen. Das gleiche gilt für heterosexuelle Personen mit häufig wechselnden Sex-Partnern sowie für männliche und weibliche Prostituierte. © rme/aerzteblatt.de

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