NewsMedizinAlzheimer: Antidepressivum fördert Müllentsorgung im Gehirn
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Alzheimer: Antidepressivum fördert Müllentsorgung im Gehirn

Mittwoch, 23. Dezember 2015

New York – Der Phosphodiesterase 4-Inhibitor Rolipram, dessen klinische Entwicklung als Antidepressivum aufgrund einer schlechten Verträglichkeit abgebrochen wurde, kann bei Mäusen die Ablagerung von Tau-Proteinen im Gehirn vermindern und die kognitiven Fähigkeiten verbessern. Der in Nature Medicine (2015; doi :10.1038/nm.4011) vorgestellte Therapieansatz war allerdings nur in den Frühstadien der Erkrankung erfolgreich.

Der Morbus Alzheimer, aber auch Morbus Parkinson, Chorea Huntington, fronttemporale Demenz und amyotrophe Lateralsklerose sind durch eine Ablagerung von Proteinen in den Zellen gekennzeichnet, die die Funktion der Hirnzellen beeinträchtigen und am Ende den Untergang der Zellen herbeiführen. Beim Morbus Alzheimer werden neben Beta-Amyloiden auch Tau-Proteine abgelagert.

Bei der Erforschung eines Mäusemodells einer solchen Tauopathie entdeckte ein Team um Karen Duff von der Columbia University in New York, dass es im Verlauf der Erkrankung zu einer Störung der Proteasomen kommt. Diese röhrenförmigen Zellorganellen sind für das Recycling von verbrauchten Proteinen zuständig. Die Proteine werden zunächst mit Ubiquitin markiert und dann im Proteasom hydrolysiert, sprich geschreddert. Die Bruchstücke können dann zur Neubildung von Proteinen verwendet werden.

Anzeige

Die Störung des Ubiquitin-Proteasom-Systems, das eigentlich die Ablagerung von Proteinen verhindern soll, könnte das Fortschreiten einer Tauopathie beschleunigen. Duff hat jetzt nach einem Weg gesucht, um die Aktivität des Ubiquitin-Proteasom-Systems zu steigern. Sie ist dabei auf den Phosphodiesterase 4-Inhibitor Rolipram gestoßen. Rolipram hemmt das Enzym Phosphodiesterase, das in der Zelle cAMP abbaut. cAMP ist eine Signalsubstanz, die die Aktivität von Proteasomen fördert. Unter der Behandlung mit Rolipram steigt mithin die cAMP-Konzentration und die Effizienz des Ubiquitin-Proteasom-Systems sollte gesteigert werden.

Im Tierexperiment gelang dies tatsächlich. Rolipram verminderte bei den Mäusen, die aufgrund eines Gendefekts vermehrt Tau-Proteine bilden, die Akkumulation der Proteine in den Zellen. Auch die kognitive Leistung der Tiere (beispielsweise im Morris-Wasserlabyrinth) stieg an. Ein Effekt war allerdings nur in der Frühphase der Erkrankung erkennbar. Wenn die Tauopathie bereits zum Untergang von Hirnzellen geführt hat, kommt die Behandlung zu spät. Es ist deshalb unklar, ob die Behandlung auf den Menschen übertragen werden kann.

Die meisten degenerativen Erkrankungen werden erst in einem späten Stadium entdeckt, wenn es bereits zu einem Zelluntergang gekommen ist. Im Frühstadium der Erkrankung, wenn es denn erkannt wird, könnte die schlechte Verträglichkeit von Rolipram einen Einsatz verhindern. Die Firma Schering hatte den Phosphodiesterase 4-Inhibitor zur Behandlung von Depressionen und Multipler Sklerose vorgesehen, die klinischen Studien dann jedoch aufgrund von gastrointestinalen Nebenwirkungen abgebrochen. Duff hofft jetzt auf die Entwicklung besser verträglicher Phosphodiesterase 4-Inhibitoren. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2020
Seoul – Eine Katheterablation, die ein Vorhofflimmern häufig dauerhaft beseitigt, könnte die Patienten möglicherweise eher vor einer Demenz schützen als eine langfristige orale Antikoagulation. Dies
Vorhofflimmern: Katheterablation senkt Demenzrisiko
19. Oktober 2020
Bonn/Bochum – Bei einer genetischen Veranlagung für die altersbedingte Form der Alzheimer-Erkrankung sind bereits im jungen Erwachsenenalter bestimmte Anzeichen der Erkrankung nachweisbar. Das
Alzheimer-Risikogen beeinflusst Gedächtnisfunktionen junger Erwachsener
14. Oktober 2020
Tübingen – Ablagerungen eines Proteins namens „Medin“ verringern die Elastizität von Blutgefäßen und sind daher ein Risikofaktor für vaskuläre Demenz. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen
Proteinablagerungen im Gehirn möglicherweise Risikofaktor für vaskuläre Demenz
8. Oktober 2020
Hannover – Die Signalübertragung durch Serotoninrezeptoren spielt offenbar eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung sogenannter Tauopathien, also von neurodegenerativen Erkrankungen, in deren
Signalübertragung durch Serotoninrezeptoren möglicher Ansatzpunkt für eine Demenztherapie
25. September 2020
Oxford – Wissenschaftler der Cochrane Dementia and Cognitive Improvement Group haben untersucht, ob eine Aromatherapie als alternatives Behandlungsverfahren bei der Linderung von Demenzsymptomen
Cochrane-Wissenschaftler finden keine überzeugenden Belege für den Nutzen einer Aromatherapie bei Demenz
23. September 2020
Berlin – In Berlin haben heute Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) und Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) sowie 57 Verbände die
Startschuss zur Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie
21. September 2020
Berlin – Leichte kognitive Störungen (Mild Cognitive Impairment, MCI) werden in Deutschland wahrscheinlich zu selten erkannt. Das legt eine neue Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER