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Chlamy­dien-Infektion: Einmalgabe von Azithromycin mit hoher Effektivität

Montag, 28. Dezember 2015

Chlamydia trachomatis

Birmingham – Infektionen mit Chlamydia trachomatis, die weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören, konnten in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2015; 373: 2512-2521) mit einer einmaligen oralen Dosis des Antibiotikums Azithromycin fast immer geheilt werden. Noch günstiger waren die Ergebnisse einer siebentägigen Doxycyclin-Gabe, die in der Studie unter direkter Aufsicht erfolgte.

Weltweit sollen 131 Millionen Menschen chronisch mit C. trachomatis infiziert sein. Die Infektion erfolgt häufig bereits im jungen Erwachsenenalter und bleibt in der Regel unbemerkt, da urogenitale Chlamydien-Infektionen bei der Hälfte der Männer und acht von zehn Frauen asymptomatisch verlaufen. Unbehandelte Infektionen sind bei Frauen eine häufige Ursache von unklaren „Unterleibsentzündungen“, die als Adnexitis oder als PID (pelvic inflammatory disease) diagnostiziert werden. Sie können zur Unfruchtbarkeit führen oder Eileiterschwangerschaften begünstigen. Bei Männern kann es zu Urethritis, Epididymitis und bei Männern, die Sex mit Männern haben, auch zur Proktitis kommen.

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In nordischen und angelsächsischen Ländern gibt es im Gegensatz zu Deutschland, wo nur während der Schwangerschaft oder auf Wunsch der Frau gescreent wird, eine allgemeine Vorsorgeuntersuchung für junge Frauen, die allerdings mehr schlecht als recht angenommen wird. Ein Grund ist – im Fall eines positiven Erregernachweises – die Notwendigkeit zu einer Antibiotikabehandlung.

Der Erreger spricht zwar gut auf Antibiotika an, und Doxycyclin ist ein gut verträgliches Mittel der Wahl. Die Notwendigkeit, ohne aktuelle Beschwerden über sieben Tage zweimal täglich ein Antibiotikum einnehmen zu müssen, überfordert jedoch viele jüngere Personen. Die Centers for Disease Control and Prävention empfehlen deshalb seit einiger Zeit als Alternative eine einmalige Dosis (1 Gramm) Azithromycin. Es gab jedoch Zweifel, ob diese einfache Therapie vor dem Hintergrund einer zunehmenden Resistenz (anderer Erreger von sexuell übertragbaren Erkrankungen) heute noch ihr Ziel erreicht.

William Geisler von der University of Alabama in Birmingham und Mitarbeiter haben deshalb in einer randomisierten Studie beide Optionen verglichen. Die Studie wurde in Gefängnissen durchgeführt, was aus zwei Gründen für die Interpretation der Ergebnisse wichtig ist. Zum einen konnte die Gabe von Doxycyclin (100 mg zweimal täglich über 7 Tage) unter Aufsicht erfolgen, was eine gute Adhärenz sicher stellte (die allerdings keinesfalls hundertprozentig war: nur 77 Prozent nahmen alle 14 Tabletten ein). Zum anderen waren in den Gefängnissen Frauen und Männer getrennt, so dass es während der Behandlungszeit keine heterosexuellen Kontakte gab. 

Die von Geisler vorgestellten Ergebnisse sind exzellent. Alle 155 Frauen und Männer, die über eine Woche mit Doxycyclin behandelt worden waren, wurden geheilt. Die Versagerrate betrug mithin 0 Prozent. Nach der Einmalgabe von Azithromycin wurden bei 7 von 155 Teilnehmern im Kontrolltest Chlamydien nachgewiesen. Darunter waren zwei Männer, die mit einer anderen Erregervariante infiziert waren als vorher, sich also während der Studiendauer durch homosexuelle Kontakte erneut infiziert hatten.

Ohne diese beiden Neuinfektionen betrug die Versagerrate 3,2 Prozent. Das einseitige 90-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0 bis 5,9 Prozent und lag damit über der vor Studienbeginn festgelegten Grenze der Non-Inferiorität. Die Einmalgabe von Azithro­mycin ist deshalb streng genommen keine gleichwertige Alternative zu einer einwöchigen Behandlung mit Doxycyclin. Für Geisler bleibt es aber eine gute Option, da die Adhärenz einer siebentägigen Doxycyclin-Behandlung außerhalb eines Gefängnisses vermutlich deutlich niedriger ist. © rme/aerzteblatt.de

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