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Medizin

Selexipag senkt Komplikationsrisiko bei pulmonaler Hypertonie

Dienstag, 29. Dezember 2015

dpa

Paris – Die Behandlung mit Selexipag, dem oral verfügbaren Prostazyklin-IP-Rezeptor-Agonisten, hat in einer randomisierten klinischen Studie das Fortschreiten der pulmonalen Hypertonie (PAH) verlangsamt und viele Patienten vor frühzeitigen Komplikationen der unheilbaren Erkrankung bewahrt, ohne das Sterberisiko zu senken. Die Ergebnisse der im New England Journal of Medicine (2015; 373: 2522-2533) publizierten Studien haben in den USA bereits zur Zulassung geführt. Bei der euro­päischen Arzneimittel-Agentur EMA ist ein Antrag anhängig.

Die PAH ist eine Gruppe von Erkrankungen, deren gemeinsamer Nenner eine fortschreitende Verengung der Lungenstrombahn ist, die über eine zunehmende Rechtsherzbelastung zum Tode führen kann. Während es lange Zeit außer einer Lungentransplantation keine Behandlungsmöglichkeit gab, können die meisten Patienten heute mit Endothelinantagonisten (Bosentan, Ambrisentan) und/oder Phosphodiesterase-Inhibitoren (Sildenafil, Tadalafil) behandelt werden. Im fort­geschrittenen Stadium kommen auch Prostanoide (Iloprost, Treprostinil) zum Einsatz. In 2014 kam Riociguat hinzu, der die lösliche Guanylatzyklase (sGC) stimuliert.

Alle Wirkstoffe haben eine gefäßerweiternde Wirkung, die die Durchblutung der Lunge fördert und die Belastung des rechten Herzens senkt. Dies ist auch bei Selexipag der Fall. Das oral verfügbare Mittel erreicht dies über eine agonistische Wirkung auf die Prostazyklin-IP-Rezeptoren der Gefäßwand.

Nachdem in früheren Studien eine deutliche Gefäßerweiterung beobachtet wurde, hat der Hersteller, die Firma Actelion Pharmaceuticals aus Allscheik bei Basel, eine globale Phase 3-Studie an 182 Zentren initiiert, in der 1.156 Patienten mit Selexipag in einer individuellen Dosis von bis zu 1600µg zweimal täglich oder mit Placebo behandelt wurden. Etwa 80 Prozent der Patienten wurden mit Endothelinantagonisten und/oder Phosphodiesterase-Inhibitoren weiter behandelt.

Primärer Endpunkt war ein Composite aus einem Tod jeglicher Ursache oder einer PAH-Komplikation. Dies konnte eine Hospitalisierung sein oder der Beginn einer Therapie mit Prostanoiden oder eine Sauerstoffbehandlung. Wie Olivier Sitbon von der Universität Paris-Süd und Mitarbeiter berichten, trat der Endpunkt nach einer Behandlungsdauer von median 1,4 Jahren im Placebo-Arm der Studie bei 41,6 Prozent der Patienten auf im Vergleich zu 27,0 Prozent der Patienten im Selexipag-Arm.

Sitbon errechnet eine Hazard Ratio von 0,60, die mit einem 99-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,46 bis 0,78 statistisch hochsignifikant war und die US-Arzneibehörde Mitte Dezember bewog, den Wirkstoff zur Behandlung der PAH zuzulassen. Der Hersteller hat bei der EMA ebenfalls eine Zulassung beantragt, die vermutlich demnächst erfolgen dürfte.

Selexipag kann zwar die Gründe für die zunehmende Verengung der Pulmonalarterie nicht beheben. Wie bei den anderen Wirkstoffen ist die Therapie rein symptomatisch auf die Verbesserung der Lungendurchblutung ausgerichtet. Einen Einfluss auf die Mortalität konnte die Studie nicht zeigen. Am Ende waren 105 Patienten im Placebo-Arm und 100 Patienten im Selexipag-Arm gestorben.

Zu den häufigen Nebenwirkungen von Selexipag gehören Kopfschmerzen, Durchfall, Kieferschmerzen, Übelkeit, Muskelschmerzen, Erbrechen, Schmerzen in einer Extremität sowie eine anfallsweise auftretende Rötung der Haut. Insgesamt 14,3 Prozent der Patienten brachen die Behandlung vorzeitig ab gegenüber 7,1 Prozent im Placebo-Arm der Studie. © rme/aerzteblatt.de

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