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Medizin

Straßenlärm könnte depressiv machen

Dienstag, 29. Dezember 2015

dpa

Essen – Dauerlärm durch Straßenverkehr könnte depressive Verstimmungen auslösen. Das berichten Wissenschaftler vom Zentrum für urbane Epidemiologie (CUE) der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Die Arbeit erfolgte im Rahmen der sogenannten Heinz Nixdorf Recall Studie am Universitätsklinikum Essen und ist im Wissenschaftsmagazin Environmental Health Perspectives erschienen (DOI:10.1289/ehp.1409400).

Die Forscher untersuchten die Daten von 3.300 Teilnehmern im Alter zwischen 45 und 75 Jahren. Dafür setzten sie sogenannte Lärmkarten der Städte Bochum, Essen und Mülheim ein.

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Die Studienteilnehmer, die an Straßen mit viel Verkehrslärm wohnen, entwickelten im Zeitraum von fünf Jahren häufiger depressive Symptome, als solche, die in ver­gleichsweise ruhigen Straßen wohnen. Die Studie ergab, dass das Risiko um rund 25 Prozent steigt und zwar sowohl für gemittelte 24-Stunden- als auch für Nachtlärmwerte über 55 beziehungsweise 50 Dezibel. Auffällig ist zudem, dass insbesondere Menschen mit geringerer Bildung empfindlicher auf Lärm reagieren.

„Es könnte damit zusammenhängen, dass Menschen mit niedriger Bildung in der Regel häufiger Stressoren ausgesetzt sind. Durch die Vielzahl der belastenden Faktoren könnte die Widerstandsfähigkeit verringert sein. Dies müssen aber zukünftige Studien gezielt untersuchen“, sagte Ester Orban vom CUE. Sie betonte, „dass die Erkenntnisse erneut bestätigen, wie wichtig der Lärmschutz für die Gesundheit der Bevölkerung ist.“

Die Studie belegt den Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und depressiver Symptomatik, beweist aber nicht die Kausalität zwischen beidem.

Die Heinz Nixdorf Recall Studie ist eine Forschungsstudie, die seit dem Jahr 2000 Menschen aus dem Ruhrgebiet regelmäßig untersucht und befragt. Neben Aspekten der Herzkreislauferkrankungen untersuchen die Wissenschaftler dabei auch, welchen Einfluss die gebaute Stadt auf die Gesundheit der Menschen haben könnte. Rund 4.800 Bürger sind an diesem Langzeitprojekt beteiligt.

© hil/aerzteblatt.de

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