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Ärzteschaft

Ärztepräsident widerspricht Vorurteil von kranken Flüchtlingen

Sonntag, 3. Januar 2016

Berlin – Bundes­ärzte­kammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery hält Befürchtungen vor einer Überforderung des Gesundheitssystems durch Flüchtlinge für falsch. „Wir schaffen das“, sagte Montgomery der Zeitung Die Welt vom Donnerstag. Das Krankheitsbild der Flüchtlinge sei nicht so schlimm wie anfangs befürchtet. „Sie schleppen keine Infektionskrankheiten ein, und es kommen auch keine chronisch Kranken.“ In der Regel seien es junge dynamische Männer.

Die durchschnittlichen Gesundheitskosten eines Asylbewerbers lägen bei 2.300 Euro, das seien 600 Euro weniger als bei einem Deutschen, ergänzte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer. „Das sind übernormal gesunde Menschen“, sagte Montgomery. „Die können wir in unserem Gesundheitssystem gut behandeln, wenn sie denn einen einfachen Zugang dazu bekommen.“

Der Ärztepräsident forderte eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge. In Bremen und Hamburg gebe es so eine bereits, in Berlin und Nordrhein-Westfalen ab dem Jahreswechsel auch. „Was wir nicht gebrauchen können, sind Ämter, die für jeden Flüchtling für jeden Arztbesuch tagesgültige Krankenscheine ausgeben und umständlich Kostenübernahmen bearbeiten.“

Montgomery lobte die hohe Impfbereitschaft der Flüchtlinge und bekräftigte seine Forderung nach einer Impfpflicht in Deutschland für bestimmte Krankheiten wie Masern. „Sicherlich kann die Impfpflicht nicht mit der Polizei oder der Strafjustiz oder einem 'Impfknast' durchgesetzt werden“, sagte Montgomery. „Aber sie ist eine Mahnung an die Eltern, was passieren könnte, wenn ihre Kinder nicht geimpft werden oder sie sich nicht impfen lassen.“

Derzeit gingen viele Menschen „aus Unwissenheit, Schludrigkeit oder Misstrauen“ nicht zur Impfung, führte Montgomery aus. Selbst wenn nicht alle Impfverweigerer erreicht würden, reiche eine Impfung von 90 Prozent der Bevölkerung aus, damit sich eine Krankheit nicht weiter verbreite. © afp/aerzteblatt.de

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