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Marburg/Gießen: Studierende kritisieren Privatisierung

Montag, 4. Januar 2016

Marburg – Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Philipps-Universität Marburg hat die Privatisierung des Universitätsklinikums vor zehn Jahren scharf kritisiert. „Die Gewinnorientierung eines privatwirtschaftlichen Konzerns führt zu einer unverantwortlich hohen Arbeitszeitverdichtung bei den beschäftigten Ärztinnen und Ärzten“, betonte die hochschulpolitische Referentin des AStA Marburg, Maria Hagen, heute in einer Presseerklärung. „Diese haben an einem Universitätsklinikum aber auch Aufgaben in der Lehre.“

Wenn schon die Patientenversorgung nur durch das Anhäufen von Überstunden gewährleistet werden könne, sei klar, dass keine Zeit und Energie mehr für Ausbildung von Studierenden übrig bleibe. „Von den drei Grundpfeilern der Hochschulmedizin – medizinische Versorgung, Forschung und Lehre – kommt der Lehre in dieser Profitlogik der geringste Wert zu“, so Hagen.

„Auch die Forschung an der Uniklinik leidet durch fehlende Investitionen und Stellen. Dies schlägt sich in einer schlechten Betreuung von Promovierenden nieder, bis hin zu der Weigerung, ausreichend Promotionsplätze zu schaffen.“ All dies führe zu einer stetigen Verschlechterung der Ausbildung von Medizinstudierenden, die mittlerweile schon seit zehn Jahren andauere.

„Freie Lehre ist unvereinbar mit Renditeerwartungen eines Konzerns wie Rhön“
Am 2. Januar 2006 hatte das Land Hessen die Kliniken der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig Universität Gießen an die Rhön Klinikum AG verkauft. „Spätestens jetzt wissen wir, dass das Modell der Privatisierung einer Universitätsklinik gescheitert ist. Eine freie Lehre und Forschung ist unvereinbar mit der Renditenerwartung eines Konzerns wie Rhön“, befand Elisabeth Kula, ebenfalls Referentin für Hochschulpolitik im AStA Marburg. „Wir in Marburg haben dies hautnah erfahren.“

Jede Diskussion um eine erneute Privatisierung einer Uniklinik müsse durch diese Erfahrung im Keim erstickt werden. „Bildung und damit auch die Universitätskliniken müssen in öffentlicher Hand bleiben“, betonte Kula. „Wir fordern, dass die Privatisierung des Uniklinikums Marburg und Gießen von der Landesregierung Hessen als Fehler öffentlich eingestanden wird und die damit einhergehenden katastrophalen Folgen für die Lehre thematisiert werden.“ Die Lehre am Uniklinikum Gießen-Marburg müsse wieder aufgewertet und ihre Unabhängigkeit und Qualität sichergestellt werden.

„Wir werden von zum Teil didaktisch unqualifizierten Ärzten unterrichtet“
Heute sei das Lernklima an der Uniklinik schlecht, wie Lars Ruttkowski, Medizin­studierender in Gießen, berichtet: „Ein schlechtes Betreuungsverhältnis und ein unangenehmes Lernklima sind durch die Überlastung der lehrenden Ärztinnen und Ärzte an der Tagesordnung. Wir werden von zum Teil didaktisch unqualifizierten Ärzten unterrichtet.“ Auf diese Weise werde die Ausbildung abgewertet.

Zudem sei die Begeisterung der Studierenden, selbst einmal in Marburg zu arbeiten, gering. „Die Problematik, angemessen ausgebildetes und motiviertes Personal für die Universitätsklinik Marburg zu finden, weitet sich damit bereits jetzt auf

die Ärzte von morgen aus“, so Ruttkowski. „Der Beruf im Allgemeinen und insbesondere die Standorte Marburg und Gießen werden damit nachhaltig geschädigt.“ © fos/aerzteblatt.de

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