Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Psychotherapien können Reizdarmsyndrom langfristig lindern

Dienstag, 5. Januar 2016

dpa

Nashville – Das Reizdarmsyndrom spricht relativ gut auf Psychotherapien an und die Wirkung hält häufig über das Ende der Behandlung hinaus an. Zu dieser Einschätzung gelangt eine Meta-Analyse in Clinical Gastroenterology and Hematology (2016; doi: 10.1016/j.cgh.2015.11.020).

Funktionelle Darmbeschwerden bei Erwachsenen sind häufig. In einer Stichprobe gaben 13 Prozent der deutschen Bevölkerung an, in den letzten sieben Tagen unter Blähungen gelitten zu haben, und 11 Prozent fühlten sie sich durch Bauchschmerzen beeinträchtigt. Viele Patienten suchen im Verlauf ihres Leidens einen Arzt auf, der dann – oft nach einer intensiven Ursachensuche – die „Ausschlussdiagnose“ eines Reizdarmsyndroms (Colon irritabile) stellt.

Neben rein symptomatischen Medikamenten gegen Schmerzen oder Durchfälle sowie Ratschlägen zur Diät und Lebensführung sind die therapeutischen Angebote der Ärzte beschränkt. Psychotherapeutische Optionen kommen selten zum Einsatz, wenn sie nicht von den Patienten, die eine organische Ursache, etwa ein „Candida-Hypersensitivitäts­syndrom“ vermuten, sogar abgelehnt werden.

Doch die Ergebnisse der Psychotherapie sind besser als ihr Ruf, wie die aktuelle Meta-Analyse zeigt, die eine Gruppe um Lynn Walker vom Vanderbilt University Medical Center durchgeführt hat. In die Untersuchung flossen die Ergebnisse aus 41 klinischen Studien mit mehr als 2.200 Patienten ein, die in den USA, Schweden und Großbri­tannien durchgeführt worden waren.

In den Studien wurden unterschiedliche Psychotherapien eingesetzt, am häufigsten waren dies kognitive Verhaltenstherapien, Entspannungsübungen und Hypnose. Alle Therapien erzielten eine gleich gute Wirkung, deren Effektstärke Walker mit einem Cohen d-Wert von 0,69 beziffert. Werte über 0,5 werden als mittlere Wirkung, Werte über 0,8 als starker Effekt gedeutet. Laut Walker erzielten Patienten unter der Psychotherapie eine stärkere Linderung ihrer gastrointestinalen Symptome als 75 Prozent der Personen in der Kontrollgruppe.

Die Meta-Analyse kommt erstmals zu dem Ergebnis, dass die Psychotherapie, deren Techniken die Patienten auch nach dem Ende der Betreuung weiter durchführen können, durchaus eine Langzeitwirkung erzielt. Die Effektstärke nach Cohen war auch sechs und zwölf Monate nach der letzten Sitzung nicht abgeschwächt.

Für Walker bestätigten die Ergebnisse die Existenz einer „Hirn-Darm-Achse“, nach der psychische Probleme Auswirkungen auf die Gesundheit des Darms haben können andererseits aber auch der Darm das psychische Gleichgewicht beeinflusst. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dennis22
am Freitag, 29. Januar 2016, 11:43

Reizdarm ergänzend zur Therapie vorbeugen

Hallo zusammen, das sind ja interessante Erkenntnisse. Ich kann mir gut vorstellen, dass man seinen persönlichen Stress, der häufig zur Verstopfung führt (in meinem Fall zutreffend), mit einer Psychotherapie behandeln kann. Das finde ich sehr einleuchtend! Was vielleicht auch als Ergänzung zu einer Therapie helfen kann, ist der Toilettenhocker von Hoca, der einem auf jeden Fall bei der Entleerung auf der Toilette unterstützend zur Seite kommt. Man sitzt nämlich durch die Unterstützung des Hockers in der richtigen Sitzposition, so dass der Enddarm sich gut entleeren kann. Ich spreche von diesem ärztlich geratenen 35 Grad Winkel. Das hilft sicher ergänzend zu einer Therapie, wenn man wiederholt mit einem gereizten Darm zu kämpfen hat, oder vorbeugend Maßnahmen ergreifen möchte :). VG

Nachrichten zum Thema

26.09.17
Obeticholsäure: Tödliche Überdosierung bei Leberfunktions­störungen
Silver Spring – Bei der Therapie der primären biliären Cholangitis mit Obeticholsäure kann es zu tödlichen Überdosierungen kommen, wenn die Dosis bei Leberfunktionsstörungen nicht......
22.09.17
Neue Leitlinie zur gastrointestinalen Blutung erstellt
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften eine interdisziplinäre Leitlinie zu......
17.08.17
Nanotechnologie: Mikromotoren bekämpfen Bakterien mit Antibiotika im Magen
San Diego – Nanoingenieure von der University of California ist es gelungen Magnesium-(Mg-)basierte Mikromotoren zu entwickeln, die Antibiotika direkt in den Magen von Mäusen transportieren. Die......
24.07.17
Ileus: Ursachen des Passagestopps im Darm erkennen
Bonn/Straßburg – Im klinischen Alltag sind Ärzte aller Fachrichtungen mit dem Krankheitsbild des Ileus konfrontiert. Je nachdem, wo sich der Darmverschluss oder die Darmlähmung befindet, kommt es beim......
21.07.17
Titandioxid-Nano­partikel: Wie gefährlich ist E 171 für Darmpatienten?
Zürich – Nanopartikel aus Titandioxid, das als E 171 zunehmend Lebensmitteln, Zahnpasta und auch Medikamenten als Farbstoff zugesetzt wird, haben in einem Mäusemodell eine akute Darmentzündung......
20.06.17
Infektionen im Babyalter erhöhen das Risiko für Gluten-Un­verträglichkeit
München – Infektionen im frühen Kindesalter fördern das Risiko für eine spätere Zöliakie. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München,......
02.06.17
Probiotika könnten Depressionen bei Reizdarmsyndrom lindern
Hamilton – Depressive Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, könnten mithilfe einer Probiotika-Therapie ihre psychischen Beschwerden lindern. So lautet das Ergebnis einer klinisch......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige