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Politik

Auch Unverheiratete bekommen Zuschuss für künstliche Befruchtung

Freitag, 8. Januar 2016

Berlin – Künftig können auch unverheiratete Paare vom Staat Geld für eine künstliche Befruchtung bekommen. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, unverheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch anders zu behandeln als Verheiratete", erklärte Bundes­familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gestern in Berlin. Schwesig öffnete eine entsprechende Richtlinie deshalb auch für Paare ohne Trauschein, was ab sofort in Kraft tritt.

Jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos
In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Die Dauer und die Kosten der Behandlungen sind für die Betroffenen nicht nur eine psychische Belastung, sondern stellen oft auch eine erhebliche finanzielle Hürde dar.

„Der Kinderwunsch von Eltern darf nicht am Geld scheitern”, erklärte Schwesig. Deshalb müssten Paare mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützt werden, "egal, ob sie verhei­ratet sind oder nicht". Zuvor hatte bereits die Funke-Mediengruppe über die geänderte Richtlinie berichtet. Schwesig setzt sich schon seit längerem für die Ausweitung der staatlichen Unterstützung ein, stieß aber damit bislang beim Koalitionspartner Union auf Widerstand.

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Bisher können nur Verheiratete einen staatlichen Zuschuss zu den hohen Kosten einer künstlichen Befruchtung bekommen. Die Krankenkassen übernehmen in solchen Fällen die Hälfte der Ausgaben für maximal drei Versuche einer künstlichen Befruchtung. Hinzu kommt die staatliche Förderung.

Förderung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich
Ob Paare staatliche Hilfe erhalten, ist aber auch vom jeweiligen Bundesland abhängig. Seit 2012 stellt der Bund finanzielle Hilfen zur Verfügung, vorausgesetzt, die jeweiligen Bundesländer ziehen mit und beteiligen sich in mindestens gleicher Höhe. Bislang ist dies nur in sechs Bundesländern der Fall – in Mecklenburg-Vorpommern, Nieder­sachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Paare, die dort ihren Hauptwohnsitz haben, bekommen Zuschüsse für den verbleibenden Eigenanteil in Höhe von 50 Prozent. Der Bund übernimmt davon maximal 25 Prozent. Die Art und Höhe der Zuschüsse der Länder variieren indes.

Wenn Länder zahlen, beteiligt sich auch der Bund
Auch bei unverheirateten Paaren bleibt es Voraussetzung für Zahlungen vom Bund, dass sich das jeweilige Bundesland an der Förderung beteiligt. Als einziges Land fördert bislang Sachsen-Anhalt auch nicht verheiratete Paare.

Von den Krankenkassen erhalten sie auch künftig keine Zuschüsse für eine künstliche Befruchtung. Einer Studie zufolge ist der Anteil der Paare, die von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen sind, bei nicht Verheirateten mit 38 Prozent doppelt so hoch wie der Anteil bei den Verheirateten (19 Prozent).

„Auf der einen Seite wird immer wieder gesagt, es werden zu wenige Kinder geboren – aber auf der anderen Seite erhalten nichteheliche Lebensgemeinschaften durch den Bund keinerlei finanzielle Unterstützungen bei Inanspruchnahme von Kinderwunsch­behandlungen", erklärte Schwesig. Künftig bekommen Paare ohne Trauschein vom Bund Zuwendungen für die erste bis dritte Behandlung in Höhe von bis zu 12,5 Prozent und für die vierte Behandlung in Höhe von bis zu 25 Prozent des Eigenanteils.

Seit 2013 werden dem Zeitungsbericht zufolge jedes Jahr zehn Millionen Euro für die Bundesinitiative „Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit” eingeplant. Das Geld soll nach Ministeriumsangaben des Ministeriums auch nach der Ausweitung des Empfängerkreises ausreichen.

© dpa/aerzteblatt.de

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