Medizin

Präeklampsie: Vorhersagetest besteht Prüfung

Freitag, 8. Januar 2016

Berlin – Ein Serumtest, der den Quotienten aus zwei pathogenetisch relevanten Proteinen misst, kann die Entwicklung einer Präeklampsie kurzfristig ausschließen und damit häufig eine unnötige Hospitalisierung vermeiden. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie im New England Journal of Medicine (2016; 374: 13-22).

Die genaue Ursache der Präeklampsie, die 2 bis 5 Prozent aller Schwangerschaften kompliziert und eine häufige Ursache für eine vorzeitige Geburt ist, ist nach wie vor unbekannt. Die Forscher sind sich jedoch einig, dass ihr Ursprungsort die Plazenta ist. Eine Störung der Gefäßentwicklung führt dort zur vermehrten Freisetzung des Proteins sFlt-1 (Soluble fms-like tyrosine kinase-1), während die Bildung des plazentaren Wachstumsfaktors (PlGF) vermindert ist.

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Der Hersteller Roche hat einen Serumtest, mit dem sich der sFlt-1/PlGF-Quotient bestimmen lässt, in einer prospektiven Beobachtungsstudie evaluiert. In einer ersten Kohorte von 500 Schwangeren wurde ein Cutoff-Wert zum Ausschluss einer beginnen­den Präeklampsie bestimmt, der dann in einer zweiten Gruppe von 550 weiteren Schwangeren validiert wurde.

Teilnehmerinnen der Studie waren Schwangere, bei denen Ärzte den Verdacht einer bevorstehenden Präeklampsie hatten. Dies könnte eine neu einsetzende oder sich verschlechternde Hypertonie oder Proteinurie sein oder klinische Zeichen (etwa Kopfschmerzen oder Schwellungen in Gesicht, Händen oder Füßen) oder abnorme Laborwerte (Anstieg der Leberenzyme, Abfall der Thrombozyten) oder auch Auffälligkeiten in der Ultraschalluntersuchung (geringes intrauterines Wachstum).

Wie das Team um Privatdozent Stefan Verlohren von der Klinik für Geburtsmedizin der Berliner Charité jetzt mitteilt, ermöglicht ein Cutoff-Wert von 38 den besten negativen Vorhersagewert: Schwangere mit einem sFlt-1/PlGF-Quotienten von 38 oder niedriger entwickelten im Verlauf der nächsten Woche zu 99,3 Prozent keine Präeklampsie oder die Variante HELLP-Syndrom (95-Prozent-Konfidenzintervall 97,9-99,9).

Diese Schwangeren könnten deshalb guten Gewissens nach Hause entlassen und für einen weiteren Untersuchungstermin in den nächsten Wochen einbestellt werden. Von den Schwangeren mit einem sFlt-1/PlGF-Quotient von über 38 erkrankten dagegen 36,7 Prozent (28,4-45,7 Prozent) in den folgenden vier Wochen an einer Präeklampsie oder einem HELLP-Syndrom.

Schwangere mit einem hohen Cutoff-Wert würden vermutlich hospitalisiert, um im Fall einer Präeklampsie frühzeitig intervenieren zu können. Laut Verlohren könnte mit dem Test vermieden werden, dass Schwangere zu früh entbunden oder zu spät behandelt werden. Dass ein niedriger Cutoff-Wert eine Erkrankung für die nächste Woche ausschließt könnte auch entscheidend zur Beruhigung der Patientinnen beitragen.

Der Test ist allerdings mit Kosten verbunden und die Beobachtungsstudie kann nicht zweifellos klären, welche Vorteile der Test im klinischen Alltag gegenüber dem bis­herigen Monitoring mit regelmäßiger Messung von Proteinurie und Blutdruck bringt. Notwendig wäre laut Verlohren die Durchführung einer randomisierten Studie zu dieser Frage. © rme/aerzteblatt.de

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