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Medizin

Orale Kontrazeptiva keine Auslöser von Fehlbildungen

Freitag, 8. Januar 2016

dpa

Boston – Frauen, die trotz der Einnahme oraler Kontrazeptiva oder ummittelbar nach dem Absetzen schwanger werden, bekommen deshalb nicht häufiger ein Kind mit Fehlbildungen. Dies zeigt eine Auswertung dänischer Patientenregister im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 352: h6712).

Von 880.694 Frauen, die zwischen 1997 und 2011 in Dänemark ein Kind bekamen, hatten 74.542 (8 Prozent) die orale Kontrazeption weniger als drei Monate vor Beginn der Schwangerschaft beendet. Weitere 11.182 Frauen (1 Prozent) wurden schwanger, obwohl sie die „Pille“ einnahmen. In der ersten Gruppe kam es zu 1.856 Fehlbildungen (Prävalenz: 24,9 auf 1.000 Geburten), in der zweiten Gruppe wurden 277 Fehlbildungen diagnostiziert (Prävalenz: 24,8 auf 1.000 Geburten), wie Brittany Charlton von der Harvard Chan School of Public Health in Boston durch den Abgleich verschiedener Personenregister ermitteln konnte.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Fehlbildungen auf die hormonelle Kontrazeption der Mutter zurückzuführen sind. Denn auch bei den Kindern von Frauen, die niemals die Pille eingenommen hatten, kam es zu Fehlbildungen. Die Prävalenz war in dieser Gruppe mit 25,1 auf 1.000 Kinder sogar etwas höher als bei Frauen, die die Pille eingenommen aber länger als drei Monate vor der Schwangerschaft abgesetzt hatten (25,0 auf 1.000 Kinder).

Der Unterschied war nach einer adjustierten Analyse, die unterschiedliche Eigen­schaften von Anwenderinnen und Nichtanwenderinnen der Pille berücksichtigte, sogar signifikant. Charlton misst diesem Befund jedoch keine Bedeutung zu. Sie vermutet, dass andere Faktoren die leicht erhöhte Fehlbildungsrate erklären, beispielsweise das Körpergewicht (dessen Einfluss die adjustierte Analyse nicht eliminieren konnte): Übergewichtige Frauen nehmen wegen des Thromboserisikos seltener die Pille ein, die Adipositas erhöht aber leicht das Fehlbildungsrisiko des Kindes.

Charlton hat auch detaillierte Analysen zu einzelnen Fehlbildungen durchgeführt, die in früheren Untersuchungen deutlich mit der Einnahe von oralen Kontrazeptiva assoziiert waren. Dazu gehört das hypoplastische Linksherzsyndrom (Odds Ratio OR 2,3 in einer Studie), die Gastroschisis (OR 1,8) und Extremitätendefekte (OR 4,8).

Keiner dieser Befunde ließ sich durch die dänischen Daten bestätigen. Auch wenn epidemiologische Untersuchungen keinen abschließenden Beweis liefern, sollten die Daten Frauen, die trotz der Einnahme oraler Kontrazeptiva oder ummittelbar nach dem Absetzen schwanger werden, beruhigen, findet Charlton. © rme/aerzteblatt.de

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