NewsMedizinProteinhemmung reduziert oxidativen Stress beim Schlaganfall
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Proteinhemmung reduziert oxidativen Stress beim Schlaganfall

Dienstag, 12. Januar 2016

Loewen – Die Inhibition eines Sauerstoffsensors in Gehirnzellen könnte den oxidativen Stress verringern, der bei Schlaganfällen entsteht. Forscher um Peter Carmeliet und Annelies Quaegebeur an der Universität Löwen in Belgien berichten in Cell Metabolism (doi:10.1016/j.cmet.2015.12.007).

Bei Schlaganfällen entsteht in den Neuronen ein Mangel an Sauerstoff und Glukose. In den Zellen gibt es bestimmte Proteine, welche das Sauerstoffangebot und den Bedarf erkennen und entsprechend darauf reagieren können. Eines dieser Proteine ist das Prolyl Hydroxylase Domain Protein 1 ( PHD1).

Das Protein verstärkt die Glykolyse bei Sauerstoffmangel, um den Energiebedarf der Zellen zu decken. Unter Sauerstoffmangel entsteht so ein anaerober Stoffwechsel. Bei einem Schlaganfall ist jedoch nicht nur der ungedeckte Energiebedarf der Zellen für den Schaden verantwortlich, sondern auch die oxidativen Produkte, die durch den ischä­mischen Schaden entstehen. Ein reduktives – also elektronenspendendes – Milieu in den Zellen könnte hier einen Schutz bieten.

Anzeige

Um die Rolle von PHD1 bei oxidativem Stress besser nachvollziehen zu können, züchteten die Forscher Mäuse, die kein funktionierendes PHD1 besaßen. Sie fügten den Tieren künstliche Schlaganfälle zu und überprüften in funktionellen Tests und durch histopathologische Analysen den zugefügten Schaden.

Die PHD1-defizienten Mäuse zeigten bei Okklusion einer Hauptarterie einen deutlichen geringeren Schaden als Wildmäuse. Die Wissenschaftler gaben an, dass sich die Infarktgröße um überraschende 70 Prozent reduzierte. In funktionellen Tests schnitten die Mäuse ebenfalls besser ab.

Den Grund für diesen Effekt vermuten die Forscher in der metabolischen Umstellung, die PHD1 verursacht. Durch das Fehlen von PHD1 fließt vermehrt Glukose in den Pentosephosphatweg. Beim Pentosephosphatweg entsteht reduktives NADPH, welches schädliche oxidative Substanzen neutralisiert.

Die Forscher testeten an den Mäusen auch einen ersten interventionellen Ansatz. Durch die Injektion von hemmende Oligonukleotide für das PHD1-Gen konnten sie die Infarktgröße reduzieren. Ob sich dieser interventionelle Ansatz jedoch auch auf den Menschen übertragen lässt, bleibe abzuwarten, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. September 2020
Würzburg – Ein sogenanntes Bindemolekül namens CD84 steuert nach einem Gefäßverschluss im Gehirn das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und bestimmten Entzündungszellen. Es bietet laut einem
Neuer Ansatz für Medikamententherapie nach Schlaganfall
27. August 2020
Berlin – Gemeinsam betrachtet sind direkte orale Antikoagulantien (DOAK) offenbar mit einem im Vergleich zu Phenprocoumon erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden, verursachen dafür aber weniger
DOAK oder VKA bei Vorhofflimmern: Uneinheitliches Bild bei Schlaganfall- und Blutungsrisiko
19. August 2020
Regensburg – Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat eine Einheit zur Versorgung von Schlaganfallpatienten eingerichtet. Zusammen mit der Schlaganfallversorgung der Neurologischen Klinik am
Neue Stroke Unit am Universitätsklinikum Regensburg
31. Juli 2020
Berlin – Die Forschung zur Frührehabilitation nach einem Schlaganfall muss intensiviert werden. Dafür haben sich Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Fachgesellschaften für Intensivierung der Schlaganfallsforschung
15. Juli 2020
Edinburgh – Die sexuelle Dysfunktion ist eine der häufigsten, aber am wenigsten diskutierten Folgen des Schlaganfalls. Darauf weist die Cochrane Stroke Group hin. Laut einem aktualisierten Review der
Wenig Evidenz zur Behandlung von sexuellen Dysfunktionen nach Schlaganfall
15. Juni 2020
Edinburgh – Patienten mit einem Schlaganfall profitieren von einem Fitnessprogramm, dass ein kardiorespiratorisches Training und Gehen beinhaltet. Es gibt jedoch kaum Evidenz dazu, ob das Training
Die Bedeutung von körperlicher Aktivität nach einem Schlaganfall
9. Juni 2020
Shanghai/Berlin – Schlaganfälle sind häufig ischämischer Natur. Die Ursache ist meist ein Blutgerinnsel, das eine hirnversorgende Arterie verstopft. Eine chinesische Studie hat jetzt die Effektivität
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER