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Ausland

Assistenzärzte in England streiken

Dienstag, 12. Januar 2016

Köln – Zum ersten Mal seit 40 Jahren haben heute Zehntausende Assistenzärztinnen und -ärzte in England für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. Sie protestieren damit gegen Pläne des Gesundheitsministeriums, unter anderem Zuschläge für die Arbeit nachts und am Wochenende zu kürzen. Das Angebot von Gesundheitsminister Jeremy Hunt, im Gegenzug das Grundgehalt der Junior Doctors um elf Prozent zu erhöhen, halten sie für unzureichend.

Die British Medical Association (BMA) verhandelt seit September 2015 mit dem Gesund­heitsministerium und dem National Health Service über einen neuen Vertrag für die 45.000 Assistenzärzte in England. Nach Ansicht der Regierung sind Reformen nötig, um langfristig in den Krankenhäusern eine Sieben-Tage-Woche einzuführen. Für heftige Kritik hatte die Drohung von Gesundheitsminister Hunt gesorgt, im Fall eines Scheiterns der Verhandlungen den neuen Vertrag über die Arbeitsbedingungen der Junior Doctors im August dieses Jahres einfach in Kraft zu setzen.

Der Vorsitzende des BMA Junior Doctors Committee, Johann Malawana, erklärte heute auf der Webseite der Ärztegewerkschaft, die Regierung habe den Ärzten keine andere Wahl gelassen als zu streiken. „Wir haben stets betont, dass wir eine Verhandlungs­lösung anstreben.“ Dazu müsse die Regierung aber die Forderung nach sicheren Arbeitsbedingungen anerkennen und sicherstellen, dass der neue Vertrag die langen Arbeitszeiten der Assistenzärzte sowie deren Dienste nachts und an den Wochenenden angemessen berücksichtige. „Wir sind nach wie vor zu Gesprächen bereit“, sagte Malawana.

Der BMA zufolge wollen sich die Verhandlungspartner am Donnerstag wieder an einen Tisch setzen. Sollten die Gespräche scheitern, wollen die Assistenzärzte am 26. Januar und am 10. Februar erneut streiken.

Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ berichtet, mussten aufgrund des Ausstandes an den Krankenhäusern des National Health Service (NHS) rund 4.000 geplante Opera­tionen verschoben werden ebenso wie Tausende ambulante Behandlungen. Dem Guar­dian zufolge zeigten in einer Umfrage dennoch 66 Prozent der Bevölkerung Verständnis für den Ärztestreik.

Auch international erhalten die englischen Junior Doctors Unterstützung. Der Präsident des Weltärztebundes, Michael Marmot, betonte, Ärztinnen und Ärzte hätten das Recht, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. „In diesem Fall ist es ganz klar, dass lang­fristig die Patientenversorgung leidet, wenn die britische Regierung die Pläne für die geänderten Arbeitszeiten der Assistenzärzte umsetzt.“

Auch der Marburger Bund erklärte sich mit den englischen Assistenzärzten solidarisch. „Es ist das gute Recht der Junior Doctors, sich gegen eine staatlich verordnete Aus­weitung der Regelarbeitszeit zu wehren und eine faire Bezahlung der Arbeit in den Nachtstunden und an Wochenenden zu verlangen.“ Gute Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern seien ein europaweites Anliegen. Man wünsche den Kolleginnen und Kollegen in England deshalb viel Erfolg in ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Patientensicherheit in den Krankenhäusern des NHS. © HK/aerzteblatt.de

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