Medizin

Guinea-Wurm vor der Eradikation

Mittwoch, 13. Januar 2016

Atlanta – Die Dracunculose, an der in den 1980er Jahren weltweit noch 3,5 Millionen Menschen litten, steht möglicherweise vor der Ausrottung. Im letzten Jahr sind laut einer Mitteilung des Carter Centers, einer Stiftung des ehemaligen US-Präsidenten James Carter, nur 23 Erkrankungen bekannt geworden. Im Jahr zuvor waren es noch 126 Fälle gewesen.

Die Dracunculose wird durch einen Befall mit dem Medinawurm, Dracunculus medinensis, ausgelöst, der auch Guineawurm genannt wird. Die Infektion erfolgt durch die Aufnahme von Larven mit dem Trinkwasser. Die Larven leben dort in Ruderfuß­krebsen, ihrem Zwischenwirt. Nach der Verdauung der Ruderfußkrebse werden die Larven freigesetzt.

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Sie dringen durch die Darmwand in die Lymphgefäße ihres Endwirts ein. Sie wachsen innerhalb eines Jahres zu adulten Würmern heran und paaren sich. Danach setzt das Weibchen Larven über eine Hautulzeration frei. Die Behandlung besteht seit alters her darin, den bis zu 120 Zentimeter langen weiblichen Parasiten langsam aus der offenen Hautstelle zu ziehen und auf ein Stäbchen zu wickeln. Es gibt weder wirksame Medikamente noch einen Impfstoff.

Da die Parasiten im Wasser an die Ruderfußkrebse gebunden sind, kann die Infektions­kette relativ leicht durch Wasserfilter gestoppt werden. Diese Methode macht sich die vom Carter Center gesponserte Eradikationskampagne zu Nutze. Sie war darin in den letzten Jahren recht erfolgreich. Die Erkrankung, die im tropischen Afrika, auf der arabischen Halbinsel und in Indien weit verbreitet war, wurde im letzten Jahr nur noch in vier Ländern nachgewiesen.

Es handelt sich mit dem Tschad (9 Fälle), Äthiopien (3 Fälle), Mali (5 Fälle) und dem Südsudan (5 Fälle) nicht nur um die ärmsten Länder Afrikas, sondern auch um Gebiete mit kriegerischen Konflikten, die die Eradikationsbemühungen behindern. Hinzu kommt, dass die Parasiten, als deren Endwirt lange nur der Mensch galt, neuerdings auch in Hunden entdeckt wurden.

Sollte sich hier ein neues Reservoir für den Parasiten ausbilden, dürfte dies die Eradikation deutlich erschweren (und der Traum eines am fortgeschrittenen Krebs erkrankten ehemaligen US-Präsidenten würde wohl kaum zu seinen Lebzeiten in Erfüllung gehen). Die einzigen bislang eradizierten Erkrankungen sind die Pocken beim Menschen und die Rinderpest bei Huftieren. Die Eradikation der Polio, die seit mehr als einem Jahrzehnt in greifbarer Nähe ist, wurde bisher durch Kriege und Glaubenskonflikte immer wieder verhindert.

© rme/aerzteblatt.de

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