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Medizin

Wie die Hormonsteuerung von Prostatakrebs funktioniert

Mittwoch, 13. Januar 2016

Freiburg – Einen Mechanismus der Hormonsteuerung von Prostatakarzinomen haben Freiburger Urologen entschlüsselt und so möglicherweise eine neue Klasse von Prostatakrebs-Medikamenten ermöglicht. Die Arbeitsgruppe um Roland Schüle, wissenschaftlicher Direktor an der Klinik für Urologie und Leiter des Zentrums für klinische Forschung des Universitätsklinikums Freiburg publizierte ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Structural & Molecular Biology (doi 10.1038/nsmb.3153).

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern in Deutschland. Männliche Geschlechtshormone wie Testosteron beeinflussen die Genaktivität der Zellen maß­geblich und halten so den Tumor am Leben. In früheren Studien hatte die Arbeitsgruppe um Schüle gezeigt, dass ein Protein namens „LSD1“ in der hormonellen Steuerung der Genaktivität bei Prostatatumoren eine wichtige Rolle spielt.

Nun zeigten sie, dass LSD1 nur dann mit Proteinen der Hormon-Steuerung wechselwirkt, wenn das Protein EHMT2 eine nur vier Atome große Methyl-Molekülgruppe auf LSD1 überträgt. Unterbanden die Forscher die Anheftung, war damit auch der Einfluss der Hormone blockiert. Die Übertragungshemmung von EHMT2 wirkte sehr selektiv, andere Moleküle waren davon nicht betroffen. „Wir haben einen wichtigen Mechanismus in der hormonellen Steuerung von Prostatakrebs aufgeklärt. Unsere Hoffnung ist, dass sich dieser Schritt mit den richtigen Medikamenten sehr gezielt hemmen lässt. Diese Wirkstoffe gilt es jetzt zu finden“, sagte Schüle.

LSD 1 spielt auch bei der Entwicklung besonders aggressiver Tumorformen eine Rolle: Ohne die LSD1-Anheftung entwickelten sich die Krebszellen nicht mehr zu diesen aggressiven Formen weiter, wie sie bei etwa zwei Drittel der Prostatatumoren auftritt. „Indem wir die Veränderung des LSD1-Proteins blockieren, können wir den krankhaften Umbau des Erbguts unterbinden.

Im besten Falle ließe sich damit prophylaktisch eine Verschlimmerung der Krankheit verhindern“, sagte der Erstautor der Studie Eric Metzger, Biologe an der Klinik für Urologie und am Zentrum für klinische Forschung des Universitätsklinikums Freiburg.

© hil/aerzteblatt.de

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