Ärzteschaft

Psychiater fordern mehr Hilfen bei der beruflichen Wiedereingliederung

Mittwoch, 13. Januar 2016

Krefeld – Mehr Hilfe für Patienten mit psychischen oder neurologischen Erkrankungen, um nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit wieder in den Beruf einzusteigen, fordert der Spitzenverband ZNS (SPiZ). „Im Augenblick wird das Ziel ‚return to work‘ leider oft verfehlt und die Patienten werden zu häufig frühzeitig berentet“, kritisiert dessen Vorsitzender Frank Bergmann. Das könne auf Dauer ihre Grunderkrankung verschlech­tern und sei außerdem volkswirtschaftlich ein großer Verlust.

Laut einer Erhebung der Betriebskrankenkassen (BKK) gehören psychische Störungen zu den häufigsten Ursachen für lange Krankschreibungen. Die Betroffenen fehlen durchschnittlich 37 Tage, die Langzeiterkrankten unter ihnen sogar durchschnittlich 185 Tage. „Besonders kleinere Unternehmen brauchen mehr Unterstützung bei der dann nötigen Wiedereingliederung“, betont Bergmann mit Blick auf die neuen Daten: Laut dem BKK-Gesundheitsreport sind in Kleinstunternehmen bis neun Beschäftigte fast die Hälfte aller Fehltage (49 Prozent) mit Langzeiterkrankungen verbunden. Diese Quote liegt in Großunternehmen rund zehn Prozent niedriger.

Anzeige

„Größere Unternehmen verfügen meist über eine effektivere betriebliche Gesundheits­förderung und über ein wirksames betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)“, erläutert Bergmann. Es sei dringend nötig, das BEM auch in kleinen und mittleren Firmen zu verbessern, so der Vorsitzende des SPiZ.

Der Verband fordert, dass Fachärzte für Psychiatrie, Neurologie oder Nervenheilkunde die Patienten beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt engmaschiger betreuen können. Außerdem sollten sie mit Zustimmung des Patienten die Arbeitgeber beraten können – wenn möglich in enger Abstimmung mit den Betriebsärzten.

Dabei geht es um Betriebsabläufe und um die Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie oft um Umgang mit Minderbelastbarkeit. Allerdings müssen die Kostenträger diese Begleitleistungen – Beratung, Koordination, Supervision oder Coaching – angemessen honorieren. Bisher wird dieser Mehraufwand für die Fachärzte nicht vergütet. „Von einem verbesserten Wiedereingliederungsmanagement profitieren der Patient und der Arbeitgeber gleichermaßen. Und mittelfristig auch die Kostenträger“, ist Bergmann überzeugt.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.02.17
Berlin/Brüssel – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) legt in der Terrorbekämpfung wert auf eine gute Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sicherheitsbehörden. „Die Terroranschläge in der......
24.02.17
Erfurt – Eine Thüringer Suchthilfe-Einrichtung entwickelt derzeit ein Präventionsangebot, mit dem verhindert werden soll, dass Schwangere Drogen nehmen. Das Projekt ziele nicht nur auf Frauen, die......
23.02.17
Nutzen von Vitamin D bei Prävention weiter umstritten
London – Vitamin D kann insbesondere bei Personen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel Atemwegsinfektionen vorbeugen. Dies fanden Forscher der Queen Mary University of London heraus. Sie veröffentlichten......
22.02.17
Depressionen: Merkel fordert Entstigmati­sie­rung
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern darüber. Viele Menschen trauten sich nicht, über......
21.02.17
Hamburg – Die DAK-Gesundheit will rauchenden Auszubildenden in Pflegeberufen das Aufhören erleichtern. Helfen soll das Programm „astra plus – Gesundheitskompetenz, Rauchfrei in der Pflege.“ Entwickelt......
20.02.17
Wie Nüsse das Wachstum von Krebszellen hemmen
Jena – Einen molekularen Mechanismus für die antikanzerogenen Wirkungen von Inhaltsstoffen aus Nüssen haben Wissenschaftler aus Jena entdeckt. Die Arbeit ist in dem Magazin Molecular Carcinogenesis......
20.02.17
Kopfschmerzen: Tablettenkonsum schon im Kindesalter besorgniserregend
Berlin – Die Zahl junger Menschen in Deutschland mit ärztlich diagnostizierten Kopfschmerzen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, teilte die Krankenkasse Barmer heute in Berlin bei der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige