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WHO erklärt Ebola-Epidemie in Westafrika für beendet

Donnerstag, 14. Januar 2016

Peter Graaff dpa

Genf/Berlin – Nach Sierra Leone und Guinea ist nun auch Liberia als letztes westafri­kanisches Land seit 42 Tagen frei von Ebola-Neuinfektionen. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) erklärte deshalb am Donnerstag in Genf die Ebola-Epidemie offiziell für beendet.

Ärzte ohne Grenzen rief die Weltgemeinschaft in Berlin auf, aus den Erfahrungen der Epidemie zu lernen. Die internationale Lobby- und Kampagnenorganisation ONE erklärte, es handele sich um einen „schwerverdienten, aber auch teuer bezahlten“ Meilenstein. Um für den nächsten Ausbruch von Ebola oder einer anderen hochansteckenden Krankheit vorbereitet zu sein, müssten Entwicklungsländer jetzt darin unterstützt werden, ihre Gesundheitssysteme zu stärken.

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Die WHO betonte, der Kampf gegen die Krankheit sei auch zwei Jahre nach dem Ausbruch noch nicht beendet. „Wir müssen einsatzbereit bleiben», sagte der WHO-Koordinator für Ebola, Peter Graaff. Ein Wiederaufflammen der Krankheit sei nicht ausgeschlossen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es müsse mit einem erneuten Aufbäumen von Ebola in den kommenden Jahren gerechnet werden.

Ärzte ohne Grenzen weiterhin vor Ort
Der WHO zufolge infizierten sich in den betroffenen Ländern 29.000 Menschen mit dem Virus, etwa 11.300 Menschen starben. Die Experten gehen allerdings von höheren Opferzahlen aus. Ärzte ohne Grenzen kündigte an, die Arbeit in Liberia, Sierra Leone und Guinea fortzusetzen. Ebola-Überlebende seien weiterhin sehr anfällig und hätten häufig mit Spätfolgen wie Gelenkschmerzen, chronischer Müdigkeit oder Seh- und Hörproblemen zu kämpfen.  „Zudem leiden sie unter der Stigmatisierung und Ablehnung in ihrer Gemeinschaft.“ Die internationale Präsidentin Joanne Liu erklärte, die ungenügende Antwort auf Ebola sei nicht durch einen Mangel an internationalen Mitteln verursacht worden, sondern durch den mangelnden politischen Willen, schnell Unterstützung zu leisten.

Bis heute hat sich die Wirtschaft von Liberia, Sierra Leone und Guinea nicht erholt
Für die am härtesten betroffenen Länder war die Epidemie verheerend: Ihre kaum vorhandenen Gesundheitssysteme waren der Herausforderung nicht gewachsen, die Menschen uninformiert und misstrauisch gegenüber den Verlautbarungen ihrer eigenen Regierungen. Panikreaktionen und drastische Maßnahmen drohten Wirtschaft und sozialen Zusammenhalt zu zerstören. Auf dem Höhepunkt warnte Liberias Verteidigungsminister Brownie Samukai vor der UNO, die „wie ein Waldbrand“ um sich greifende Seuche bedrohe die Existenz seines Landes.  Bis heute hat sich die Wirtschaft von Liberia, Sierra Leone und Guinea nicht erholt.

Wiederaufbau der Gesundheitssysteme muss untersützt werden
Die Grünen-Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft, Kordula Schulz-Asche, und der Grünen-Sprecher für Entwicklungspolitik, Uwe Kekeritz, dankten in Berlin den Nichtregierungsorganisationen für ihren Einsatz zur Bekämpfung der Epidemie. Zudem mahnten sie, „Liberia, Guinea und Sierra Leone beim nachhaltigen Wiederaufbau ihrer staatlichen und gesellschaftlichen Strukturen“ nicht alleine zu lassen. Bundesregierung und die Partnerländer seien gefordert, „die Einzelprojekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in eine Gesamtstrategie einzubetten“, die ein staatliches Gesundheitssystem zum Ziel habe.

Ebolawaisen nicht vergessen
Auch die Organisation SOS-Kinderdörfer betonte in München, dass zur Prävention von neuen Ausbrüchen ein stabiles Gesundheitssystem notwendig sei. Zudem sei das Leid der Menschen noch nicht vorbei; besonders Kinder litten. „Die vielen Ebolawaisen brauchen weiterhin dringend Hilfe und Unterstützung. Die Kinder sind meistens traumatisiert und werden oft wie Aussätzige behandelt“, so die Sprecherin der SOS-Kinderdörfer weltweit, Louay Yassin. Nach Angaben der Organisation gibt es etwa 20.000 Ebolawaisen.

Aus der Epidemie lernen
So schmerzhaft die Erfahrungen waren, sorgten sie doch dafür, dass alle Seiten ihre Lektionen lernten. Die Richtlinien der WHO für derartige Fälle wurden reformiert, die Entwicklung von Therapien und möglichen Impfstoffen wurde vorangetrieben. Beim nächsten Ausbruch sei sein Land besser vorbereitet, glaubt Liberias oberster Amtsarzt Francis Kateh. „Wir haben eine Menge gelernt“, sagt auch Michel Van Herp von Ärzte ohne Grenzen.

Dass so viele Menschen das tödliche Virus überlebten, hilft nun der Ebola-Forschung. So stellte sich heraus, dass das Virus noch über Monate im Sperma von Überlebenden, in der Flüssigkeit im Rückgrat oder im Auge überleben und möglicherweise ansteckend bleiben kann. Forscher vermuten darin auch den Grund für einen Teil der Rückfälle in Liberia, das im Mai und September schon einmal für Ebola-frei erklärt worden war. Beide Male gelang es den Behörden, den Ausbruch sofort einzudämmen. © afp/kna/aerzteblatt.de

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