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Medizin

Nabelschnurblut enthält Hinweise auf Nahrungs­mittelallergie

Donnerstag, 14. Januar 2016

dpa

Melbourne – Allergien werden derzeit häufig mit den Lebensverhältnissen in den ersten Lebensmonaten in Verbindung gebracht. Eine Untersuchung in Science Translational Medicine (2016; 8: 321ra8) zeigt jedoch, dass auch vorgeburtliche Faktoren eine Rolle spielen.

Die Barwon Infant Study begleitet in Australien eine Gruppe von mehr als tausend Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Nach der Geburt wurde das Nabelschnurblut aufgefangen und eingelagert. Im Alter von einem Jahr wurden bei den Kindern Hauttests auf häufige Nahrungsmittel-Allergien durchgeführt. Yuxia Zhang vom Harrison from the Walter and Eliza Hall Institute und Mitarbeiter in Melbourne haben die Nabelschnurblutproben untersucht, um dort einen Schlüssel für die Entstehung der Nahrungsmittel-Allergie zu finden.

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Zunächst fiel ihnen auf, dass die Kleinkinder mit Nahrungsmittelallergien schon bei der Geburt eine höhere Konzentration von Monozyten im Blut hatten. Monozyten bilden im Blut eine Reserve des Immunsystems. Bei Erkrankungen wandern sie aus dem Blut in das entzündete Gewebe, wo sie als Makrophagen für die Beseitigung von Krankheits­erregern zuständig sind.

Die Monozyten waren nicht nur zahlreicher im Blut vorhanden, sie waren auch in höherer Abwehrbereitschaft. In Labortests setzen sie eine größere Menge von entzündlichen Zytokinen frei, wenn sie mit Lipopolysacchariden zusammengebracht wurden, die ein Bestandteil der Membran gramnegativer Bakterien sind. Die erhöhte Abwehrbereitschaft wirkte sich auf regulatorische T-Zellen aus. Diese Zellen unterdrücken in bestimmten Situationen die Aktivierung des Immunsystems und sind dadurch an der Vermeidung von Allergien beteiligt. Unter dem Einfluss der aktivierten Monozyten werden die regula­torischen T-Zellen jedoch in T-Helfer-Zellen verwandelt, die eine Immunreaktion unterstützen.

Die Studie zeigt, dass eine Anlage zur Nahrungsmittelallergie – wenigstens teilweise, bereits bei der Geburt vorhanden ist. Unklar ist allerdings noch, was die Monozyten zur Überaktivität veranlasst. Zhang vermutet, dass die Mütter während der Schwangerschaft bestimmten Faktoren ausgesetzt sind, die sich auf das Immunsystem der Kinder auswirken. Welche Faktoren dies sind, kann die Studie nicht zeigen. Die Ergebnisse fielen auch nicht so klar aus, dass die Entwicklung eines Nabelschnurbluttests zu erwarten ist. Die Studie liefert eher Anregungen für weitere Forschungen. © rme/aerzteblatt.de

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