Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Erholungsfenster kann sich nach einem Schlaganfall wieder öffnen

Freitag, 15. Januar 2016

Baltimore – Das Zeitfenster, in welchem Neuronen sich nach einem abgelaufenen Schlaganfall erholen können, wird möglicherweise nicht permanent geschlossen. Welche Bedingungen hierfür erfüllt sein müssen, berichten Forscher um Steven R. Zeiler an der Johns Hopkins University School of Medicine in Neurorehabilitation & Neural Repair (doi:10.1177/1545968315624783).

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer akuten Symptomatik, bei der Patienten ein neurologisches Defizit zeigen. Dies ist zum Teil durch eine Minderversorgung der vitalen Zellen zu erklären und durch den irreversiblen Untergang von Neuronen. Nach dem Insult kann sich zumindest ein Teil der Funktion wieder erholen.

Nach einem bestimmten Zeitfenster ist jedoch keine wesentliche Verbesserung mehr durch motorisches Training zu erwarten. Wie dieses Zeitfenster, in welchem Patienten motorische Fähigkeiten besonders gut wieder erwerben können, zustande kommt, ist laut der Arbeitsgruppe wenig bekannt. Die Wissenschaftler vermuteten jedoch, dass die Ischämie selbst eine entsprechende Kaskade in Gang setzt. Diese Hypothese war Grundlage ihrer Versuche.

Dazu trainierten sie Mäuse, durch eine Ritze nach Futter zu greifen. Sie induzierten dann bei den so trainierten Mäusen Schlaganfälle, die motorische Hirnregionen beschädigen, die die vorderen Extremitäten ansteuern. Nach sieben Tagen ließen sie die Mäuse wieder in dem Versuch nach dem Futter greifen und weiter trainieren, bis sie sich nicht mehr verbesserten. Dies dauerte im Mittel 19 Tage. Ein Teil der Mäuse war trotz Training nicht mehr in der Lage, nach dem Futter zu greifen. Die Forscher gingen davon aus, dass das Fenster für die motorische Rehabilitation somit geschlossen war.

Im zweiten Teil des Versuches lösten die Forscher bei den so vorgeschädigten Mäusen wieder einen Schlaganfall in derselben Hirnregion aus. Diesmal begannen die Mäuse jedoch, einen Tag nach dem Insult zu trainieren. Die Tiere erholten sich überraschender­weise nach dem zweiten Insult wesentlich schneller und waren nach neun Tagen sogar wieder in der Lage, nach dem Futter zu greifen – sie waren also nach dem zweiten Insult leistungsfähiger als nach dem ersten.

Die Forscher betonen, dass es nicht das Ziel ist, menschliche Patienten durch iatrogene Schlaganfälle zu therapieren. Der Versuch zeige jedoch, dass es im Umfeld eines Hirninsults offensichtlich Bedingungen ergebe, die das Wiedererlernen motorischer Fähigkeiten möglicherweise erleichtern. Es lohne sich daher, den zugrunde liegenden Mechanismus hinter dieser Beobachtung weiter zu erforschen.

© hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.09.17
Bessere Diagnose und gezieltere Therapie von Bewegungsstörungen nach Schlaganfall
München – Nach einem Schlaganfall können viele Patienten einfache Alltagsgegenstände und Werkzeuge nur eingeschränkt mit den Händen greifen oder halten. Grund dafür sind bekanntlich Schädigungen im......
01.09.17
Brain-Compu­ter-Interface möglicherweise hilfreich in der Schlaganfall­rehabilitation
Adelaide – Ein Brain-Computer-Interface könnte dabei helfen, auch bei älteren Schlaganfällen die motorische Funktion über eine Aktivierung von sensomotorischen Schleifen zu verbessern. Entsprechende......
29.08.17
Implantierter Herzmonitor erkennt Vorhofflimmern
New York – Ein daumengroßer Herzmonitor, der unter die Haut implantiert wird und bis zu drei Jahre lang die Herzaktivität aufzeichnet, erkennt häufig Episoden des Vorhofflimmerns, die beim......
25.08.17
Crystal Meth kann Schlaganfall bei jüngeren Menschen auslösen
Sydney – Jüngere Konsumenten der Droge „Crystal Meth“, die Blutdruck und Herzfrequenz stark ansteigen lässt, haben offenbar ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, wobei nach Einschätzung von Experten im......
18.08.17
TAVI: Filtersystem reduziert Schlaganfälle bei OP um 70 Prozent
Ulm – Tritt während einer OP am Herzen ein Schlaganfall auf, bedeutet das für den Patienten häufig Invalidität oder gar den Tod. Verwenden Mediziner während einer......
08.08.17
Schlaganfall bei Jüngeren: Ursache häufig nicht bekannt
Köln – Schlaganfälle, für die sich keine definitiven Ursachen finden lassen, machen bis zu 50 Prozent der juvenilen Schlaganfälle aus. Grundsätzlich ist beim juvenilen Schlaganfall das......
24.07.17
Schlaganfall: Frühe Komplikationen erhöhen die Überlebenschancen
Toronto – Eine Sekundärprävention sollte auch bei kleinen Schlaganfällen (transient, ischämische Attacke, TIA) erfolgen, wenn in den ersten 90 Tagen nach dem Vorfall keine Komplikationen auftreten.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige