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Medizin

Erfolge und Risiken der Adipositas-Chirurgie bei Jugendlichen

Sonntag, 17. Januar 2016

Cincinnati - Bariatrische Operationen werden in den USA zunehmend auch bei Teen­agern durchgeführt. Eine prospektive Beobachtungsstudie im New England Journal of Medicine (2016; 374:113-123) attestiert den Eingriffen eine hohe Erfolgsrate. Es wurden jedoch relativ häufig Nachoperationen notwendig und jeder zweite Patient entwickelte später einen Eisenmangel.

Ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in den USA ist übergewichtig oder adipös. Jeder achte ist mit einem Body-Mass-Index oberhalb der 97. Perzentile sogar morbid adipös. Eine Lebensstilmodifikation erzielt bei Jugendlichen selten einen Erfolg, Medikamente zur Reduktion des Körpergewichts sind mit Ausnahme von Orlistat nicht zugelassen und ihre Wirkung würde bei den meisten das Körpergewicht nur um wenige Kilogramm reduzieren. Immer mehr Jugendliche unterziehen sich deshalb einer bariatrischen Operation. 

Die Teen-Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery study (Teen-LABS) begleitet eine Gruppe von Heranwachsenden im Alter von 13 bis 19 Jahren, bei denen zwischen März 2007 und Februar 2012 eine bariatrische Operation durchgeführt wurde. Bei 67 Patienten war diese eine Sleeve-Gastrektomie, die den Magen auf einen schmalen Schlauch verkleinert. Bei 161 wurde eine Roux-en-Y-Operation durchgeführt. Sie besteht neben einer Magenverkleinerung auch aus einer Verkürzung der Resorp­tionsstrecke im oberen Dünndarm.

Wie Thomas Inge vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center und Mitarbeiter jetzt berichten, hat die Operation bei den meisten Patienten ihr Ziel erreicht: Im Mittel drei Jahre nach der Operation hatten die Kinder nicht weniger als 41 kg abgenommen (von 149 auf 108 kg), wobei die Gewichtsabnahme nach dem Roux-en-Y-Bypass (minus 42 kg) erwartungsgemäß deutlicher ausfiel als nach der weniger eingreifenden Sleeve-Gastrektomie (minus 38 kg).

Auch aus medizinischer Sicht waren die Operationen ein Erfolg: bei 84 von 128 Patienten besserten sich die Lipidwerte, bei 56 von 76 Patienten normalisierte sich der Blutdruck, bei 19 von 22 Patienten erholte sich die Nierenfunktion, bei 19 von 20 Patienten wurde ein Typ 2-Diabetes und bei 13 von 17 Patienten ein Prädiabetes kuriert.

Die bariatrische Operation war jedoch nicht ohne Risiken: 13 Prozent der Patienten mussten in der Folge teilweise mehrfach nachoperiert werden, weil es zu Strikturen oder anderen Komplikationen gekommen war. Es kam sogar zu einem Todesfall, der aber nicht unbedingt mit der Operation in Verbindung gebracht werden kann kann: Ein Kind mit Typ 1-Diabetes starb 3,3 Jahre nach der Operation an den Folgen einer Hypoglykämie.

Alle Patienten sind seit der Operation in medizinischer Betreuung. Alle erhalten laut Inge Supplemente mit Multivitaminen und Spurenelementen. Dennoch kam es bei 57 Prozent der Teilnehmer zu einem Abfall des Ferritins, bei 43 Prozent zu einem Vitamin D-Mangel, bei 16 Prozent zu einem Vitamin A-Mangel und bei 8 Prozent zu einen Vitamin B12-Mangel. Die Nachbeobachtungszeit von 3 Jahren ist angesichts des jungen Alters der Patienten noch relativ kurz, um die langfristigen Folgen der Operation beurteilen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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