Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Weniger Meldungen wegen vermuteter Behandlungsfehler

Montag, 18. Januar 2016

Hamburg – 2014 haben sich 3.275 Versicherte bei der Techniker-Krankenkasse (TK) wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers gemeldet. Im Jahr zuvor waren es noch 4.200 gewesen. Ein Schwerpunkt der Meldungen lag im chirurgischen Bereich – hier wurden der Kasse 1.204 Fälle gemeldet. Auf Platz zwei landeten die Zahnmediziner mit 387 Verdachtsfällen, gefolgt von den Orthopäden (194 Verdachtsfälle) und den Allge­mein­medizinern (192 Verdachtsfälle).

„Längst nicht jeder Verdachtsfall entpuppt sich tatsächlich als Fehler. Oftmals handelt es sich um einen schicksalhaften Verlauf, wobei der Unterschied für den Patienten nur schwer erkennbar ist“, sagte Christian Soltau, Medizinrechtsexperte bei der TK. Allerdings gehe die Kasse auch davon aus, dass die Dunkelziffer bei den vermuteten Behandlungsfehlern noch höher liege „weil viele nicht wissen, an wen sie sich wenden können“, so Soltau. Die Kasse empfiehlt Patienten, die befürchten, dass ihrem Arzt Fehler unterlaufen sind, diesen zunächst direkt darauf ansprechen.

Eine wichtige Anlaufstelle bei vermuteten Behandlungsfehlern sind die Gutachter­kommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungs­stellen der Bundes­ärzte­kammer, wies im vergangenen Sommer auf speziellen Risikokonstellationen im Gesundheitswesen hin. „Ärzte und Pflegekräfte arbeiten am Limit – und manchmal auch ein Stück darüber hinaus“, sagte Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2014.

So sei die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland zwischen den Jahren 2004 und 2013 um 157 Millionen auf fast 700 Millionen angestiegen. Die Zahl der stationären Fälle erhöhte sich zwischen 2004 und 2012 um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen. „Die Zahl der festgestellten Fehler liegt im Vergleich zu der Gesamtzahl der ambulanten und stationären Behandlungsfälle im Promillebereich“, so Crusius. Gleich­wohl sei jeder Fehler einer zu viel: „Wir sorgen für einen transparenten Umgang mit Behandlungsfehlern. Und wir sind uns unserer Verantwortung darüber bewusst, dass den betroffenen Patienten schnell und professionell geholfen werden muss – medizinisch, seelisch und mitunter auch rechtlich“, so Crusius.

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Kammern haben im Jahr 2014 bundesweit insgesamt 7.751 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen. Danach lag in 2.252 Fällen ein Behandlungsfehler vor. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.09.17
Versicherte bauen bei Behandlungsfehlern auf Unterstützung der Krankenkasse
Berlin – Mehr als die Hälfte der gesetzlich Krankenversicherten wissen, dass sie bei potenziellen Behandlungsfehlern sich an ihre Krankenkasse wenden können. Das ist das Ergebnis einer Onlineumfrage......
13.09.17
Fehlervermeidung: Piloten trainieren Ärzte
Frankfurt am Main – Piloten der Lufthansa schulen künftig Ärzte und Pfleger der Kliniken der gesetzlichen Unfallversicherung (BG Kliniken). Erfahrungen aus der Luftfahrt sollen Medizinern helfen,......
04.09.17
Krankenhäuser brauchen eine Vertrauenskultur
Frankfurt – Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat einen „Klimawechsel“ an deutschen Krankenhäusern gefordert. Es müsse „eine Stimmung herrschen, in der sich jeder trauen kann und verantwortlich......
01.09.17
Geburtsfehler: Klinik muss über eine halbe Million Euro bezahlen
Offenburg – Wegen schwerer Behandlungsfehler bei einer Frühgeburt müssen das Ortenau-Klinikum in Lahr und ein Arzt mehr als eine halbe Million Euro Schmerzensgeld bezahlen. Eine heute schwerbehinderte......
29.08.17
Patientenbeauftragte mahnt, Meldesystem an Krankenhäusern konsequent zu nutzen
Berlin – Angesichts der Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. hat die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach ein besseres vertrauliches Meldesystem in Krankenhäusern......
14.08.17
Patienten haben keinen generellen Auskunftsanspruch auf Arztdaten
Hamm – Ein Patient kann von einem Krankenhaus zwar die Herausgabe aller Behandlungsunterlagen verlangen, Namen und Anschriften der behandelnden Ärzte muss die Klinik aber nur dann mitteilen, wenn der......
26.06.17
Behandlungsfehler: Entschädigungsfonds findet Anklang bei der CSU
Berlin – In der SPD gibt es schon seit langem Forderungen nach einem Entschädigungsfonds für die Opfer von Behandlungsfehlern. Bislang fand diese Idee aber keine Mehrheiten. Das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige