NewsPolitikRegierung will beim AMNOG nachjustieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Regierung will beim AMNOG nachjustieren

Dienstag, 19. Januar 2016

dpa

Berlin – Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich hat angekündigt, dass die Bundesregierung Regelungen des Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetzes (AMNOG) nachjustieren will. „In den Jahren 2009 bis 2013 hat sich die Politik intensiv um den Arzneimittelbereich gekümmert“, sagte er am letzten Freitag auf dem Wissenschaft­lichen Symposium „Arzneimittelinnovationen“ der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen in Berlin. „In dieser Legislaturperiode waren wir bislang eher zurückhaltend. Sie können aber sicher sein, dass das Thema nach Abschluss des Pharmadialogs in den Mittelpunkt rücken wird.“

Im Rahmen des Pharmadialogs sprechen Vertreter von Politik, Wissenschaft und Arzneimittelindustrie über aktuelle Themen aus diesem Bereich, wie Lieferengpässe und Antibiotikaresistenzen. Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf dieses Forum geeinigt, um den Pharmastandort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwick­lung und Produktion zu stärken, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Anzeige

Handlungsbedarf sieht Hennrich bei der Frage: „Wie können wir bei Arzneimitteln zur Behandlung chronischer Erkrankungen einen Zusatznutzen feststellen?“ Konkret gehe es dabei darum, in den Studiendesigns die richtigen patientenrelevanten Endpunkte festzulegen. „Ich weiß aber nicht, ob das ein Thema ist, das wir als Gesetzgeber regulieren können oder ob das zwischen dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) und dem Institut für Qualität und  Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen geregelt werden muss“, so Hennrich.

Zudem denke die Regierung darüber nach, wie die „unglaubliche Entwicklung“ in der Onkologie auf Dauer finanziert werden könne. „Es stellt sich die Frage, ob wir die Versorgung mit solchen Arzneimittel wie bisher stattfinden lassen können, oder ob wir darüber nachdenken müssen, dass die Versorgung mit innovativen und komplexen Produkten in speziellen Zentren stattfindet“, sagte Hennrich.

<b>Sind 6 Monate Lebenszeit</b> 80.000 Euro wert? Start

Video

Sind 6 Monate Lebenszeit 80.000 Euro wert?

Ein weiteres Problem sei, dass die Bewertungen neuer Arzneimittel durch den Gemein­samen Bundes­aus­schuss häufig gar nicht beim einzelnen Arzt ankämen. „Es wird uns vorgetragen, dass die Versorgung mit Innovationen teilweise durch regionale Verein­barungen von Ärzten und Krankenkassen verschlechtert wird“, sagte Hennrich. Hier überlege der Gesetzgeber derzeit, ob er darauf reagieren solle. Im Versorgungs­stärkungsgesetz „haben wir das Thema Wirtschaftlichkeit regionalisiert“, so der Arzneimittelexperte. Die Frage stelle sich nun, „ob wir das doch wieder zurückholen“.

In diesem Zusammenhang „werden wir uns auch mit der Frage auseinandersetzen, wie wir die Themen IT und Arzneimittelversorgung vernünftig zusammenbringen“. Hennrich sprach sich dafür aus, „dass die Praxissoftware dem Arzt künftig anzeigt, ob das neue Arzneimittel, das er verordnet, wirtschaftlich ist oder nicht.“

Darüber hinaus beschäftige sich die Politik auch damit, „wie wir eine Versorgungs­forschung organisieren können, die weitere Evidenz zu den neuen Arzneimitteln generiert“. Eine Möglichkeit könnten dabei Register sein. „Damit können wir Innovationen auch langfristig im System beobachten“, sagte Hennrich.

Arzneimittelpreise: Innovationen werden immer teurer

2014 kamen 46 Arzneimittelwirkstoffe neu auf den deutschen Markt – ein Rekord. Rekordverdächtig ist auch, dass bei acht Wirkstoffen eine Packung mehr als 10 000 Euro kostet. Der Trend zu immer höheren Preisen für neue Medikamente hält an. Hepatitis C – die Diagnose erhielt Petra Katschinski (46) Anfang der 1990er-Jahre.

Derzeit bildet der G-BA bei der Bewertung des Zusatznutzens in manchen Fällen Subpopulationen. Für die Behandlung von Patienten mit einem bestimmten Genotyp erhalten neue Arzneimittel dann einen Zusatznutzen, für die Behandlung anderer Patienten nicht. Der Preis des Arzneimittels ist über alle Gruppen hinweg derselbe. Der GKV-Spitzenverband kritisiert diese Regelung seit langem. Hennrich stellte nun die Frage, ob es gestaffelte Preise für die Behandlung einzelner Subgruppen geben solle.

Darüber hinaus sieht der CDU-Politiker im Arzneimittelbereich kaum Handlungsbedarf. Bei den Rabattverträgen bestehe ein solcher zum Beispiel nicht. Es gebe keinen Mehrwert, wenn die Politik in diesem Bereich noch nachreguliere.

„Bei den Festbeträgen werden wir noch einmal nachdenken, ob wir in dem einen oder anderen Punkt nachjustieren werden“, so Hennrich weiter. Dabei könne es um Arzneimittel gehen, die eine therapeutische Verbesserung bringen, ohne einen Zusatznutzen zu haben, zum Beispiel um Kinderarzneimittel oder Medikamente für ältere Menschen. Das sei aber nur ein kleiner Aspekt. 

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Hamburg – Die Kosten für neu zugelassene Arzneimittel haben sich in den letzten zehn Jahre nahezu vervierfacht. Lagen die durchschnittlichen Kosten für neu auf den Markt gekommene Medikamente im Jahr
Preise neuer Arzneimittel steigen auf Rekordniveau
15. September 2020
Berlin - Die Kosten für Arzneimittel, die neu auf den Markt kommen, steigen drastisch – bei oft nur mäßigem Innovationsgrad. So lautet das Fazit des diesjährigen Innovationsreports der Techniker
TK plädiert für neue Preisfindungsmodelle im Arzneimittelbereich
16. Juli 2020
Berlin – Die Kosten der patentgeschützten Arzneimittel haben im Jahr 2019 mit 21 Milliarden Euro erneut einen Höchststand erreicht. Damit entfiel nahezu die Hälfte der Arzneimittelkosten der
Patentarzneimittel: WIdO kritisiert hohe Gewinnspannen der Pharmaunternehmen
15. Juli 2020
Brüssel – Der Krebsmedikamente-Hersteller Aspen hat unter Druck der europäischen Wettbewerbshüter angeboten, die Preise für sechs wichtige Arzneien deutlich zu senken. Das Angebot sehe einen
Wichtige Krebsmedikamente sollen günstiger werden
30. Juni 2020
Foster City/Kalifornien – Der Hersteller Gilead hat den Preis für Remdesivir bekannt gegeben. Das erste Virustatikum, für das in klinischen Studien eine – wenn auch begrenzte – Wirksamkeit gezeigt
Hersteller nennt Preise für Remdesivir in den USA
10. März 2020
Berlin – Der bestehende Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen bei der Verordnung von medizinischem Cannabis sollte abgeschafft werden. Dafür machen sich die Grünen im Bundestag anlässlich des
Grüne für Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts bei medizinischem Cannabis
17. Februar 2020
Berlin – Mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) haben heute weitere Ärzte auf das Vorgehen von Avexis (Novartis) im Rahmen eines globalen
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER