Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenkassen und Pharmaindustrie streiten über Arzneimittelpreise

Mittwoch, 20. Januar 2016

Berlin – Reformen bei den Arzneimittelausgaben fordert der Verband der Ersatzkassen (vdek). 2014 seien die Ausgaben um zehn Prozent auf 33,4 Milliarden Euro gestiegen, im Jahr 2015 um etwa 4,5 Prozent. „Insgesamt muss die gesetzliche Kranken­versicherung 17 Prozent ihrer Gesamtausgaben für Arzneimittel ausgeben, mit steigender Tendenz“, sagte die Vorstandsvorsitzende des vdek, Ulrike Elsner.

Problematisch sei insbesondere die Kostenentwicklung bei neuen patentgeschützten Arzneimitteln, wie sich am Beispiel der neuen Hepatitis-C-Medikamente wie Sovaldi gezeigt habe. Allein im Jahr 2015 habe die GKV für diese neuen Medikamente 1,4 Milliarden Euro bezahlt. Ein Jahr lang könnten die Hersteller nach derzeitigem Recht ihren Preis frei bestimmen, bevor es zu einer Absenkung der Marktpreise komme. „Der mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelte Preis muss künftig rückwirkend zur Markteinführung gelten“, erklärte Elsner

Außerdem sollte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) künftig auch Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen, sogenannte orphan drugs, einer Nutzenbewertung unterziehen. Für diese Medikamente gilt der Zusatznutzen nach heutiger Gesetzeslage bereits durch die Zulassung als belegt. Die Industrie bezeichne daher immer mehr Medikamente als orphan drugs.

Der vdek fordert zudem mehr Transparenz: „Wir wissen heute nicht, auf welcher Basis die Pharmahersteller ihre Preise überhaupt kalkulieren, machen aber die Beobachtung, dass alles teurer wird. Innovationen haben ihren Preis, aber wir wollen einen Nachweis über die angeblich hohen Forschungskosten“, sagte Elsner. Die Ärzte forderte sie auf, stärker auf die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung zurückzugreifen. „Es werden immer noch zu viele Medikamente verordnet, bei denen der Zusatznutzen gar nicht erwiesen war“, kritisierte sie.

Dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zufolge  konterkarieren die Reformvorschläge des vdek den ursprünglichen Geist des Arzneimittelmarkt-Neuordnungs­gesetzes (AMNOG). „Die Mütter und Väter des AMNOG hatten vor allem im Sinn, die Versorgung mit Innovationen zu verbessern“, sagte der BPI-Haupt­geschäfts­führer Henning Fahrenkamp. Der vdek hingegen wolle das Gesetz offensichtlich aushöhlen, bis es zu einem reinen Kostendämpfungsinstrument geworden sei, kritisierte Fahrenkamp.

Allerdings ist das AMNOG auch aus Sicht der Industrie überarbeitungsbedürftig: Dabei sollte es laut dem BPI aber nicht um Kostendämpfung gehen, sondern darum, die Patienten besser als bisher mit Innovationen zu versorgen. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.09.17
Marktanalyse: Moderater Anstieg des Arzneimittelumsatzes im ersten Halbjahr
Berlin – Der Umsatz von Arzneimitteln auf dem deutschen Apothekenmarkt ist im ersten Halbjahr 2017 um 3,5 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus Analysen des......
14.09.17
Kassen sparen jährlich Milliarden durch Arzneimittel-Fest­beträge
Berlin – Die Krankenkassen sparen durch Arzneimittel-Festbeträge pro Jahr rund 7,8 Milliarden Euro. Darauf hat heute der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) anlässlich einer Jahresbilanz zu den......
12.09.17
Entwicklung neuer Krebsmedikamente günstiger als behauptet
New York – Die Entwicklung eines neuen Krebsmedikaments kostet nicht 2,7 Milliarden US-Dollar, wie Lobbyisten dem US-Präsidenten kürzlich versicherten, sondern „nur“ etwa 650 Millionen. Der......
11.09.17
Preisbindung für Arzneimittel gilt uneingeschränkt
Münster – Apotheker dürfen ihren Kunden beim Kauf von preisgebundenen Medikamenten keinen Gutschein schenken. Das gilt auch für eine Kuschelsocke, in der ein Verstoß gegen die Preisbindung bei......
25.07.17
Hepatitis-C-Medika­mente: Pharmaverband kritisiert Prognosen zum Kostenanstieg
Berlin – Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Birgit Fischer, hat die Ausgabenprognosen kritisiert, die vor der Einführung der neuen......
06.07.17
Wie die Monopolbildung die Preise für Generika in die Höhe treibt
Gainesville/Florida – Nicht nur Originalpräparate belasten das Budget der Krankenkassen. Auch bei Generika kann es zu deutlichen Preissteigerungen kommen, wenn die Zahl der Anbieter sinkt. Eine Studie......
29.06.17
Arzneimittelpreise: Ärzte und Industrie sehen Gesetzgeber in der Verantwortung
Berlin – Nach dem gestrigen Urteil des Landessozialgerichtes (LSG) Berlin-Brandenburg zu Mischpreisen bei neuen Arzneimitteln haben Ärzte und Arzneimittelhersteller rechtliche Klarheit gefordert. Das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige