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Politik

Krankenkassen und Pharmaindustrie streiten über Arzneimittelpreise

Mittwoch, 20. Januar 2016

Berlin – Reformen bei den Arzneimittelausgaben fordert der Verband der Ersatzkassen (vdek). 2014 seien die Ausgaben um zehn Prozent auf 33,4 Milliarden Euro gestiegen, im Jahr 2015 um etwa 4,5 Prozent. „Insgesamt muss die gesetzliche Kranken­versicherung 17 Prozent ihrer Gesamtausgaben für Arzneimittel ausgeben, mit steigender Tendenz“, sagte die Vorstandsvorsitzende des vdek, Ulrike Elsner.

Problematisch sei insbesondere die Kostenentwicklung bei neuen patentgeschützten Arzneimitteln, wie sich am Beispiel der neuen Hepatitis-C-Medikamente wie Sovaldi gezeigt habe. Allein im Jahr 2015 habe die GKV für diese neuen Medikamente 1,4 Milliarden Euro bezahlt. Ein Jahr lang könnten die Hersteller nach derzeitigem Recht ihren Preis frei bestimmen, bevor es zu einer Absenkung der Marktpreise komme. „Der mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelte Preis muss künftig rückwirkend zur Markteinführung gelten“, erklärte Elsner

Außerdem sollte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) künftig auch Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen, sogenannte orphan drugs, einer Nutzenbewertung unterziehen. Für diese Medikamente gilt der Zusatznutzen nach heutiger Gesetzeslage bereits durch die Zulassung als belegt. Die Industrie bezeichne daher immer mehr Medikamente als orphan drugs.

Der vdek fordert zudem mehr Transparenz: „Wir wissen heute nicht, auf welcher Basis die Pharmahersteller ihre Preise überhaupt kalkulieren, machen aber die Beobachtung, dass alles teurer wird. Innovationen haben ihren Preis, aber wir wollen einen Nachweis über die angeblich hohen Forschungskosten“, sagte Elsner. Die Ärzte forderte sie auf, stärker auf die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung zurückzugreifen. „Es werden immer noch zu viele Medikamente verordnet, bei denen der Zusatznutzen gar nicht erwiesen war“, kritisierte sie.

Dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zufolge  konterkarieren die Reformvorschläge des vdek den ursprünglichen Geist des Arzneimittelmarkt-Neuordnungs­gesetzes (AMNOG). „Die Mütter und Väter des AMNOG hatten vor allem im Sinn, die Versorgung mit Innovationen zu verbessern“, sagte der BPI-Haupt­geschäfts­führer Henning Fahrenkamp. Der vdek hingegen wolle das Gesetz offensichtlich aushöhlen, bis es zu einem reinen Kostendämpfungsinstrument geworden sei, kritisierte Fahrenkamp.

Allerdings ist das AMNOG auch aus Sicht der Industrie überarbeitungsbedürftig: Dabei sollte es laut dem BPI aber nicht um Kostendämpfung gehen, sondern darum, die Patienten besser als bisher mit Innovationen zu versorgen. © hil/aerzteblatt.de

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