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Medizin

Die meisten Todesfälle von Kindern und Jugendlichen wären vermeidbar

Montag, 25. Januar 2016

dpa

Seattle – Weltweit sterben jedes Jahr fast 8 Millionen Menschen vor Erreichen des Erwachsenenalters. Die meisten Todesfälle wären laut einer Analyse der „Global Burden of Disease 2013“-Studie vermeidbar. Sie wurde jetzt in JAMA Pediatriacs (2016; doi: 10.1001/jamapediatrics.2015.4276) veröffentlicht.

Die von der Bill and Melinda Gates Foundation gesponserte Global Burden of Disease Study hat sich zum Ziel gesetzt, den Krankenstand der Weltbevölkerung zu vermessen. Nachdem in den letzten Jahren bereits mehrere Publikationen zu Erkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter veröffentlicht wurden, hat sich ein Team um Theo Vos jetzt den Erkrankungen und Todesfällen im Kindes- und Jugendalter angenommen.

Die Datenerhebung war dieses Mal besonders schwer, da viele Länder keine Statistiken führen. Länder wie Nigeria und Angola, in denen besonders viele Kinder und Jugend­liche sterben, erfassen weniger als 10 Prozent aller Todesfälle. Auch der Rückgriff auf Feldstudien, die stichprobenartig Daten erheben, führt oft nicht weiter. In Guatemala, wo derzeit aufgrund einer politischen Krise viele Kinder unterernährt sind, wurde zwischen 1999 und 2015 keine einzige Gesundheitserhebung durchgeführt. Die von Vos ermittelten schätzungsweise 7,7 Millionen Todesfälle sind deshalb lückenhaft, die Daten zeigen aber, wie unterschiedlich die Lage von Kindern und Jugendlichen weltweit ist.

Dies betrifft bereits die ersten fünf Lebensjahre, auf die 6,3 der 7,7 Millionen Todesfälle entfallen. Global gesehen sind fünf Erkrankungen für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich: Dies sind untere Atemwegsinfektionen (905.059 Todesfälle) Frühgeburten (742.381), Hirnschäden nach Geburtstrauma und Asphyxie (643.765), Malaria (586.844) und Durchfallerkrankungen (519.666). In entwickelten Ländern wie Deutschland spielen nur zwei, nämlich Frühgeburten und Geburtskomplikationen eine Rolle und die Häufigkeit ist hier weitaus geringer als in den ärmeren Ländern.

Infektionserkrankungen gehören auch in der Altersgruppe von 5 bis 9 Jahren, in der 2013 fast eine halbe Million Kinder starben, zu den zu häufigsten Todesursachen: Dies waren Durchfallerkrankungen (38.325 Todesfälle), gefolgt von Infektionen der unteren Atemwege (37.431), Verkehrsunfälle (36.577), Darminfektionen (vor allem Ty phus und Paratyphus) (36.110) und Malaria (35.212 Tote).

Auffällig ist hier der hohe Anteil von Verkehrstodesfällen. Sie treten vor allem in Schwellenländern von Argentinien bis Vietnam häufig auf, in denen der Grad der Motorisierung in den letzten Jahren stark zugenommen hat, die Verkehrssicherheit jedoch mangelhaft ist und auch die Versorgung von Unfallopfern Lücken aufweist.

Verkehrsunfälle sind bei Jugendlichen (Alter von 10 bis 19 Jahre) sogar global gesehen die häufigste Ursache (mit 115.186 Todesfällen), gefolgt von HIV/AIDS (75.564), Selbstverletzungen (59.114), Ertrinken (51.013) und erneut Darminfektionen (44.171 Todesfälle). Die Suizidalität im Jugendalter lässt sich nach Ansicht von Vos häufig durch einfache Maßnahmen senken.

Sri Lanka und Südkorea hätten beispielsweise gute Erfahrungen durch eine Einschränkung im Zugriff auf Pestizide gemacht, die dort in der Vergangenheit häufig von Jugendlichen zur Selbsttötung verwendet wurden. Ertrinken ist weiterhin ein Problem in ländlichen Regionen, in denen Gewässer in der Nähe von Ortschaften oft ungesichert sind und es nicht genügend Rettungswesten gibt.

In den meisten Ländern ist die Sterberate seit der letzten Untersuchung der WHO aus dem Jahr 1990 deutlich zurückgegangen. Der Oman, China und die Malediven verzeichneten beispielsweise einen jährlichen Rückgang um 5,6 Prozent in den führenden Todesursachen. In anderen Ländern wie Vanuatu, Fidschi, Swasiland, Lesotho und Simbabwe hat es kaum Besserung oder sogar einen Anstieg gegeben.

Besonders ungünstig scheint die Entwicklung in Nigeria zu sein. Auf das bevöl­kerungsreichste Land in Afrika entfallen 12 Prozent aller Todesfälle an unteren Atemwegsinfektionenen und 38 Prozent aller Malariatodesfälle. Zusammen mit Indien, der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan und Äthiopien gehört Nigeria zu fünf Ländern, in denen die Hälfte aller Todesfälle durch Durchfallerkrankungen auftreten. © rme/aerzteblatt.de

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