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Politik

Schockbilder auf Zigarettenpackungen sollen erst später kommen

Freitag, 29. Januar 2016

dpa

Berlin – Der Bundesrat will die Frist verlängern, bis auf Zigarettenpackungen ab­schreckende Bilder aufgedruckt werden müssen. Eine entsprechende Stellungnahme beschloss die Mehrheit der Länder am Freitag zu den Gesetzesplänen der Bundes­regierung. Demnach soll die Neuregelung ab Mai 2016 gelten. Der Bundesrat will eine 15 Monate längere Übergangsfrist erreichen.

Begründet wurde dies mit Problemen für die Tabakwirtschaft, ohne Verlängerung eine fristgerechte Umsetzung zu erreichen. Erforderlich sei dafür die Umstellung von Verpackungsmaschinen, auch müssten zunächst Altbestände abverkauft werden. Klarere Begriffsbestimmungen werden zudem bei neuartigen Produkten wie E-Zigaretten verlangt.

Der Gesetzentwurf sieht Schockbilder etwa von einem verfaulten Fuß oder einer schwarzen Raucherlunge auf Zigarettenpackungen vor. Außerdem müssen dem Entwurf zufolge 65 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packungen von Warnhinweisen wie „Rauchen tötet” bedeckt sein. Das gleiche gilt für Zigaretten-Feinschnitt und Wasserpfeifen-Tabak, der vor allem bei Jugendlichen beliebt ist. Solche Warnhinweise gibt es zwar bereits, sie sind aber wesentlich kleiner.

Die Bundes­ärzte­kammer hatte die Warnhinweise ausdrücklich begrüßt. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der Bundes­ärzte­kammer sagte MItte Januar: „Noch immer tötet Tabakkonsum viel zu viele Menschen. Es muss alles unternommen werden, um jeden über die lebensgefährlichen Risiken zu informieren.“

Zudem wird erstmals wird außerdem der Handel mit nikotinhaltigen elektronischen Zigaretten und Nachfüllbehältern geregelt. Für sie gelten dann weitgehend die gleichen Werbe­beschränkungen, wie sie für andere Tabakerzeugnisse bereits bestehen. Bislang gab es für E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen eine nikotinhaltige oder nikotinfreie Flüssigkeit verdampft und vom Konsumenten inhaliert wird, keine spezifischen Regelungen.

Verboten ist Tabakwerbung in der Presse und in anderen gedruckten Veröffent­lichungen sowie im Internet, im Hörfunk und Fernsehen. Tabakunternehmen dürfen außerdem keine Hörfunkprogramme, Veranstaltungen oder Aktivitäten sponsern, die grenzüberschreitende Wirkung haben. Das Verbot betrifft auch audiovisuelle Mediendienste und Sendungen, die vom Fernsehen ausgestrahlt werden. Mit dem Gesetz soll eine EU-Richtlinie umgesetzt werden.

© afp/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 2. Februar 2016, 22:51

Der Ton macht die Musik

Die Grundidee mit Schockbildern ist ja nicht schlecht, nur was soll sie bewirken? Zielt diese Kampagne ab auf die Einsteiger oder auf die Süchtigen?

Die Raucher, die ich kenne, lassen sich von solchen Bildern nicht abschrecken. Sie kennen alle die Gefahren und sind alle sehr erfolgreich beim Verdrängen. Und wenn die Schockbilder zu nervig werden, dann dann werden sie eher ein Etui kaufen, um die Packung darin zu verstecken als daß sie deshalb weniger rauchen. Nach meiner Erfahrung kann ein Raucher nur durch einen ernsthaften Konflikt mit der Lebensrealität dazu gebracht werden, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei Frauen kann dies eine geplante Schwangerschaft sein, bei Männern die erste Herzattacke.

Auf der anderen Seite ist es einem 15-jährigen Jugendlichen egal, ob er in 30 Jahren an Krebs sterben wird, in diesem Alter ist das einfach unendlich weit weg. Diese Bilder werden eher Neugier erregen und einen Wettstreit auslösen, wer hat die gruseligste Packung in seiner Sammlung. Da muß sich der Lungenkrebs gegen das Raucherbein behaupten.

Wenn eine derartige Kampagne Erfolg haben soll, dann sollte sie andere Prioritäten setzen. Ziel sollten die Einsteiger sein. Und bei denen nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Eitelkeit und das Sozialgefühl. Früher war der Marlboro-Mann das Synonym für Freiheit und Überlegenheit. Eine erfolgreiche Kampagne sollte das Gegenteil vermitteln, Raucher, das sind die Verlierer, diejenigen die vorschnell altern, die häßliche Zähne haben, die schon mit 50 einen Rollator brauchen.

Und ein Problem können diese Schockbilder nicht lösen, die Zigarette als soziales Bindemittel. Wer mit der Zigarette an der Tür steht, braucht niemandem zu erklären, was er da tut. Er ist einfach da und kann sich mit seinen Mitmenschen unterhalten. Wenn ich in meiner Mittagspause das Gebäude verlasse, muß ich regelmäßig an Gruppen von Rauchern vorbei. Und so ganz nebenbei, wenn die geplanten Schockbilder wirklich die Umsätze der Tabakindustrie gefährden würden, dann wäre der Protest der Tabakindustrie noch viel heftiger ausgefallen.
lupus1955
am Sonntag, 31. Januar 2016, 13:48

Schockbilder auf Zigarettenpackungen sollen erst später kommen

Ich kann nur hoffen, dass Legislative und Bundesrat auch mit anderen derart viel Mitgefühl zeigen. Meines Wissens liegt der Beschluss schon länger zurück, wer dann die Papierlager vorsorglich gefüllt hält, hat Pech gehabt.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 30. Januar 2016, 14:46

Verrückte Welt!

Da werden bundesweit Razzien durchgeführt, weil die Spielautomaten-Industrie "Tomaten auf den Augen" hat, Manipulations- und Fälschungs-sichere Software zu entwickeln bzw. Betrügern freien Raum lässt. Da darf ein Weltkonzern wie Volkswagen ("Das Auto"), der offenkundig vorsätzlich betrügerische Software zur Abgas-Manipulation ("Schummel-Software") eingebaut hat, sich hierzulande alle Zeit der Welt nehmen, um den Schaden klein zu reden bzw. irgendwann einmal entschägigungslos zu reparieren.

Und die arme, notleidende Tabakindustrie, die globale Werbekampagnen innerhalb von Wochen aus dem Boden stampfen kann, bekommt auf Wunsch des Bundesrates eine 15 Monate längere Übergangsfrist.

Angeblich gebe es Probleme für die Tabakwirtschaft, ohne Verlängerung eine fristgerechte Umsetzung zu erreichen. Erforderlich sei dafür die Umstellung von Verpackungsmaschinen, auch müssten zunächst Altbestände abverkauft werden?

Und wann kommen dann Bilder von Leberzirrhose und Ösophagusvarizen auf Schnapsflaschen?

Mf+ kG

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