NewsMedizinForscher identifizieren Ursprungszellen von Medulloblastomen der Gruppe vier
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Forscher identifizieren Ursprungszellen von Medulloblastomen der Gruppe vier

Montag, 1. Februar 2016

Heidelberg – Medulloblastome der Gruppe vier, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind, könnten aus einer speziellen Formation von Stammzellen ausgehen, die Forscher jetzt erstmals näher klassifiziert haben. Die Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, dem St. Jude Department of Developmental Neurobiology in Northcott und des Dana-Farber Cancer Institute in Boston konnten anhand der epigenetischen Signatur der Tumoren entsprechende Rückschlüsse ziehen. Stefan Pfister, Paul Northcott, James Bradner und Mitautoren veröffentlichten ihre Ergebnisse in Nature (doi:10.1038/nature16546).

Das Medulloblastom ist einer der häufigsten soliden Tumoren im Kindesalter und der häufigste Hirntumor bei Kindern überhaupt. Der Tumor wächst im Kleinhirn und verursacht unter anderem ataktische Bewegungsstörungen und Hirndruckzeichen.

Medulloblastome werden anhand genetischer Kriterien in die Risikogruppen „WNT“, „SNHH“, sowie die Gruppen drei und vier unterteilt. Je nach Operabilität und genetischem Profil kann die Prognose günstig sein. Die Gruppen drei und vier haben jedoch häufig eine schlechtere Prognose als die anderen beiden Risikogruppen.

Anzeige

Für Tumoren der Gruppe vier gibt es laut den Wissenschaftlern bisher keine geeigneten Mausmodelle, die eine präklinischen Forschung und Testung von Medikamenten erlauben. Grund hierfür ist unter anderem der unbekannte Ursprung der Tumorzellen. Da die Risikogruppe vier jedoch rund die Hälfte aller Patienten ausmacht, besteht hier dringender Forschungsbedarf, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Die Forscher untersuchten 28 primäre Medulloblastome, die aus allen vier Risiko­gruppen stammten. Zum einen analysierten sie das Genom der Tumoren mit einem speziellen Sequenzierungsverfahren namens „ChIP-seq“. Sie ergänzten ihre Ergebnisse mit Expressionsprofilen der einzelnen Tumoren.

Das „ChIP-Seq-Verfahren“ erlaubt neben der DNA-Analyse einen Einblick in die epigenetische Regulation des Genoms. Unter der Epigenetik verstehen Naturwissenschaftler die temporäre Regulation der Genaktivität, die nicht durch Mutationen verursacht wird. Gene können durch Acetylierung von Histonen verstärkt abgelesen oder durch Methylierung gehemmt werden. Ergänzt wird die Regulation der Genaktivität durch zahlreiche Proteine, die an „Enhancer-„ und „Silencer-„ Abschnitte der DNA binden.

Die Wissenschaftler konnten mit Hilfe der gewonnenen Daten ein umfangreiches genetisches Bild der einzelnen Subgruppen zeichnen. Insgesamt 3.000 „Super-Enhancer“, also Gensequenzen mit besonders großem Verstärkungspotential der Genaktivität, konnten die Forscher identifizieren. Diese Super-Enhancer aktivierten unter anderem typische Tumorgene wie ALK, MYC, SMO und OTX2.

Gruppe-Vier-Tumore zeigten eine besonders starke Expression des Proteins Lmx1A, welches einen dieser Super-Enhancer kontrollierte. Lmx1A ist ein entscheidender Regulationsfaktor während der Embryonalentwicklung und ist in Stammzellen der sogenannten rhombischen Lippe nachweisbar. Aus der rhombischen Lippen gehen später Kleinhirn und Teile des Hirnstamms hervor. Aufgrund der speziellen epigenetischen Signatur der Tumoren vermuten die Forscher hier die Ursprungszellen dieser Medulloblastome.

Die Analyse von Patientenmaterial erlaubte im Rahmen der Studie eine sehr detaillierte Betrachtung der genetischen Regulation von Medulloblastomen. Die häufig im Laboralltag verwendeten Zelllinien ließen dagegen nur eine eingeschränkte Aussage über die Epigenetik der Tumoren zu, berichten die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Juli 2019
Heidelberg – Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg haben ein Enzym identifiziert, das für die gefährlichen Stammzelleigenschaften bei Glioblastomzellen verantwortlich
Spezifisches Enzym von Hirntumor-Stammzellen könnte Therapietarget sein
18. Juli 2019
Berlin – Der Petitionsausschuss des Bundestags hat sich in der letzten Sitzungswoche des Parlaments einstimmig hinter die Forderung einer Petition nach einer staatlichen Finanzierung von klinischen
Petitionsausschuss unterstützt Forderungen nach Forschung bei Methadon in der Krebstherapie
26. Juni 2019
Köln – Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom profitieren von einer Behandlung mit Tumortherapiefeldern zusätzlich zur Standardtherapie. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für
Patienten mit Glioblastom können von Behandlung mit Tumortherapiefeldern profitieren
15. April 2019
Heidelberg – Ein neues Verfahren zur automatisierten Bildanalyse von Hirntumoren haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)
Automatisierte Bildanalyse hilft bei Therapie von Hirntumoren
5. April 2019
Leipzig – Im vergangenen Jahr stand Methadon im Fokus der Diskussion als neue Therapiemöglichkeit beim Glioblastom. Nachdem Münchner wie auch Heidelberger Forscher die Wirkung der Studien aus Ulm in
Methadon zeigt keine Wirkung in neuer Studie mit Hirntumorgewebe
1. April 2019
Heidelberg – Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben drei verschiedene Erbgutveränderungen identifiziert, die die frühe Entwicklung bösartiger Glioblastome antreiben. Die
Glioblastome bestehen bei Diagnose teilweise schon bis zu sieben Jahre
21. März 2019
Athen – Nach instrumentellen Geburten kommen bei den Kindern Hirntumore um ein Vielfaches häufiger vor als bei natürlichen Geburten, die ohne Einsatz von Vakuumsog oder Forzeps bewältigt werden
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER