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Medizin

Ernährung im Schulalter beeinflusst späteres Brustkrebsrisiko

Dienstag, 2. Februar 2016

dpa

Boston – Junge Frauen, die sich während der Schulzeit und im frühen Erwachsenenalter ballaststoffreich ernähren, erkranken einer prospektiven Beobachtungsstudie in Pediatrics (2016; 137: e20151226) zufolge später seltener an Brustkrebs.

Die Beobachtungen nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki und auch die Erfahrungen bei der Behandlung von Hodgkin-Lymphomen zeigen, dass die Brustdrüse in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter sehr anfällig gegenüber krebsauslösenden Impulsen ist.

Zu ihnen gehören neben einer Strahlung auch Östrogene und andere Wachstums­faktoren. Eine faserreiche Ernährung könnte das Brustkrebsrisiko beeinflussen, weil sie zum einen die Insulin-Sensitivität verbessert. Die Folge sind niedrigere Konzentrationen von Insulin und insulinähnlichen Wachstumsfaktoren. Zum anderen könnte eine faser­reiche Ernährung in den enterohepatischen Kreislauf eingreifen, der die wiederholte Ausscheidung von Substanzen in den Darm und ihre anschließende Reabsorption betrifft. Östrogene könnten dabei von Enzymen im Darm abgebaut werden, was die Blutkonzentration und damit das Brustkrebsrisiko senken würde.

Maryam Farvid von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hat hierzu die Daten der Nurses’ Health Study II ausgewertet, die im Alter von 27 bis 44 Jahren mehrmals nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt wurden. Später füllten sie auch einen Fragebogen aus, in dem sie zu ihrer früheren Ernährung während der Highschool-Zeit befragt wurden. Vom Alter her entspricht die Highschool in etwa der Oberstufe an deutschen Gymnasien.

Farvid setzte die Angaben mit den späteren Erkrankungen an Brustkrebs in Beziehung. In beiden Altersstufen war eine ballaststoffreiche Ernährung mit einem niedrigeren Brustkrebsrisiko verbunden. Ein Anstieg des Fasergehalts der Nahrung um 10 Gramm pro Tag war im jungen Erwachsenenalter mit einem um 13 Prozent verminderten Erkrankungsrisiko assoziiert (relatives Risiko RR 0,87; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,80-0,95). Im Adoleszenzalter war das Risiko um 14 Prozent pro 10 Gramm Ballaststoffe am Tag vermindert (RR 0,86; 0,75-0,99).

Verhindert wurden in erster Linien rezeptor-positive Mammakarzinome. Das Risiko sank pro 10 Gramm Ballaststoffe am Tag im frühen Erwachsenenalter um 22 Prozent (RR 0,78; 0,69-0,88) und bei einer Zufuhr im Highschool-Alter um 13 Prozent (RR 0,87; 0,73-1,05). Dies passt zu der Vermutung, dass eine erhöhte Blutkonzentration von Östrogenen zu den Auslösern des späteren Mammakarzinoms gehört. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Sonntag, 14. Februar 2016, 11:21

terrible simplifikation

Die maximale Östrogenausschüttung durch die Schwangerschaft führt bekanntlich zu niedrigerem Brustkrebsrisiko, insbesondere, wenn auch gestillt wird. Nach der Menopause sieht das wieder ganz anders aus.
Allein das Übergewicht erhöht statistisch schon das Brustkrebsrisiko (nicht nur).
Natürlich ist ein erhöhter Insulin-Spiegel schädlich. Hier denke man aber bitte nicht um die Ecke, sondern schlicht an zuviel Zuckerkonsum.
Ballaststoffe sind auch etwas komplexer, denn gerade der Vegetarier-Star Soja enthält Phytoöstrogene.

Statistik ist sicher gut und nützlich, sie ersetzt aber nicht die Kenntnis über kausale Zusammenhänge und führt im Gegenteil ohne diese oft zu falschen Schlüssen, oder gar konkreten Empfehlungen.

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