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Medizin

Zikavirus (erneut) sexuell übertragen

Mittwoch, 3. Februar 2016

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Zikavirus Foto: Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Control and Prevention/dpa dpa

Dallas – Das Zikavirus, das vermutlich auch intrauterin eine Mikrozephalie verursachen und bei Erwachsenen ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann, ist offenbar sexuell übertragbar. Ein Fallbericht aus Texas veranlasst die dortigen Behörden, Rückkehrer aus den Endemie-Regionen Lateinamerikas bei sexuellen Kontakten vorübergehend zur Benutzung von Kondomen zu raten (oder enthaltsam zu leben). Das Ausmaß des Risikos ist unbekannt. In zwei früheren Übertragungsfällen hatten die Männer Blutspuren im Ejakulat bemerkt.

Wie die Dallas County Health and Human Services mitteilen, erkrankte ein Patient nach dem sexuellen Kontakt mit einem erkrankten Menschen, das aus einem Land zurückgekehrt war, wo das Zikavirus endemisch ist (laut Presseberichten aus Venezuela). Nähere Angaben machte die Behörde nicht, um das Arztgeheimnis zu wahren und die Privatsphäre des Patienten oder Patientin zu schützen.

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Es handelt sich nicht um den ersten Fall einer dokumentierten sexuellen Übertragung des Zikavirus. Im Spätsommer 2008 hatten sich zwei Biologen der Colorado State University im Senegal mit dem Zikavirus infiziert. Einer steckte nach seiner Rückkehr seine Frau an, bevor die Erkrankung bei ihm ausbrach.

Die Centers for Disease Control and Prävention führten damals eine genauere Untersuchung durch, deren Ergebnisse später in Emerging Infectious Diseases (2011; doi: 10.3201/eid1705.101939) veröffentlicht wurden. Die beiden Biologen hatten im August 2008 in Bandafassi im Südosten des Senegal für Forschungszwecke Mücken gesammelt. Dabei waren sie wiederholt von Insekten gestochen worden. Nach Einschätzung der Forscher handelte es sich um Aedes-Mücken, die das Zikavirus übertragen können. Im Senegal gab es damals eine Zikavirus-Epidemie.

Die beiden Biologen erkrankten etwa eine Woche nach ihrer Rückkehr an einem makulopapulösen Exanthem, Arthralgien (an Handgelenken, Knien und Fußgelenke), Kopfschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Fieber hatten beide Patienten nicht. Nur der ältere der beiden Biologen, der seine Frau ansteckte, klagte über perineale Schmerzen und eine milde Dysurie, was die Ärzte später als Symptome einer Prostatitis deuteten. Der Patient bemerkte außerdem zwei Aphthen an einer Lippe.

Als die Symptome bei ihm auftraten, hatte der Forscher bereits seine Frau angesteckt. Beide hatten vor Auftreten der Symptome beim Ehemann wiederholt vaginalen Geschlechtsverkehr. Dabei fiel der Frau eine rötlich-braune Verfärbung des Ejakulats auf, die später als Hämatospermie gedeutet wurde. Sie bestand über mehrere Tage. Einige Tage später erkrankte die Frau mit Unwohlsein, Schüttelfrost, extremen Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Muskelschmerzen. Ein Tag später wurde ein makulopapulöses Exaktem sichtbar. Die Ehefrau entwickelte ebenfalls zwei Aphthen an einer Lippe.

Aufgrund der Hämatospermie gehen die CDC-Forscher von einer sexuellen Übertragung aus. Die Aphthen legten zwar auch eine Übertragung durch Speichel nahe. Dies Hypothese wurde jedoch verworfen, da keines der vier Kinder der beiden Biologen erkrankte. Das Ejakulat des Mannes wurde damals offenbar nicht untersucht. Ein Virusnachweis im Blut der Ehefrau misslang. Eine lokale Übertagung durch Stechmücken, die zunächst den Mann und dann seine Ehefrau gestochen haben müssten, schlossen die Forscher aus, auch wenn eine Aedes-Spezies (Aedes vexans) in der Umgebung des Wohnhauses gefunden wurde. Die Zahl der Mücken war im Spätsommer mit Temperatur von 10 bis 31° C jedoch gering. Ob Aedes vexans das Zikavirus übertragen kann, ist zudem nicht bekannt.

Ein zweiter Fall einer sexuellen Übertragung wurde im Dezember 2013 während des Ausbruchs in Französisch-Polynesien dokumentiert. Damals erkrankte ein 44-jährigen Mann aus Tahiti im Abstand von acht Wochen zweimal an einer symptomatischen Infektion mit dem Zikavirus. Zwei Wochen nach Abklingen der zweiten Erkrankung bemerkte er ein blutiges Ejakulat und begab sich in Behandlung. Am Institut Louis Malade in Papeete/Tahiti wurde die Hämatospermie bestätigt. Dieses Mal wurde das Ejakulat untersucht, wo Didier Musso und Mitarbeiter mehrmals die Gene des Zikavirus nachwiesen (Emerging Infectious Diseases (2015; doi 10.3201/eid2102.141363).

Auffällig war, dass eine Blutuntersuchung am gleichen Tag negativ ausfiel. Die Viren waren auch nicht im Urin nachweisbar. Dies widerspricht der Vermutung von Musso, die Viren könnten sich in den Nieren festgesetzt haben. Dies war im Tierexperiment bei Bären nachgewiesen worden, die mit dem Virus der Japanischen Enzephalitis infiziert wurden, das wie das Zikavirus zu den Flaviviren gehört.

Wie häufig eine sexuelle Übertragung auftritt, ist derzeit nicht bekannt. CDC sprachen vor Bekanntwerden der Übertragung in Texas den Medien gegenüber von einem rein theoretischen Risiko. Dass die sexuelle Übertragung eine Epidemie in Regionen auslösen können, wo keine Mücken als Vektoren auftreten, dürfte weiterhin als sehr unwahrscheinlich eingestuft werden. Die Behörden müssen sich allerdings Gedanken über die Sicherheit von Blutprodukten machen. Während der Epidemie in französisch Polynesien waren 3 Prozent aller Blutproben von asymptomatischen Spendern positiv getestet worden (Eurosurveillance 2014; doi: 10.2807/1560-7917.ES2014.19.14.20761). © rme/aerzteblatt.de

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