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Medizin

Listeriosen: Hypervirulente Stämme erklären tödliche Verläufe

Donnerstag, 4. Februar 2016

 Bakterien Listeria monocytogenes /dpa

Paris – Nicht alle Bakterien der Spezies Listeria monocytogenes sind für den Menschen gleichermaßen gefährlich. Umfangreiche molekularbiologische Untersuchungen in Nature Genetics (2016; doi:10.1038/ng.3501) zeigen, dass vermutlich nur einige hypervirulente Stämme für die schweren Infektionen verantwortlich sind, von denen neben Schwangeren und älteren abwehrgeschwächten Patienten auch kerngesunde Menschen betroffen sein können.

L. monocytogenes kommt überall in der Umwelt vor. Die Bakterien sind im Erdboden und auf Pflanzen vorhanden, sie sind in Abwässern und auch im landwirtschaftlichen Bereich nachweisbar. Zur Gefahr werden sie, wenn sie in kontaminierten Nahrungs­mitteln in den Darm gelangen. Häufig bleibt es bei einer leichten Erkrankung. Gefährlich werden Listerien, wenn sie ins Blut übertreten. Bei Schwangeren gelangen die Erreger dann über die Plazenta in den fetalen Kreislauf, was häufig zu einer Fehl- oder Totgeburt führt.

Eine weitere Gefahr besteht, wenn die Erreger die Bluthirnschranke überwinden. Dann kann die Erkrankung auch bei jüngeren nicht abwehrgeschwächten Menschen tödlich ausgehen. Listerien sind in den westlichen Ländern für die Hälfte aller tödlichen „Lebensmittelvergiftungen“ verantwortlich. Glücklicherweise ist die absolute Zahl gering, dem Robert Koch-Institut werden derzeit zwischen 300 und 600 Erkrankungen jährlich gemeldet, von denen die meisten überlebt werden.

Seit längerem ist bekannt, dass nicht alle Untergruppen von L. monocytogenes gleich gefährlich sind. Dies zeigt sich bereits darin, dass die in den Humanlaboren eintreffenden Bakterien sich deutlich von den auf Lebensmitteln nachgewiesenen Formen unterscheiden.

Um die für die Virulenz Verantwortlichen Gene zu finden, haben Sylvain Brisse und Marc Lecuit vom Institut Pasteur in Paris 6.633 Stämme von L. monocytogenes verglichen. Sie stellten fest, dass die Klone CC1 und CC4 am stärksten mit Infektionen des Feten und des Gehirns assoziiert waren. Bei Menschen mit Abwehrschwächen wurden häufiger die Klone CC9 und CC121 gefunden.

Es gab aber auch Klone, die bei Menschen ohne Abwehrschwäche eine schwere Erkrankung auslösen können. Die gezielte Infektion eines Mäusemodells bestätigte die unterschiedliche Virulenz der verschiedenen Klone. Die Stämme CC1 und CC4 beispielsweise führten zu einem deutlichen Gewichtsverlust, während CC9 und CC121 die Tiere kaum schwächten.

Um die für die unterschiedliche Virulenz verantwortlichen Gene zu finden, ließen die Forscher bei 104 Bakterien das gesamte Genom sequenzieren. Beim Klon CC4 stießen sie auf das Gen LIPI-4, das dem Erreger offenbar den Übertritt in den fetalen Kreislauf und in das Gehirn erleichtert. Die Forscher versprechen sich von ihren Ergebnissen die Definition von neuen Referenz-Stämmen, mit denen die Labore künftig schneller erkennen können, ob die Patienten sich mit einer lebensgefährlichen Variante von L. monocytogenes infiziert haben oder nicht. © rme/aerzteblatt.de

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