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Medizin

Rivaroxaban: Überprüfung bestätigt Validität der Rocket-AF-Studie

Donnerstag, 4. Februar 2016

dpa

Durham – Die Benutzung von teilweise defekten Geräten zur Bestimmung der International Normalized Ratio (INR), der die Gerinnungsfähigkeit des Blutes misst, hat die Ergebnisse der Rocket-AF-Studie wahrscheinlich nicht verfälscht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Re-Analyse der Studiendaten im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1515842), die eine Reporterin des British Medical Journal (BMJ 2016; 352: i575) nicht zufrieden stellt.

Die 2011 veröffentlichte „ROCKET AF“-Studie hatte an 14.264 Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern den Faktor Xa-Inhibitor Rivaroxaban mit dem früheren Standardmedikament Warfarin verglichen. Die im Jahr 2011 veröffentlichten Ergebnisse hatten Rivaroxaban eine Non-Inferiorität hinsichtlich der Vermeidung von Schlaganfällen und systemischen Embolien bescheinigt, die zu den gefürchteten Komplikationen des Vorhofflimmerns gehören. Hirnblutungen und tödliche Blutungskomplikationen waren unter Rivaroxaban sogar seltener aufgetreten. Die Ergebnisse der Studie waren die Grundlage für die Zulassung von Xarelto in dieser Indikation.

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Später stellte sich heraus, dass ein Gerät zur Überprüfung des INR-Werts, die nur im Warfarin-Arm, nicht aber unter Rivaroxaban notwendig ist, möglicherweise nicht immer valide Ergebnisse lieferte. Messgerät und Teststreifen des Herstellers Alere wurden auf Anraten der US-Arzneibehörde FDA im Januar 2015 vom Markt genommen.

Das „Point of Care“-Gerät hatte den INR-Wert unter bestimmten Begleitumständen (beispielsweise bei einem abnormen Hämatokrit) niedriger angeben als bei einer späteren Überprüfung im Labor. Der Hersteller Alere hatte in den Jahren 2013-2014 hierzu mehr als 18.924 Beschwerden erhalten. Zu dieser Zeit war die Rocket-AF-Studie längst beendet, es war jedoch nicht klar, ob auch die damals genutzten Geräte fehlerhafte Ergebnisse geliefert haben.

Die Autoren der Rocket-AF-Studie haben deshalb die Daten neu analysiert. Sie verglichen dabei Patienten mit Begleitumständen (also beispielsweise einem abnormen Hämatokritwert), die laut dem Rückruf zu falschen Messergebnissen führen kann, mit Patienten, bei denen diese Begleitumstände nicht vorlagen. Die jetzt von Mannesh Patel vom Duke Clinical Research Institute in Durham/North Carolina vorgelegten Ergebnisse liefern keine Hinweise, an der Validität der Rockt-AF-Studie zu zweifeln.

Die Vorteile von Rivaroxaban (Schutz vor Schlaganfall und systemischen Embolien) fiel bei Patienten mit Begleitumständen tendenziell etwas besser aus als in der Gesamtgruppe. Beim Blutungsrisiko war es umgekehrt. Die Unterscheide waren laut Patel so gering, dass sie sich weder auf die Wirksamkeit noch auf die Sicherheit signifikant auswirkten.

Das Duke Clinical Research Institute betont in seiner Pressemitteilung, dass die Untersuchung unabhängig von laufenden Untersuchungen der FDA und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) durchgeführt worden seien. In den beiden Behörden werden dem Vernehmen nach derzeit vom Hersteller durchgeführte Re-Analysen bewertet.

Das British Medical Journal veröffentlichte dieser Tage eine Reportage ihrer investi­gativen Journalistin Deborah Cohen. Dort wird eine erneute unabhängige Untersuchung der Studiendaten angeregt. Der Kardiologe Harlan Kramholz von der Yale Universität wird mit der Forderung zitiert, das New England Journal of Medicine sollte sofort seine Besorgnis „Expression of Concern“ zur Validität der publizierten Rocket-AF-Daten anmelden. Ein früherer FDA-Mitarbeiter, Thomas Marciniak, meinte gegenüber dem BMJ, dass er sich nicht auf die Re-Analyse vom Duke Clinical Research Institute, den Herstellern oder seines früheren Arbeitgebers verlassen würde.

Rivaroxaban, aber auch die anderen neuen oralen Antikoagulanzien sind wegen des Blutungsrisikos in den letzten Jahren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Für die Öffentlichkeit ist es verwirrend, dass ein Schlaganfall, vor denen die Mittel Patienten mit Vorhofflimmern schützen soll, zu den möglichen Risiken der Medikamente gehört. Schwer zu vermitteln ist, dass es sich um zwei unterschiedliche Ereignisse handelt. Die Mittel sollen ein ischämisches Ereignis durch Blockade eines Blutgefäßes verhindern, sie können jedoch im Fall einer Blutung ein vergleichbares Ereignis auslösen.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ist inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die defekten „Point of Care“-Geräte die Schlussfolgerungen zur Gesamtsicherheit von Rivaroxaban und das Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht verändern. Dies bedeutet, dass Xarelto weiter wie bisher im Einklang mit der aktuellen Fachinformation verwendet werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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