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Medizin

Anti-Aging: „Raus mit den alten Zellen“

Donnerstag, 4. Februar 2016

Rochester – Die Lebenserwartung könnte deutlich gesteigert werden, wenn es gelänge, alte verbrauchte Zellen aus dem Körper zu eliminieren. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature (2016; doi: doi:10.1038/nature16932). Menschen altern, weil ihre Zellen irgendwann aufhören, sich zu teilen. Über eine gewisse Zeit werden verbrauchte Zellen noch vom Immunsystem beseitigt. Doch irgendwann altert auch das Immunsystem. Dann kommt es zur Akkumulation von seneszenten Zellen.

Diese Zellen setzen einen Cocktail von Substanzen frei, die als „senescence-associated secretory phenotype" (SASP) bezeichnet werden. Dazu gehören Matrix-Metallo­proteinasen. Das sind Enzyme, die die Extrazellularsubstanz angreifen. Hinzu kommen Signalsubstanzen, die Entzündungsreaktionen fördern. Zu den Folgen gehören typische Alterserkrankungen wie Typ 2-Diabetes, Nierenschwäche und auch Krebserkrankungen.

Molekularbiologen der Mayo Clinic in Rochester haben jetzt eine Möglichkeit entwickelt, seneszente Zellen aus dem Körper zu entfernen. Allerdings funktioniert dies nur bei gentechnisch modifizierten Mäusen. Die Forscher versahen die Mäuse mit einem Gen, das durch die Gabe eines Wirkstoffs aktiviert werden kann.

In diesem Fall zerstört es die Zellen. Um nur seneszente Zellen zu zerstören, wurde das Gen an einen Seneszenzmarker gebunden. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die regelmäßige Behandlung mit dem Wirkstoff, der Seneszenz-Zellen zerstört, die Lebenserwartung der Tiere um 17 bis 35 Prozent verlängerte. Die Behandlung zögerte die Entwicklung von Krebserkrankungen hinaus und verbesserte die Funktion von Herz und Nieren. Die Tiere behielten im Alter ihre lebenswichtigen Fettvorräte und sie entwickelten weniger Katarakte.

Um die Anti-Aging-Behandlung auf den Menschen übertragen zu können, müssten Medikamente gefunden werden, die gezielt Seneszenz-Zellen angreifen, ohne dass dazu Eingriffe am Erbgut notwendig wären. Zu den möglichen Kandidaten zählt laut Dominic Withers, einem Altersforscher am Imperial College London, das Immun­suppressivum Rapamycin, auch Sirolimus genannt. Eine frühere Studie hatte gezeigt, dass Mäuse, die ab einem bestimmten Alter mit Rapamycin behandelt wurden, um 9 bis 14 Prozent länger lebten.

Withers vermutet, dass die Wirkung wenigstens teilweise durch eine Regulation der SASP zustande kommt. Ob das Mittel auch beim Menschen eine Wirkung erzielen würde, ist völlig unklar. Rapamycin ist ein starkes Immunsuppressivum, zu dessen Nebenwirkungen Infektionen, Störungen des Fettstoffwechsels und auch – im Widerspruch zu den aktuellen tierexperimentellen Studien – ein erhöhtes Krebsrisiko gehören. Dies sind nicht unbedingt die Eigenschaften eines erfolgreichen Anti-Aging-Mittels. © rme/aerzteblatt.de

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