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Medizin

Wieso Helicobacter pylori vor Asthma schützt

Montag, 8. Februar 2016

Helicobacter pylori dpa

New York/Graz – Eine frühzeitige Infektion des Magens mit Helicobacter pylori kann die Zusammensetzung der Darmflora verändern, den Hormonhaushalt verschieben und die Immunabwehr in der Lunge verändern. Dies zeigen tierexperimentelle Befunde in Cell Reports (2016; doi: 10.1016/j.celrep.2016.01.017).

Die verbesserte Hygiene hat dazu geführt, dass in westlichen Ländern immer weniger Menschen mit H. pylori infiziert werden und die Ansteckung in einem späteren Lebens­alter erfolgt. Gleichzeitig nimmt die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen zu. Der amerikanische Mikrobiologe Martin Blaser vom NYU Langone Medical Center in New York vermutet, dass dies kein Zufall ist. In einer früheren epidemiologischen Untersuchung hatte Blaser gezeigt, dass Kinder, die vor dem 15. Lebensjahr mit einer aggressiven Variante von H. pylori infiziert waren, zu 40 Prozent seltener an Asthma erkrankten. Andere Untersuchungen deuten auf eine protektive Wirkung gegen Erkrankungen der Speiseröhre oder des Darms hin.

Zusammen mit einem Forscherteam um Sabine Kienesberger von der Universität Graz hat Blaser jetzt nach möglichen biologischen Erklärungen gesucht. Die Forscher infizierten Mäuse mit H. pylori und untersuchten die Auswirkungen auf Magen, Darm und das Immunsystem. Dabei stellte sich heraus, dass die Auswirkungen über eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut hinausgingen.

Im Magen der Mäuse wurde die Bildung des Hormons Ghrelin gesteigert. Dieses „Hungerhormon“ informiert das Gehirn über den Füllungszustand des Magens. Eine gesteigerte Bildung regt jedoch nicht nur den Appetit an (weswegen eine H. pylori-Infektion das Übergewicht fördern könnte). Das Hormon beeinflusst auch das Immunsystem, wofür sich Kienesberger und Blaser besonders interessieren. Die beiden Forscher vermuten, dass H. pylori über den Darm eine Immuntoleranz auslöst, was die verminderte Rate von Asthmaerkrankungen erklären würde.

Tatsächlich fanden die Forscher in den Lungen der mit H. pylori infizierten Tiere eine gesteigerte Zahl von sogenannten regulatorischen T-Zellen. Sie haben im Immunsystem die Aufgabe, autoimmune, aber auch allergische Reaktionen zu verhindern. Ob dies Folge einer Ghrelin-Bildung ist, muss offen bleiben. Eine andere Erklärung könnte die Veränderung der Magen- und Darmflora sein, die die Forscher bei den mit H. pylori infizierten Mäusen nachweisen konnten.

Vor allem der Darmflora wird von Immunologen ein Einfluss auf die Reifung des Immun­systems zugeschrieben. Die frühzeitige Besiedlung mit H. pylori könnte hier helfen, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Die Forscher sind nach eigener Aussage jedoch noch weit davon entfernt, die komplexen Zusammenhänge genau zu verstehen. Sie vertreten allerdings die Ansicht, dass das Bakterium H. pylori, das für Gastritis, Magengeschwüre und Magenlymphome verantwortlich ist, auch eine „gute Seite“ haben könnte, indem es vor allergischen Erkrankungen schützt. Diese Ansicht dürfte allerdings nicht von allen Internisten geteilt werden. © rme/aerzteblatt.de

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