Ärzteschaft

KBV sieht Vereinfachungen für medizinische Cannabistherapie kritisch

Montag, 8. Februar 2016

Berlin – Als „nachvollziehbar“ bewertet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geplante Änderungen in den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften zum sogenannten Medizinalhanf – das sind getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte in pharmazeutischer Qualität.

Das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“, das jetzt im Referentenentwurf vorliegt, soll die Therapie schwerwiegend chronisch kranker Patienten erleichtern. Bislang mussten diese für eine medizinisch indizierte Cannabis­behandlung eine Sondergenehmigung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen, bevor der Medizinalhanf von einer Apotheke mit einer betäubungsmittelrechtlichen Ausnahmegenehmigung abgegeben werden konnte.

Anzeige

Gleichwohl macht die KBV gegen eine Leistungspflicht der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) für die Behandlung mit Cannabis Bedenken geltend: „Bei Fertigarzneimitteln erfolgt die Überprüfung der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit im Rahmen der arzneimittelrechtlichen Zulassung“, heißt es in der Stellungnahme.

Bei Rezepturen fehle diese Überprüfung. Die KBV sehe den Einsatz entsprechender Produkte daher in Bezug auf ihre Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit kritisch. „Es stellt sich die Frage, warum – im Vergleich zu anderen Wirkstoffen und Leistungen – für Cannabis eine Sonderregelung getroffen werden soll, die hinsichtlich der zu erfüllenden Anforderungen niedriger liegt und ob dies gerechtfertigt ist“, so die KBV in ihrer Stellungnahme.

Außerdem sei die Evidenz für einen Nutzen der Therapie aufgrund der Studienlage eher gering – was für den verordnenden Arzt haftungsrechtliche Probleme mit sich bringen könne.

Allerdings enthalte die Neuregelung auch sehr positive Ansätze: „Unter dem Gesichtspunkt der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist die vorgenommene Klarstellung, dass der viel diskutierte Eigenanbau von Cannabis durch Patienten aus gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht nicht in Betracht kommt, zu begrüßen“, heißt es in der KBV-Stellungnahme zum Referentenentwurf. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

22.02.17
Den Haag – Das Unterhaus des niederländischen Parlaments hat sich gestern mit knapper Mehrheit für die Legalisierung eines umfangreicheren Anbaus von Cannabispflanzen ausgesprochen. 77 Abgeordnete......
10.02.17
Cannabis und Co.: Bundesrat billigt Gesetze
Berlin – Schwerkranke Menschen können künftig leichter Cannabis als Arzneimittel erhalten. Für die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen gelten künftig strengere Regeln. Der Bundesrat hat heute......
03.02.17
Cannabis auf Rezept: KBV fordert Nachbesserungen
Berlin – Bei der Begleitstudie für die Verordnung von getrockneten Cannabisblüten und -extrakten für Schwerkranke auf Rezept sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) noch Änderungsbedarf. Die......
01.02.17
Huml kritisiert Petition zu Cannabis­legalisierung
München/Bayreuth – Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat eine bundesweite Petition zur völligen Legalisierung von Cannabis für Erwachsene ab 18 Jahren kritisiert. „Die Gefahren durch......
19.01.17
GKV-Leistung: Ärzte können künftig Cannabis verordnen
Berlin – Ärzte können Schwerkranken künftig Cannabis zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen, wenn diesen nicht anders geholfen werden kann. Der Bundestag hat heute einstimmig eine......
18.01.17
Cannabistherapie bei Krebs oder Multipler Sklerose
Berlin – Der Gesundheitsausschuss des Bundestages hat heute den Weg frei gemacht für den Cannabis-Gesetzentwurf der Bundesregierung. Vertreter der Regierungs- wie auch der Oppositionsfraktionen......
16.01.17
Cannabis als Medizin: Bundestag entscheidet
Berlin – Cannabis auf Rezept rückt in Deutschland näher. Ein Schritt zu einer Aufhebung des allgemeinen Cannabisverbots solle die Freigabe des Stoffs als Medizin aber nicht sein, sagte die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige