Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fetales Alkoholsyndrom: CDC rät sexuell aktiven Frauen zum Alkoholverzicht

Montag, 8. Februar 2016

dpa

Atlanta – Eine Studie, der zufolge 3,3 Millionen Frauen durch ihren Alkoholkonsum im Fall einer möglichen Schwangerschaft die Gesundheit ihres Kindes gefährden würden, veranlasst die Centers for Disease Control and Prävention (CDC) zu einer umstrittenen Forderung: Alle Frauen im gebärfähigen Alter, die sexuell aktiv sind und keine Empfängnisverhütung betreiben, sollten komplett auf den Genuss von Alkohol verzichten.

Die Risiken des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft werden häufig unterschätzt. So vertraten im letzten Jahr in einer INSA-Umfrage ein Viertel aller Erwachsenen die Ansicht, dass es unproblematisch ist, wenn Schwangere „gelegentlich ein Gläschen Bier oder Sekt“ trinken. Entsprechend häufig sind die Folgen. Eine Untersuchung von Erstklässlern in Pediatrics (2014; 134: 855-866) ergab, dass in den USA auf 1.000 Kinder wahrscheinlich 6 bis 9 mit einem fetalen Alkoholsyndrom (FAS) kommen.

Diese Kinder wiesen mindestens zwei der drei diagnostischen Veränderungen im Gesicht auf (kurze Lidspalte, verstrichenes Philtrum, schmale Oberlippe) und sie waren zu klein für ihr Alter und der Kopfumfang lag unter der 10. Perzentile. Ein partielles fetales Alkoholsyndrom (PAFS), das nur die Gesichtsveränderung plus ein weiteres Kriterium erfordert, lag bei 11 bis 17 von 1.000 Kindern vor. In die weiteste Kategorie einer Fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) fielen sogar 3,6 Prozent aller Erstklässler.

Die Ursache sehen die Centers for Disease Control and Prävention im leichtfertigen Umgang mit Alkohol von Frauen, die schwanger werden könnten. Dies ist per Definition immer dann der Fall, wenn eine Frau sich im gebärfähigen Alter befindet, also etwa in der Altersgruppe von 15 bis 44 Jahren, nicht sterilisiert ist, sexuell aktiv ist und dabei auf eine sichere Kontrazeption verzichtet. Dies ist laut einer Auswertung der National Survey of Family Growth (NSFG) keineswegs selten der Fall.

In der repräsentativen Stichprobe waren 5.601 Frauen nach ihren Sexualkontakten und nach ihrem Alkoholkonsum befragt worden. Von den Frauen, die derzeit fruchtbar, aber nicht schwanger waren, gaben 7,3 Prozent an, dass sie in den letzten vier Wochen ungeschützten vaginalen Sex hatten und dass sie in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken hatten. Die Untersuchung wurde jetzt in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2016; 65: 91-97) veröffentlicht.

Hochgerechnet auf die US-Bevölkerung ergibt dies 3,3 Millionen Frauen, die sich aus Sicht von Anne Schuchat, der stellvertretenden Leiterin der CDC, nicht verant­wortungsbewusst verhalten, auch wenn sie gerade keinen Kinderwunsch haben. Etwa die Hälfte aller Schwangerschaften in den USA seien ungewollt, argumentiert Schuchat und viele Frauen würden die Schwangerschaft in den ersten Wochen nicht bemerken (während sie weiter Alkohol konsumieren). Die einzige Möglichkeit, sein Kind sicher vor einer Schädigung zu schützen, sei deshalb ein Verzicht auf Alkohol (oder eine sexuelle Enthaltsamkeit beziehungsweise eine sichere Schwangerschaftsverhütung).

Dieser Vorschlag wurde in den USA erwartungsgemäß nicht von allen Seiten begrüßt. Das American Beverage Institute findet den Vorschlag der New York Times zufolge „unglaublich puritanisch“. Das American College of Obstetricians and Gynecologists äußerte dagegen Zustimmung und die American Academy of Pediatrics hatte bereits im letzten Oktober verlautbart, dass Alkohol zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft als sicher für das Kind anzusehen sei. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20.09.17
Schwangerschaft: Behandlung von Begleiterkrankungen meist ohne Komplikation für Mutter und Kind
Rostock – Ärzte sind oft unsicher, wenn es darum geht, schwangere Frauen mit Asthma, Migräne oder anderen Begleiterkrankungen zu betreuen. Die Medikamentenauswahl ist begrenzt. Zwar bestehe häufig......
15.09.17
Berlin plant Kreißsaal-Ausbau wegen Geburtenrekords
Berlin – Berlins Babyboom dauert an und sorgt für volle Geburtsstationen und Kreißsäle. Im vergangenen Jahr wurden so viele Kinder in der Hauptstadt geboren, wie seit der Wiedervereinigung nicht –......
10.09.17
Antidepressiva: Einnahme in der Schwangerschaft könnte psychische Erkrankungen der Kinder fördern
Aarhus – Die Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, erkranken möglicherweise häufiger als andere an psychiatrischen Erkrankungen. Dies kam in einer......
08.09.17
Baden-Württemberg kürzt Mittel für Präventionsprojekte gegen Alkoholmissbrauch
Heilbronn – Baden-Württemberg gibt einem Medienbericht zufolge 2017 deutlich weniger Geld für Präventionsangebote gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen aus. Grün-Schwarz wird die Fördermittel von......
08.09.17
Gene beeinflussen Länge der Schwangerschaft und Frühgeburtrisiko
Cincinnati – Eine große genomweite Assoziationsstudie (GWAS) hat zur Entdeckung von Varianten in sechs Genen geführt, die die Länge der Schwangerschaft beeinflussen. Darunter waren laut der......
08.09.17
Zahl der alkoholgeschädigten Kinder steigt leicht an
Bremen/Berlin – Die Zahl der alkoholgeschädigten Kinder steigt nach Angaben des Vereins FASD Deutschland leicht an. „Viele junge Frauen trinken, bevor sie entdecken, dass sie schwanger sind“, sagte......
07.09.17
BZgA warnt vor Alkohol in der Schwangerschaft
Berlin – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben erneut eindringlich vor den Folgen des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige