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Medizin

Erzwungene Alkoholabstinenz senkt Sterblichkeit in US-Staat

Donnerstag, 11. Februar 2016

Boston – Eine Strafrechtsreform, die Alkoholsünder im Straßenverkehr zu einer permanenten Abstinenz verurteilt, hat im US-Staat South Dakota die Sterblichkeit von Erwachsenen gesenkt, wie aus einer Publikation in Lancet Psychiatry (2016; doi: 10.1016/S2215-0366(15)00416-2) hervorgeht.

South Dakota, ein abgelegener ländlicher Bundesstaat im Norden, gehört zu den Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol in den USA. Die Folge ist eine hohe Anzahl von Personen, die mit Alkohol am Steuer ertappt werden. Seit 2005 kommen die Delinquenten nicht mehr mit einem Bußgeld davon. Die Richter können als Strafe die Teilnahme am „24/7 Sobriety-Program“ verordnen.

Die Verurteilten verpflichten sich zur permanenten Nüchternheit. Sie müssen dies zweimal täglich durch einen Atemtest belegen. Alternativ können sie eine elektronische Fußfessel tragen, die über einen Sensor Alkohol im Schweiß nachweisen kann. Etwaige Übertretungen der Regeln werden rigoros mit Gefängnisstrafen geahndet.

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Zwischen Januar 2005 und Juni 2011 nahmen fast 17.000 Menschen –das sind knapp 3 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von South Dakota – am „24/7 Sobriety-Program“ teil. Die wissenschaftliche Begleitforschung hat die RAND Corporation übernommen, eine unabhängige Non-Profit-Organisation mit Sitz in Santa Monica/Kalifornien.

In einer früheren Studie konnte ein RAND-Team um Beau Kilmer zeigen, dass nach der Einführung des „24/7 Sobriety-Program“ die Zahl der Festnahmen wegen Alkohol am Steuer um 12 Prozent zurückging. Auch die Zahl der Verhaftungen aufgrund häuslicher Gewalt nahm um 9 Prozent ab (American Journal of Public Health: January 2013; 103: e37-e43).

Die neue Analyse weist erstmals einen positiven Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit bei Erwachsenen nach. Nancy Nicosia vom RAND-Büro in Boston ermittelt eine Reduktion der Sterblichkeit um 4,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,5-6,9). Bei den Frauen kam es sogar zu einem Rückgang um 8,0 Prozent (3,9-11,8). Dieser auf Bevölkerungs­ebene nachweisbare Public-Health Nutzen war größer als die Forscherin erwartet hatte. Sie vermutet, dass die Abstinenz der Verkehrssünder sich positiv auf die Umgebung auswirkt. Häufig würde auch die Ehefrau auf Alkohol verzichten, wenn der Mann zur Abstinenz verurteilt wurde. © rme/aerzteblatt.de

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