Medizin

Körperliche Belastung erhöht Herzinfarktrisiko von Krankenschwestern mit Hypertonie

Montag, 15. Februar 2016

Kopenhagen – Krankenschwestern mit arterieller Hypertonie, die im Beruf häufig Patienten anheben oder schwere Lasten tragen mussten, erkrankten in einer Kohortenstudie im European Journal of Preventive Cardiology (2016; doi:10.1177/2047487316631681) häufiger an ischämischen Herzerkrankungen.

Viele Krankenschwestern müssen bei ihrer Tätigkeit Schwerstarbeit verrichten. Das Anheben der Patienten oder andere Tätigkeiten steigern kurzfristig Herzfrequenz und Blutdruck. Dies kann bei Pflegekräften, die bereits unter einer arterieller Hypertonie leiden, unter Umständen die Entwicklung einer Atherosklerose beschleunigen.

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Ein Team um Karen Allesøe vom Rigshospitalet-Glostrup in Kopenhagen hat hierzu die Daten der Dänischen Krankenschwesternstudie ausgewertet, die 1993 nach dem Vorbild der US-amerikanischen Nurses’ Health Study begonnen wurde. Insgesamt 12.093 Krankenschwestern im Alter zwischen 45 und 64 Jahren füllten damals Fragebögen aus, die unter anderem ihre berufliche Tätigkeit betrafen.

In den 15 Jahren danach entwickelten 580 Krankenschwestern eine ischämische Herzerkrankung. Darunter waren 12 Prozent, die bei der ersten Untersuchung einen erhöhten Blutdruck hatten. Die körperliche Belastung der Krankenschwestern wurde bei 46,3 Prozent als hoch eingestuft, bei 34,4 Prozent war sie mäßig und 19,3 Prozent waren aufgrund einer überwiegend sitzenden Tätigkeit im Beruf keinen körperlichen Anstrengungen ausgesetzt.

Die Auswertung von Allesøe ergab nun, das Krankenschwestern mit einer arteriellen Hypertonie, die im Beruf den höchsten körperlichen Belastungen ausgesetzt waren, fast dreimal so häufig an einer ischämischen Herzerkrankung erkrankt waren als ihre Kolleginnen mit sitzender Tätigkeit. Die Hazard Ratio von 2,87 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,12 bis 3,87 hoch signifikant. Bei Krankenschwestern mit einem normalen Blutdruck war das Risiko auf eine ischämische Herzkrankheit nur tendenziell um 20 Prozent erhöht. Die Hazard Ratio von 1,20 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,26 bis 2,14 statistisch nicht aussagekräftig.

Die Auswirkungen von Bluthochdruck und starker körperlicher Beanspruchung am Arbeitsplatz scheinen sich mehr als nur zu addieren. Während die körperliche Beanspruchung allein zu fünf zusätzlichen ischämischen Herzerkrankungen auf 10.000 Personenjahre führt und die arterielle Hypertonie rund 15 zusätzliche Fälle auf 10.000 Personenjahre verursacht, führt die Kombination beider Faktoren den Berechnungen von Allesøe zufolge zu 60 Erkrankungen auf 10.000 Personenjahre, also 40 mehr als bei einer Addition zu erwarten wären.

Die Belastungen von Krankenschwestern beschränken sich laut Allesøe nicht allein auf das Anheben oder Bewegen von Patienten. Auch das häufige Stehen und die langen Wege könnten das kardiale Risiko erhöhen, glaubt die Forscherin.

Für die Untersuchung gelten die üblichen Einschränkungen von prospektiven Beobach­tungsstudien. Sie könnten zwar Zusammenhänge aufdecken, eine Kausalität jedoch nicht restlos beweisen. denn es ist nicht auszuschließen, dass Krankenschwestern, die im Stationsdienst die meiste körperliche Arbeit verrichten, auch aus anderen Gründen ein erhöhtes kardiales Risiko haben. © rme/aerzteblatt.de

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