NewsMedizinAntibiotikaresistenz in der EU weiter auf dem Vormarsch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antibiotikaresistenz in der EU weiter auf dem Vormarsch

Montag, 15. Februar 2016

dpa

Stockholm/Parma – Der jüngste Bericht der beiden EU-Behörden EFSA und ECDC zeigt, dass Bakterien bei Menschen und Tieren sowie in Lebensmitteln weiterhin Resistenzen gegen häufig eingesetzte Antibiotika aufweisen. Sorgen bereitet eine Zunahme der Ciprofloxacin-Resistenz bei Campylobacter, die Behandlungsoptionen bei schweren Lebensmittelinfektionen einschränken kann.

Die European Food Safety Authority (EFSA) und das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) veröffentlichen jährlich einen Bericht über die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen bei zoonotischen Bakterien, also Erregern, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Eine mögliche Folge sind Nahrungsmittelinfektionen.

Anzeige

Die häufigsten Erreger sind hier Campylobacter-Spezies. Sie sind laut dem aktuellen Report für das Jahr 2014 zunehmend gegen Ciprofloxacin resistent, ein häufig in dieser Indikation eingesetztes Antibiotikum. Campylobacter mit hoher bis extrem hoher Resistenz gegen Ciprofloxacin wurden bei 69,8 Prozent der Masthähnchen und bei 60,2 Prozent der untersuchten Menschen gefunden. Bei Masthähnchen wurden zudem hohe bis extrem hohe Resistenzen gegenüber Nalidixinsäure und Tetrazyklinen übermittelt. Resistenzen gegen Erythromycin sind dagegen relativ selten.

Salmonellen, die zweithäufigsten Verursacher von Nahrungsmittelinfektionen, waren beim Menschen zu 30 Prozent gegen Tetrazykline, zu 28,6 Prozent gegen Sulfonamide und zu 28,2 Prozent gegen Ampicillin resistent. Diese Resistenzen wurden auch beim Geflügel gefunden. Beim Menschen wiesen 26 Prozent der Campylobacter-Isolate Multiresistenzen auf. Bei Masthähnchen- und Putenfleisch lag die Häufigkeit bei 24,8 beziehungsweise 30,5 Prozent.

Besonderen Grund zur Sorge bereitet EFSA und ECDC derzeit die Ausbreitung von S. Kentucky und S. infantis. Diese Salmonellenarten zeigen häufige Resistenzen auf Ciprofloxacin. Viele sind laut dem Bericht multiresistent. In einigen Fällen wurden im Geflügel auch Beta-Lactamasen mit erweitertem Wirkspektrum (Extended Spectrum Beta-Lactamasen, ESBL) nachgewiesen. Ein Klon von multiresistenten und ESBL-produzierenden S. infantis wurde sowohl bei Menschen als auch bei Geflügel gefunden. Carbapenemase produzierende Salmonellen wurden bisher weder in Geflügel noch Geflügelfleisch nachgewiesen.

Im Geflügel wurden auch gegen Colistin resistente Bakterien gefunden. Diese wurden 2014 jedoch (noch?) nicht durch Mutationen im Gen mcr-1 ausgelöst. Die Behörden sind alarmiert, seit 2015 in China ein plasmid-gebundenes mcr-1-Gen gefunden wurde, das horizontal unter Bakterien ausgetauscht werden kann, was die Ausbreitung der Resistenz unter Darmbakterien stark beschleunigen kann. Diese Entwicklung war im Jahr 2014 in Europa (noch) nicht erkennbar.

Die Resistenzen sind in Europa regional unterschiedlich verbreitetet. Am häufigsten sind sie in Ost- und Südosteuropa, in Nordeuropa sind sie seltener. Die Autoren führen dies auf den geringeren Einsatz von Antibiotika bei Tieren in diesen Ländern zurück. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. März 2020
Bonn – Die meisten Antibiotika werden von Patienten genommen, deren Erkrankung keinen Klinikaufenthalt erfordert. In Deutschland machen diese Fälle rund 85 % aller Antibiotika-Verschreibungen aus. Das
Kinder und Stadtbewohner nehmen am meisten Antibiotika ein
5. März 2020
Stockholm und Parma – Die Häufigkeit von Antibiotikaresistenzen hat bei Salmonellen und bei Campylobacter, den beiden häufigsten bakteriellen Ursachen einer Gastroenteritis, in Europa weiter
Lebensmittelbedingte Infektionen in Europa zunehmend schwerer zu behandeln
21. Februar 2020
London – Die Behandlung mit einem Makrolid-Antibiotikum im 1. Trimenon der Schwangerschaft war in einer Analyse elektronischer Krankenakten im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; 368: m659) mit einer
Makrolid-Antibiotika könnten Fehlbildungen auslösen
21. Februar 2020
Regensburg/Würzburg/München – Ein neues bayerisches Forschungsnetzwerk will in den kommenden Jahren neue Therapieansätze gegen multiresistente Keime entwickeln. Das Land investiert dafür in den
Bayerische Initiative zur Entwicklung neuer Antibiotika
13. Februar 2020
Melbourne – Obwohl eine Kombination aus Vancomycin/Daptomycin mit einem Beta-Laktam bei der Behandlung der MRSA-Bakteriämie theoretisch Vorteile bietet, konnten die Behandlungsergebnisse in einer
MRSA: Weiteres Antibiotikum bleibt in Studie ohne Vorteile
11. Februar 2020
Frankfurt am Main – Produktionsausfälle in China wegen des Coronavirus könnten nach Ansicht von Pharmaexperten zu Antibiotikaengpässen in Deutschland führen. Da die Herstellung von Wirkstoffen in der
Pharmaexperten warnen vor Antibiotikaengpässen wegen 2019-nCoV
7. Februar 2020
Berlin – Zugelassene Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) – also für die Gen-, Zell-und Gewebetherapie – sollen künftig mit Ausnahme biotechnologisch bearbeiteter Gewebeprodukte automatisch die
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER