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Ärzteschaft

Diabetologen fordern verbindliche Zweitmeinung vor Fußamputationen

Dienstag, 16. Februar 2016

Berlin – Ein obligatorisches Zweitmeinungsverfahren vor einer Fußamputation fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). In Deutschland werden laut der Fachgesellschaft pro Jahr rund 50.000 Füße als Folge einer Diabeteserkrankung amputiert. „Diese Zahl ist, auch im internationalen Vergleich, viel zu hoch“, erläutert der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft diabetischer Fuß der DDG, Ralf Lobmann.

Ein Grund dafür sei, dass viele Patienten mit schlecht heilenden chronischen Fußwunden zu spät in spezialisierte Zentren kämen, „oft erst nach zwölf Wochen und später“, so Lobmann. In den Zentren können interdisziplinäre Expertenteams aus Diabetologen, Gefäßchirurgen, Orthopäden, Podologen und Schuhmachern eine große Bandbreite an Therapien und Maßnahmen ausschöpfen, um eine Amputation zu vermeiden.

„Während die Rate von Abtrennungen des Fußes oberhalb des Knöchels in speziali­sierten Zentren bei 3,1 Prozent liegt, beläuft sich die Quote in der Allgemeinversorgung auf zehn bis zwanzig Prozent“, erläutert Lobmann. Eine Majoramputation zu vermeiden, sei jedoch oberstes Gebot bei der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. „Daher fordern wir vor einer Amputation das obligatorische Einholen einer qualifizierten Zweitmeinung“, betont der DDG Experte.

Eine weitere Ursache für die hohe Amputationsrate in Deutschland ist nach Ansicht der Fachgesellschaft das Vergütungssystem. Eine Amputation sei vergleichsweise auskömmlich finanziert. Doch Behandlungen, die dem Erhalt der Extremität dienten, seien häufig langwierig und mit Klinikaufenthalten von bis zu 40 Tagen verbunden. „Dieser Aufwand bildet sich in der Vergütung bisher nicht ab“, kritisiert Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. Die Fachgesellschaft schlägt daher einen Bonus für die Rettung des Fußes vor.

Betroffene, die vor einer Amputation stehen, können sich an Spezialzentren wenden, welche die DDG zertifiziert hat. Aktuell zählen dazu 201 ambulante und 78 stationäre Einrichtungen. © hil/aerzteblatt.de

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