Medizin

MERS: Therapie mit Antikörpern aus transgenen Kühen

Freitag, 19. Februar 2016

Silver Spring – Kühe auf einer Farm in South Dakota sollen einen auf der arabischen Halbinsel dringend benötigten Wirkstoff gegen die tödliche Erkrankung MERS herstellen. In Science Translational Medicine (2016; 8: 326ra21) veröffentlichte Studienergebnisse zeigen, dass die von trans-chromosomalen Tieren produzierten humanen Antikörper wirksam sein könnten.

Die passive Immunisierung ist nicht neu. Emil von Behring hat sie als Serumtherapie bei der Diphtherie und Tetanus erfolgreich eingesetzt. Vor der Entwicklung der Antibiotika war sie häufig die einzige Möglichkeit, Infektionen zu bekämpfen. Heute wird sie nur noch selten in speziellen Indikationen, etwa nach Schlangenbissen, eingesetzt.

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Ein Grund ist die schwierige Herstellung, die in der Regel in Tieren erfolgt, da Menschen aus ethischen Gründen als Antikörperproduzenten kaum infrage kämen. Die Infusion größerer Mengen speziesfremder Antikörper ist jedoch nicht ungefährlich. Es kann zu allergischen Reaktionen wie der Serumkrankheit kommen, die durch Ablagerung von Immunkomplexen Nieren und andere Organe schädigt.

Diese Nachteile lassen sich vermeiden, wenn die Tiere humane Antikörper herstellen. Dies ist mit sogenannten trans-chromosomalen Kühen möglich, die die Firma SAB, ein Pharmaunternehmen mit Sitz in Sioux Falls, South Dakota, erzeugt hat. Die Forscher entfernten aus dem Erbgut der Tiere Gene, die für die Bildung von Antikörpern zuständig sind und versahen die Zellen mit einem zusätzlichen Chromosom, das die Gene für die Produktion menschlicher Antikörper enthält. Das in diesen Tieren erzeugte Serum ist vermutlich für den Menschen ungefährlich.

Ein zweiter Vorteil der Serumtherapie ist, dass sie polyklonale Antikörper erzeugt. Im Gegensatz zu den monoklonalen Antikörpern, die in Bakterien oder menschlichen Zellkulturen produziert werden, erkennen die Serum-Antikörper verschiedene Abschnitte auf der Oberfläche ihres Zielobjekts. Dies erhöht die Chancen einer Wirksamkeit, da sich die Erreger nicht durch Mutationen dem Zugriff entziehen können.

Zusammen mit der Firma Novavax, einem Impfstoffhersteller aus Gaithersburg, hat SAB jetzt in den Kühen zwei Antikörperpräparate gegen dass MERS-Coronavirus produziert. Die Präparate wurden daraufhin an Mäusen getestet. Die Tiere waren gentechnisch so verändert worden, dass humane MERS-Coronaviren bei ihnen eine schwere Lungenent­zündung auslösen.

Dies konnte, wie Thomas Luke vom Navy Medical Research Center in Silver Springs im US-Staat Maryland und Mitarbeiter berichten, durch die Gabe eines Antikörperpräparats verhindert werden. Während die Tiere einer Kontrollgruppe eine schwere Pneumonie mit hohen Viruskonzentration in der Lunge entwickelten, blieben die mit einem Antikörperpräparat behandelten Tiere weitgehend gesund. Die Viruskonzentrationen lagen teilweise unter der Nachweisgrenze. Die Tiere waren vor der Inokulation mit den Viren einmalig mit 100 µg und 500 µg behandelt worden. Eine einzige Gen-Kuh kann laut Angaben in der Studie im Monat 100 bis 600 Gramm Antikörper produzieren.

Die Firma SAB könnte deshalb genügend Serum für die Behandlung der Patienten in Saudi-Arabien und den benachbarten Ländern liefern. Dies ist allerdings vorerst nicht geplant. Der nächste Schritt besteht in einer Phase 2-Studie, in der gesunde Probanden behandelt werden sollen. Die Forscher hoffen, innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate mit den klinischen Tests beginnen zu können.

Im Gegensatz zu Ebola schwelt die MERS-Epidemie auf kleiner Flamme weiter. In der Woche zwischen dem 22. und 27. Januar wurden der WHO fünf Erkrankungen gemeldet. Seit Beginn der Epidemie im September 2012 sind weltweit 1.638 laborbestätigte Erkrankungen aufgetreten, von denen 587 tödlich endeten. © rme/aerzteblatt.de

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