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Medizin

Influenza: ECDC hält Neuraminidase-Hemmer für wirksam

Sonntag, 21. Februar 2016

Stockholm – Die Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir und Zanamivir sind wirksame und sichere Medikamente zur Vorbeugung und zur Behandlung der Influenza. Zu dieser Einschätzung gelangt eine Expertengruppe, die für das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) den Entwurf einer wissenschaftlichen Empfehlung herausgegeben hat.

Die heftige Diskussion, die nach der Überwindung der Influenza-Pandemie 2009/2010 („Schweinegrippe“) um die Bevorratung von Oseltamivir (Tamiflu) entstanden war und die Zweifel an der Wirksamkeit des Neuraminidase-Hemmers sind inzwischen dem Versuch gewichen, eine realistische Einschätzung zu den Möglichkeiten und Grenzen der Neura­minidase-Hemmer zu finden. Die ECDC hatte hierzu ein Expertenvotum angeregt, dessen Ergebnis als Entwurf jetzt vorgelegt wird. Bis zum 16. März können Kommentare eingereicht werden.

Die Basis bilden eine systematische Übersicht der klinischen Studien durch die Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2014 (Jefferson et al.), die Übersicht der Multiparty Group for Advice on Science (MUGAS, Dobson et al.) aus dem Jahr 2015 zum gleichen Thema, sowie die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie an fast 30.000 Patienten, die 2014 (Muthuri et al.) veröffentlicht wurde.

Die Essenz dieser Studien zeigt nach Einschätzung der ECDC-Experten, dass Oseltamivir eine, wenn auch begrenzte, Wirkung zeigt. Die Zeit bis zum Abklingen der Symptome werden laut Jefferson um 16,8 Stunden und Dobson um 17,8 Stunden verkürzt. Die Zeit bis zum Abklingen aller Symptome betrug laut Dobson im Mittel 25,2 Stunden. Darüber hinaus senkt Oseltamivir die Zahl der Komplikationen wie untere Atemwegsinfektionen, Lungenentzündungen und Krankenhauseinweisungen. Nach der Beobachtungsstudie von Muthuri ist der Einsatz von Neuraminidase-Hemmern mit einem Rückgang der Sterblichkeit bei hospitalisierten Patienten um 19 Prozent assoziiert.

Auch für den prophylaktischen Einsatz gibt es gute Argumente, auch wenn die Schutzwirkung begrenzt ist. Laut den Berechnungen von Jefferson kann die Zahl der laborbestätigten Influenza-Erkrankungen im ambulanten Bereich und in Pflege­einrichtungen um absolut 3,05 Prozent gesenkt werden, im häuslichen Umfeld betrug die absolute Risikominderung 13,6 Prozent.

Nach Einschätzung der Experten wären zwar in vielen Bereichen weitere klinische Studien wünschenswert, etwa zur Wirkung bei Risikogruppen wie Patienten mit Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Den Experten ist jedoch klar, dass es diese Studie nicht geben wird, da die Hersteller nach der Zulassung der Pflicht enthoben sind und keine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln zu erwarten ist.

Bleibt die Hoffnung auf neuere Medikamente. Hier gibt es durchaus interessante Entwicklungen. Zanamivir, das bisher umständlich inhalativ anwendet werden muss, steht vielleicht schon bald zur intravenösen Anwendung zur Verfügung. Eine Phase-3-Studie hat begonnen, Ergebnisse stehen aber noch aus. Peramivir, ein neuer Neuraminidase-Hemmer zur intravenösen Anwendung, ist in Japan und Südkorea seit 2009 und in den USA seit 2014 zugelassen.

Favipiravir, ein Influenza-RNA-Polymerase-Inhibitor zur oralen Anwendung, wurde in Japan 2014 zugelassen. Eine Phase 3-Studie an Erwachsenen mit wieder aufgetretener Grippe ist noch nicht abgeschlossen. Laninamivir, ein lang wirkender Neuraminidase-Hemmer, ist in Japan seit 2010 für die Behandlung von Influenza und seit 2013 auch zur Prophylaxe zugelassen.

DAS181, ein Sialidase-Fusionsprotein, das Sialinsäure auf Atemwegsepithelzellen enzymatisch abbaut, befindet sich in Phase 2 der klinischen Entwicklung. Nitazoxanid, eigentlich ein orales Antiparasitenmittel, das aber gegen Influenza-Viren aktiv ist, wird derzeit in einer Phase 3-Studie in Kombination mit Oseltamivir getestet. Schließlich befinden sich verschiedene monoklonale Antikörper zur intravenösen Anwendung in verschiedenen Entwicklungsstadien der klinischen Prüfung. © rme/aerzteblatt.de

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