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Medizin

Darmkrebsscreening: Kanada bevorzugt Sigmoidoskopie

Dienstag, 23. Februar 2016

Calgary - Anders als das Nachbarland USA und auch Deutschland setzt Kanada bei der Darm­krebs­früh­erken­nung neben dem Stuhlbluttest auf die flexible Sigmoidoskopie. Neben der bisher schwachen Evidenz für die Koloskopie begründet die Canadian Task Force on Preventive Health Care dies im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2016; doi: 10.1503 /cmaj.151125) mit pragmatischen Überlegungen.

Die Koloskopie gilt unter Gastroenterologen als die sicherste Methode, einen Darmkrebs im Frühstadium zu entdecken und der Entwicklung durch die Entfernung von verdäch­tigen Darmpolypen vorzusorgen. Die flexible Sigmoidoskopie, die nur den letzten Abschnitt des Dickdarms untersucht, gilt prinzipiell als zweite Wahl. Die wissenschaf­tliche Basis für diese Überlegungen ist jedoch begrenzt. Es gibt gute Hinweise aus prospektiven Beobachtungsstudien, der „Goldstandard“, ein Nachweis durch randomisierte klinische Studien, die einen Überlebensvorteil belegen, steht jedoch noch aus.

Die flexible Sigmoidoskopie wurde solchen Tests unterzogen und der Vorteil des Screenings lässt sich nach Ansicht der kanadischen Task Force besser abschätzen. Das absolute Risiko, an einem Darmkrebs zu sterben, – es beträgt derzeit bei Männern 3,5 Prozent und bei Frauen 3,1 Prozent – könnte durch eine Untersuchung im Alter von 45 bis 59 Jahren um 0,0540 Prozent und im Alter von 60 bis 80 Jahren um 0,2912 Prozent gesenkt werden.

Die Number Needed to Screen, also die Zahl der Personen, die untersucht werden müssten, um einen Darmkrebstodesfall zu verhindern, liegt bei 1.853 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1.441-2.713) beziehungsweise bei 343 (267-503). Damit erzielt das Screening im Alter von 60 bis 80 Jahren den größten Nutzen. Die kanadische Task Force empfiehlt das Screening für die Altersgruppe von 50 bis 74 Jahren. Als Unter­suchungsintervall werden zehn Jahre genannt. Vor dem 50. Lebensjahr sind Krebs­erkrankungen (außer bei einem genetischen Risiko) zu gering, um ein Screening zu rechtfertigen, heißt es in der Empfehlung. Ab dem 75. Lebensjahr sei eine Fortsetzung des Screenings aufgrund der begrenzten Lebenserwartung nicht mehr sinnvoll.

Die Sigmoidoskopie ist für die Gruppe um Maria Bacchus von der Universität von Calgary in Alberta auch aus praktischen Überlegungen vorteilhaft. Die Untersuchung kann ihrer Ansicht nach nicht nur von spezialisierten Gastroenterologen durchgeführt werden, schreibt das Team. Sie verweist dabei auf die derzeit langen Wartezeiten bei den Fachärzten.

Ob sie die Untersuchung in die Hände von Allgemeinmedizinern legen möchte, lässt die Gruppe allerdings offen. Allgemeinmediziner können jedoch durch den Guajak-basierten Stuhlbluttest einen effektiven Beitrag zur Darm­krebs­früh­erken­nung leisten. Der in den randomisierten klinischen Studien ermittelte Nutzen ist kaum geringer als nach einer flexiblen Sigmoidoskopie. Die kanadische Task Force gibt die absolute Risikominderung mit 0,0377 Prozent für die Altersgruppe unter 60 Jahren und mit 0,2032 für die Altersgruppe ab 60 Jahren an. Die Number Needed to Screen beträgt bei den jüngeren Personen 2.655 (1.757-6.244) und bei den älteren Personen 492 (326-1.157).

Die Koloskopie wird keineswegs wegen einer mangelnden Effektivität abgelehnt, sondern primär, weil ein Nutzen nicht erwiesen sei. Auch zu den Risiken, etwa durch eine Darmperforation, gebe es nicht genügend Informationen. Diese Evidenzlücke soll derzeit durch vier laufende randomisierte Studien geschlossen werden. Die Studie „Northern-European Initiative on Colorectal Cancer“ wird nach Auskunft der Experten jedoch erst 2026 abgeschlossen sein. Die SCREESCO-Studie (Screening of Swedish Colons) läuft noch bis 2034. Eine Studie in Barcelona wird 2021 beendet sein und die CONFIRM-Studie (Colonoscopy Versus Fecal Immunochemical Test in Reducing Mortality From Colorectal Cancer) wird erst 2027 abschließende Ergebnisse vorlegen.

© rme/aerzteblatt.de

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